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DRK feuert Flüchtlingshelfer

Schackendorf DRK feuert Flüchtlingshelfer

Neuer Ärger in der Flüchtlingsbetreuung: Nach dem Korruptionsverdacht gegen die Ausländerbehörde und Vorwürfen gegen die nun entlassene Leiterin der Unterkunft in Schackendorf erhebt ein ehemaliger DRK-Mitarbeiter Anschuldigungen, er sei ungerechtfertigt um seinen Job gebracht worden.

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Ein DRK-Mitarbeiter in der Flüchtlingsunterkunft Schackendorf wurde nach wenigen Tagen wieder entlassen - zu Unrecht, wie er meint.

Quelle: Gerrit Sponholz

Schackendorf. Jan S. ist in seinem Rechtsempfinden erschüttert. Der 47-Jährige stammt ursprünglich aus Aleppo in Syrien, lebt seit 18 Jahren in Bad Segeberg. Der gelernte Schreiner hat schon in verschiedenen Berufen gearbeitet – als Pizzabäcker, als Hausmeister oder aktuell als Busfahrer für eine Schule. „Im Zuge der Flüchtlingskrise hörte ich Anfang des Jahres, dass das DRK Mitarbeiter sucht, und da ich Arabisch spreche und die Mentalität der Menschen aus meinem Heimatland kenne, habe ich mich beworben“, berichtet Jan S., der mit seiner Frau und drei Kindern im Alter von zwei bis siebzehn Jahren in der Kreisstadt lebt.

 Nur wenige Tage nach dem Bewerbungsgespräch bekam er eine Zusage des DRK – zunächst für einen Mini-Job in der Schackendorfer Flüchtlingsunterkunft. Zwei Tage pro Woche sollte er dort tätig sein, jeweils montags und donnerstags. Parallel hatte er sich auch beim Kreis für den Hausmeister-Posten in der Flüchtlingsunterkunft in Warder beworben. Auch dort seien ihm Hoffnungen, nicht zuletzt aufgrund seiner sprachlichen Kompetenzen, gemacht worden, sagt er.

 Am 7. März trat Jan S. zunächst aber seinen Posten in Schackendorf an. Nach nur einer Woche wurde er zum Geschäftsführer der DRK-Betreuungsdienste in Bad Segeberg, Matthias Deerberg, bestellt – „damit ich meine Kündigungspapiere unterschreiben kann“, sagt der 47-Jährige. Gründe für die Entlassung sind in dem Schriftsatz nicht benannt. Formal ist das bei Kündigungen innerhalb der Probezeit auch nicht notwendig. Auf Nachfrage habe Deerberg dem Familienvater allerdings gesagt, dass er vom „Kreis Segeberg“ gehört habe, Jan S. betreibe eine Wohnungsvermittlung für Flüchtlinge. „Eine unwahre Behauptung“, beteuert der Mann. Richtig sei, dass er in der syrischen Szene Segebergs bekannt sei. „Ich habe immer wieder einmal Landsleuten geholfen, wenn es um Behördengänge ging oder ein Übersetzer gebraucht wurde“, sagt Jan S.. Zu keinem Zeitpunkt habe er allerdings Wohnungen vermittelt oder Geld von Flüchtlingen kassiert.

 In seiner Enttäuschung, nach nur zwei Arbeitstagen seinen neuen Job schon wieder verloren zu haben, schrieb er an den Kreis Segeberg und verlangte eine Stellungnahme. „Vor allem möchte ich wissen, wer Unwahrheiten über mich verbreitet“, sagt Jan S.. Anfang April habe er einen Gesprächstermin bei Landrat Jan Peter Schröder gehabt. „Er versprach mir, sich der Sache anzunehmen und bat mich, mit dem Vorfall nicht zur Polizei oder zur Presse zu gehen. Gehört habe ich von ihm bis zum heutigen Tag nichts mehr.“ Stattdessen wurde Jan S. schriftlich mitgeteilt, dass auch seine zweite Bewerbung in Warder abgelehnt worden sei.

 Gernot Schramm, Sprecher des Landrats, will sich über „Inhalte von vertraulichen Gesprächen“ nicht äußern und verweist an das DRK. Betreuungsdienste-Leiter Matthias Deerberg teilt schriftlich mit, dass seine Organisation dabei bleibe, „zu etwaigen Gründen zur Beendigung von Arbeitsverhältnissen aus arbeitsrechtlichen Gründen gegenüber unbeteiligten Dritten keine Details mitzuteilen“. Generell behauptet Deerberg: „Keinem Mitarbeiter des DRK wurde bislang gekündigt, weil er Gästen hilft oder helfen möchte.“ Es sei aber strikt darauf zu achten, „dass für diese Hilfe keine Gegenleistung verlangt wird oder auch nur der Eindruck vermittelt wird, es werde dafür eine Gegenleistung erwartet“. Diese Stellungnahme stehe allerdings nicht in einem Zusammenhang mit einem konkreten Vorgang.

 Jan S. ist in seinem Rechtsempfinden erschüttert. „Jeder, der mich ein wenig kennt, weiß, wie ich bin“, beteuert der 47-Jährige. Er hätte sich gewünscht, dass er zu den Anschuldigungen zumindest angehört worden wäre: „Ich hätte auch sofort dem DRK und dem Kreis mein Okay gegeben, meinen aktuellen Arbeitgeber über meinen Leumund zu befragen. Doch das wollte man offenkundig nicht.“

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Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

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