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Schüler testen demokratische Spielregeln

Jugend im Kreistag Schüler testen demokratische Spielregeln

Als Quarterback in seiner American Football-Mannschaft gibt Lennart Schümann den Ton an. Bei „Jugend im Kreistag“ wurde der 15-Jährige nun zum „Kreispräsidenten“ gewählt und führte durch die Sitzung. An zwei Tagen übten mehr als 60 Schüler aus dem Kreis die demokratischen Abläufe eines Kreistages.

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Jugend im Kreistag: Mehr als 60 Neunt- und Zehntklässler aus dem Kreis Segeberg diskutieren im Kreistag über Beschlussvorlagen, die sie in Arbeitsgruppen zuvor ausgearbeitet hatten.

Quelle: Gunnar Müller

Bad Segeberg. „Letztes Jahr war ich bereits Vizepräsident“, sagte Schümann, Schüler des Norderstedter Harksheide-Gymnasiums. „Ich glaube, das wird eine gute Erfahrung sein, wie ich solche Sitzungen selbst leiten kann“, erklärte Lennart. Mehr als eine Stunde Fahrt nahmen er und seine Mitschüler aus Norderstedt in Kauf. „Und es hat sich total gelohnt“, resümierte der Gymnasiast.

Liv Kristin Voß stellte am Dienstagnachmittag als erste die Ergebnisse ihrer Arbeitsgruppe (AG) „Inklusion und Integration“ vor. Unabhängig vom familiären Hintergrund sollte jedem Schüler die gleichen Chancen gegeben werden. Dazu hatte sich die AG das Konzept des Schüler-Lernpaten überlegt, der, anders als ein Nachhilfelehrer, beim Lernen grundsätzlich helfen solle. Dann entspann sich eine Debatte wie bei den „Großen“: Warum keine Schulung von Nachhilfelehrern? Sollten die Lernpaten dafür entschädigt werden? Es hagelte Gegenanträge und Antragsänderungen. „Wir drehen uns die ganze Zeit im Kreis“, meldete sich schließlich Daniel Schulte. Er halte schließlich den Antrag – so wie er gestellt war – für überflüssig. Die Diskussion wurde immer kleinteiliger, sodass Lennart mühsam Antrag und Änderungsanträge zusammenfasste, die dann letztlich auch einstimmig angenommen wurden: Lernpaten sollten eine kleine Aufwandsentschädigung erhalten und ihre Tätigkeit im Zeugnis festgehalten werden – allerdings: alles freiwillig und nicht verpflichtend.

Vorher Themen recherchiert

Bevor sie im Kreistag debattierten, hatten die Neunt- und Zehntklässler bereits ein großes Pensum hinter sich gebracht. Am Montag trafen sie sich in der Jugendakademie und begannen in Arbeitsgruppen zu vielen Themen zu recherchieren, argumentieren und sich auszutauschen: Inklusion und Integration, digitaler Lebensraum, politische Mitwirkung Jugendlicher, jugendgerechte Kommune, der Umgang mit Ressourcen oder die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit eines Kreises.

„Wir haben seit Jahren wachsenden Zuspruch“, erklärte Winfried Zylka (CDU), Kreispräsident des Kreises Segeberg, der diese Sitzung als „echter“ Alterspräsident eröffnet hatte. Zylka lauschte sichtlich zufrieden dem politischen Nachwuchs.

Links und rechts neben Kreispräsident Lennart nahmen seine Stellvertreter Platz, die in der Wahl zum Präsidium nur etwas weniger Stimmen erhalten hatten als der Norderstedter. Erster Stellvertreter wurde Falk-Ringo Finger. Auch der 15-Jährige, der die 9. Klasse der Dahlmannschule in Bad Segeberg besucht, wollte wissen, wie Sitzungen geleitet werden. Neben Feuerwehr und Fußball ist der Schüler im Wahlstedter Jugendbeirat aktiv.

Erfahrung als Klassensprecherin

Jane Thurm vom Alstergymnasium Henstedt-Ulzburg komplettierte das Tagungspräsidium. Auch die 14-Jährige hat bereits mit Leiten Erfahrung: Als Klassensprecherin und Kapitänin ihrer Fußballmannschaft gibt die 9.Klässlerin gerne auch mal die Richtung vor.

„Die sind richtig pfiffig und voll dabei“, freute sich Constanze Marx, die für den Kreis „Jugend im Kreistag“ koordiniert.

„Auch mein Blick hat sich total geändert“, sagte CDU-Kreistagsabgeordnete Annette Glage. Warum, zum Beispiel solle Unterricht frei sein, der Weg dorthin aber kosten? Wie könne man die drögen Texte, die Verwaltung und Politik oft benutzten, so in einfache Sprache formulieren, dass sie von allen verstanden werden kann? Für Annette Glage, die als eine von vielen Politikern und Vertretern der Verwaltung als Gruppenleiterin den Jugendgruppen zur Seite stand, sind das Projekt und die „richtige“ Politik kommunizierende Röhren: Der eine lernt vom anderen. „Und Politik ist nicht staubig, sondern wie ein positiver Virus, der hoffentlich die Jugendlichen auch ein wenig angesteckt hat.“

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Gunnar Müller
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