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A 20-Trassenführung keine Gefahr für Fledermäuse

Schleswig-Holstein A 20-Trassenführung keine Gefahr für Fledermäuse

Die Fledermäuse in der Kalkberghöhle stehen einem Weiterbau der A20 bei Bad Segeberg nach Angaben des Verkehrsministeriums nicht im Wege. „Eine fledermausfreundliche Gestaltung der A20 ist möglich“, sagte Verkehrs-Staatssekretär Frank Nägele am Freitag.

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Die geplante Trassenführung der A 20 im Raum Bad Segeberg gefährdet die in der Kalkberghöhle überwinternden Fledermäuse nicht.

Quelle: NABU/ Thomas Stephan/ hfr

Bad Segeberg. Das sei das Ergebnis einer mehrmonatigen Untersuchung vor Ort. Das Bundesverwaltungsgericht hatte im November 2013 den Weiterbau der Autobahn gestoppt, weil nach Einschätzung der Richter der Fledermausschutz nicht ausreichend beachtet worden war. Das Land hatte daraufhin ein umfangreiches Monitoring aufgelegt, das jetzt abgeschlossen ist.

„Die Zwischenergebnisse belegen, dass die Fledermäuse schon jetzt vorhandene Bauwerke und naturräumliche Strukturen intelligent nutzen, um die A21 westlich von Bad Segeberg zu überqueren“, sagte Nägele. Diese Erkenntnisse seien bereits in die Planung der A20 eingeflossen. Sie hätten Bestand. Experten des Noctalis-Fledermauszentrums, Ingenieurbüros und das Kieler Institut für Landschaftsökologie hatten seit März 2014 die Flugrouten der rund 25.000 Tiere rund um den Kalkberg penibel untersucht. Dafür wurden an mehr als 100 Stellen Ultraschallerfassungsysteme aufgestellt. Einzelne Tiere wurden mit Leuchtzeichen markiert, um die Flugwege exakter bestimmen zu können. Der Befund: Die Tiere verfügen über verlässliche Leitsysteme und Einflugschneisen wie Knicks oder Tunnel, die schon jetzt gut funktionieren, im Zuge des A20-Weiterbaus aber noch ergänzt werden sollen. So ist vorgesehen, zusätzliche höhere Schutzzäune zu installieren, um die Flughöhe der Tiere zu erhöhen, die die Autobahn überfliegen. Unklar ist dabei noch, in welcher Höhe die Trasse insgesamt verläuft. Die von Anwohnern aus Gründen des Lärmschutzes favorisierte Tieflage dürfte es aus Naturschutzgründen schwer haben, da in diesem Fall die benötigten Fledermaustunnel nicht adäquat umzusetzen wären. Die umfangreichen Datenmengen sollen nun zusammengefasst und aufbereitet werden. Anschließend seien die vorgesehenen Schutzmaßnahmen zu optimieren, heißt es aus dem Ministerium.

„Wir werden uns die Daten sehr genau ansehen“, sagte Nabu-Landesgeschäftsführer Ingo Ludwichowski. Die Umweltverbände waren nach eigenen Angaben in das Monitoring kaum einbezogen worden. Die Wahrscheinlichkeit weiterer Klagen ist hoch. Wann ein Planfeststellungsbeschluss für diesen Autobahnabschnitt vorliegen wird, steht nach Angaben Nägeles noch nicht fest. „Wir haben nur noch eine Chance, und die muss sitzen. Eine zweite Niederlage vor Gericht will ich nicht riskieren, deshalb geht Sicherheit vor Schnelligkeit.“

CDU und FDP im schleswig-holsteinischen Landtag kritisierten, Infrastrukturplanungen würden immer häufiger durch Naturschutzbelange behindert. „Dass Fledermäuse, Wachtelkönige und Schlammpeitzger mittlerweile eine solche Macht haben, sogar wichtige Verkehrsprojekte zu verhindern, geht wirklich zu weit“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Hans-Jörn Arp. Der FDP-Verkehrsexperte Christopher Vogt forderte, das Planungsrecht müsse im Bereich der Verkehrsinfrastruktur deutlich vereinfacht werden: „Anstatt seinen Staatssekretär in der Sommerpause wissenschaftliche Fledermauszählungen vorstellen zu lassen, sollte Herr Meyer der Öffentlichkeit endlich seine angekündigten Reformvorschläge präsentieren.“

Die Industrie- und Handelskammer zu Kiel begrüßt die Zwischenergebnisse der Fledermauszählungen: „Es ist eine gute Nachricht, dass die A20 fledermausfreundlich gestaltet werden kann und vor allem dass das vorgesehene Schutzkonzept tragfähig zu sein scheint“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Jörg Orlemann. Das Ergebnis dürfe jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Planung und Bau der A20 nach wie vor viel zu langsam vorankommen.

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Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
Ein Artikel von
Patrick Tiede
Redaktion Lokales Kiel/SH - Landeshaus-Korrespondent

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Ein großer Schritt für die Fledermaus, ein kleiner Schritt für die A20: Das Ergebnis des umfangreichen Monitorings rund um den Segeberger Kalkberg eröffnet eine Lebensperspektive für Tier und Trasse. Die rund 25.000 Fledermäuse werden sich mit dem Betonband in ihrer Nachbarschaft wohl arrangieren können, so wie der gemeine Autofahrer mit einem leichten Druck auf das Bremspedal ihrer Anwesenheit temporär mehr oder minder freiwillig Tribut zollen mag: Hauptsache Autobahn.

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