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Millionenaufwand im Herrenhaus

Seedorf Millionenaufwand im Herrenhaus

Nicht lange gezögert hat Dietger Hartmut Bernot (72) aus Bosau. Im März hatte er das Herrenhaus Seedorf mit etlichen Nebengebäuden in einer Zwangsversteigerung erworben. Schon wenige Tage später rückten Handwerker an. Für einige Millionen Euro wird er das Gebäudeensemble sanieren und umbauen.

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Dietger Bernot aus Bosau lässt das Herrenhaus Seedorf und die Nebenanlagen mit viel Aufwand herrichten.

Quelle: Gerrit Sponholz

Seedorf. Vermutlich wird ein Tagungshaus aus dem Gebäudeensemble, dessen Ursprünge bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen. Selbst einziehen will Bernot nicht, aber einen Wohntrakt im Herrenhaus für sich reservieren.

 Als ehemaliger, weltweit tätiger Manager der Brandschutzfirma Minimax ist er es gewohnt, anzupacken und Risiken einzugehen. Aber alles Schritt für Schritt, sagt er, auch ein wenig von sich selbst überrascht. Denn der Kauf hatte auch einen Zug von Spontaneität. Die Wochen vor der Zwangsversteigerung, räumt er ein, sei er noch unentschlossen gewesen. Aber den Scheck für die nötige Kaution hatte er vorsichtshalber beim Gang zum Amtsgericht Bad Segeberg dann doch eingesteckt. Er war der Einzige, der bot. Für 527000 Euro erhielt er den Zuschlag.

 Der frühere Verdienst und ein geschicktes Händchen bei der Geldanlage haben ihn zum wohlhabenden Mann gemacht. Nach dem Gang in die Rente 2008 habe er sich ein Jahr lang mit Radeln erholt, berichtet Bernot. Dann habe es ihn wieder gejuckt, ein Projekt anzupacken. Aus der Segeberger Zeitung hatte er von der Zwangsversteigerung erfahren. Als er sich das Herrenhaus von außen ansah, „habe ich nur noch Andacht gespürt“. So schön sei die Anlage, und so attraktiv gelegen. Ruhig, in der Natur. „80 Prozent aller Vögel, die es in Schleswig-Holstein gibt, sind hier anzufinden“ - unter anderem Schwarzspecht, Silberreiher, Adler.

 Derzeit lässt Bernot alles vermessen, Dachrinne und Heizung reparieren, den Brandschutz verbessern, die Fenster streichen und den Garten in Ordnung bringen. Zuerst hatte er das Haus und die ehemaligen Stallungen von Müll und Altpapier befreien müssen. „Sieben Container wurden voll.“ Der Abfall habe 30 Tonnen gewogen. Ihn hinterlassen hatte ein älteres Ehepaar, das das Herrenhaus als Verwaltungs- und Wohnsitz genutzt sowie an Feiergesellschaften vermietet hatte, aber sich finanziell offenbar übernahm.

 Bernot zeigte seine neuen Immobilien Experten. Die rechneten ihm vor, dass eine Komplettsanierung mit Umbau bis zu 3 Millionen Euro kosten wird. Der neue Eigentümer will Schritt für Schritt vorgehen. Er habe keine Eile, sagt er, auch die Denkmalschutzbehörden drängten ihn nicht. Bernot ist voller Pläne, auch für die Gebäudebelegung.

 Anfängliche Ideen waren zwischenzeitlich zerplatzt. So wird es wohl noch etwas dauern, bis seine Nichte mit ihrem Mann mit einer Praxis für Traditionelle Chinesische Medizin einziehen wird. Nichts wird auch daraus, dass sein ehemaliger Arbeitgeber Minimax im Herrenhaus einen Firmensitz bezieht oder das Gebäude als Seminarhaus nutzt. Das Unternehmen sei gerade dabei, andernorts massiv zu investieren, erzählt Bernot.

 Wie gerufen kam da das Angebot einer Pädagogin und Handelslehrerin aus Bad Malente. Sie hatte von dem Kauf durch Bernot erfahren und ihm vorgeschlagen, dort ein Seminarhaus einzurichten, „zur Potenzialförderung junger Menschen“ und für „Entspannungs- und Mentaltraining für Burnout-Prävention“. Bernot ist begeistert. Schon im April will die Frau einen ersten Versuch starten.

 Passend dazu sollen in den ehemaligen Stallungen, die zwischen dem historischen Torhaus – das in Gemeindebesitz ist – und dem Herrenhaus liegen, Quartiere für Tagungsgäste eingerichtet werden. Eine Tanzdiele könnte als Treffpunkt oder Schlafsaal für Jugendgruppen dienen. Einen alten Pferdestall im rückwärtigen Bereich will Bernot reaktivieren. Auch eine Werkstatt soll zu neuem Leben erweckt werden.

 Auf öffentliche Gastronomie und Hochzeitsfeiern, wie die Vorbesitzer sie ausrichteten, will er verzichten. „Tagungen werden mein Hauptthema sein.“ Froh ist Bernot auch, dass er so freundlich von der Gemeinde und den Nachbarn in Seedorf aufgenommen worden ist. Angst, ein zu großes Risiko eingegangen zu sein, hat er nicht. Das Herrenhaus habe er gekauft, ohne es von innen gesehen zu haben, und Glück gehabt. Das Haus sei in passablem Zustand. Er packe gerne an, habe schon mehrere Häuser wiederaufgebaut und nichts zu verlieren. Bernot ist optimistisch, dass alles gelingt. „Ich kann ruhig schlafen“, sagt er, und strahlt über das ganze Gesicht.

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