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Erinnerung statt Heldenpathos

Volkstrauertag in Bad Bramstedt Erinnerung statt Heldenpathos

Es ist eine lange gehegte Tradition in Bad Bramstedt, dass Schüler aus den weiterführenden Schulen am Freitag vor dem Volkstrauertag einen Kranz auf dem Ehrenfriedhof niederlegen. Die jungen Leute zeigten sich auch diesmal betroffen von dem Elend der Kriegs- und Nachkriegszeit.

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Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach legte mit den Schüler am Holzkreuz auf dem Friedhof Kränze nieder.

Quelle: Jann Roolfs

Bad Bramstedt. Bad Bramstedt. Gedenken – wie geht das eigentlich? Nach dem ersten Weltkrieg gedachten die Deutschen vor allem ihrer Helden; der heutige Volkstrauertag hieß während der Nazizeit „Heldengedenktag“. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich die Auffassung gewandelt, die Trauer um die Opfer trat in den Vordergrund. Es waren so viele, dass in Bad Bramstedt der Platz am Denkmal gar nicht mehr ausreichte, um alle ihre Namen aufzuführen. Später wurde das Gedenken ausgeweitet, nicht nur deutsche Soldaten wurden Gegenstand der Trauer, inzwischen wird auch der Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gedacht; in Hamburg wird in diesem Jahr sogar eine Skulptur zur Erinnerung an Deserteure aus der deutschen Wehrmacht eingeweiht.

 Für junge Menschen ist das sehr weit weg. „Mein Urgroßvater ist im Krieg gestorben“, erzählt die Schülerin Mirja Brandt. Gemeinsam mit Janne Martiensen hat sie gerade einen Kranz niedergelegt; zwei Tage vor dem Volkstrauertag. Das ist in Bad Bramstedt seit Jahren Sitte: Am Freitag vorher legen Abordnungen der drei Bramstedter weiterführenden Schulen Kränze auf dem Friedhof nieder.

 Allerdings nicht am Mahnmal für die Gefallenen, sondern in einer stillen Ecke des alten Friedhofs: Ein schlichtes Holzkreuz erinnert hier an die Soldaten und eine Zivilistin, die zwischen 1944 und 1947 in Bad Bramstedt starben. Die meisten von ihnen kamen im Lazarett um, zu dem damals die Rheumaheilstätte (heute Klinikum Bad Bramstedt) umfunktioniert worden war. Nach dem Krieg firmierte es als „Influx“-Krankenhaus, in dem unter erbärmlichen Bedingungen schwer Kranke versorgt wurden, von denen viele aus den ehemals deutschen Ostgebieten stammten.

 Das Holzkreuz steht am Ende von fünf langen Gräberreihen. Es trägt keine Inschrift; auf den Findlingen davor stehen jeweils nur die Namen, Geburts- und Todesjahre der Verstorbenen. „Je länger man hier ist, desto trauriger ist es“, findet Mirja Brandt. Janne Martiensen fühlt sich von diesem Gefühl animiert, über das Schicksal der Menschen nachzudenken, die hier bestattet liegen.

 Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach erklärte den insgesamt neun Schülern der drei weiterführenden Schulen der Stadt kurz die Geschichte des Volkstrauertags und schlug eine Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart der jungen Leute, indem er von seiner eigenen Familie erzählte: Sein Vater stammt aus dem heutigen Polen und kam aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zu seiner geflüchteten Familie nach Bad Bramstedt. Er starb 2006 und ermahnte seinen Sohn trotz aller schrecklichen Erlebnisse, die er selbst durchgemacht hatte, dass jede Generation sich eine eigene Meinung bilden müsse und nicht die Leiden der Vorfahren aufrechnen dürfe.

 „Es gelingt Menschen oft nicht, die Vergangenheit friedlich zu verarbeiten“, bedauerte Kütbach. Aber er zeigte sich froh, dass „die heutige Generation diese Gedanken nicht hat“, die revanchistischen. Und so ist für den Bürgermeister der Volkstrauertag „auch ein Tag für die Zukunft“.

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