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Schwierige Hilfe für Adler in Not

Seedorf Schwierige Hilfe für Adler in Not

Große Sorgen um einen offenbar lädierten Seeadler macht sich Oliver Stein. Der Begrünungsobmann der Kreisjägerschaft Segeberg entdeckte ihn auf einer Wiese am Seedorfer See. „Er lief im Kreis, drehte den Kopf, brach immer wieder zusammen.“ Hilfe ist schwierig in Zeiten der Vogelpest.

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Seeadler wie dieses Exemplar stehen unter Schutz. Dass das kranke oder verletzte Tier bei Seedorf von dem Vogelgrippe-Virus befallen ist, halten Experten für unwahrscheinlich.

Quelle: Joachim Arp/Archiv

Seedorf. Als Stein sich näherte, begann der Seeadler zu flattern, schien aber nicht wegfliegen zu können. Auch einen Tag später war der Seeadler noch dort, von denen es nur wenige in Schleswig-Holstein gibt. 2015 wurden im Kreis Segeberg nur sieben Paare gezählt.

 Stein versuchte Hilfe zu organisieren. Das erwies sich anfangs als schwierig. Der Wildpark Eekholt, der solche Tiere sonst aufpäppelt, habe abgewunken. Das Kreisveterinäramt habe mitgeteilt, dass es zuständig sei, falls das Tier tot oder einwandfrei von Vogelgrippe befallen sei.

 Dass das Tier unter diesem Virus leide, schloss Jäger Oliver Stein nicht aus. Sich dem Tier nähern, könne er aus artenschutzrechtlichen Gründen nicht. „Wir dürfen es uns nicht aneignen und auch nicht auf das Tier schießen.“ Die Untere Naturschutzbehörde sei eingeschaltet worden. Ein Mitarbeiter habe sich das Tier angesehen und dazu geraten, es mit Futter am Leben zu halten.

 Der Seeadler wird nicht nur durch Viren, sondern auch durch Umwelteinflüsse gefährdet. Der Artenschutzbericht des Landes von 2015 listet etliche Fälle auf, in denen Seeadler in den vergangenen Jahren durch Pflanzenschutzmittel tödlich vergiftet worden sind. Darunter etliche Wirkstoffe, die seit Jahren in der Europäischen Union verboten sind. „Es muss davon ausgegangen werden, dass sie gezielt ausgebracht wurden, um Tiere in freier Wildbahn zu vergiften“, heißt es im Bericht.

 Diese Ursache hält Bernd Struwe-Juhl, Geschäftsführer der Projektgruppe Seeadlerschutz, beim Seedorfer Greif allerdings für unwahrscheinlich. „Wir wissen von dem Fall, beobachten den Seeadler erst einmal.“ Die Kreisveterinäre seien eingeschaltet. „Es könnte eine Bleivergiftung sein.“ Diese ziehen sich Seeadler zu, wenn sie Reste von geschossenem Wild fressen.

 In Stationen wie den Wildpark Eekholt dürften diese Tiere wegen der Vogelgrippe-Ansteckungsgefahr nicht gebracht werden, erklärt Struwe-Juhl. Denkbar wäre, das Tier in einem Einzelgehege unterzubringen.

 Das Problem: Dann müsste der Seeadler dort hin transportiert werden. Und das ist in Zeiten der Vogelgrippe schwierig, sagt der zuständige Förster Hans Martin Hay vom Revier Lebrade/Rixdorf. Er hat sich der Sache angenommen und betont: „Alle Behörden wissen Bescheid und sind eingeschaltet.“ Auf den Vogelgrippevirus als Krankheitsursache tippt Hay nicht. „Eventuell hat eine Gruppe von Kolkraben ihn attackiert“ im Kampf um Nahrung. In solch einem Fall sei der Adler unterlegen.

 Kreispressesprecher Gernot Schramm bestätigt, dass der Seeadler weiter in freier Wildbahn sei und vom Revierförster beobachtet werde. Auf den Seeadler als streng geschützte Vogelart habe das Kreisveterinäramt „tot oder lebendig, ohne besonderen Anlass kein Erstzugriffsrecht.“ Das liege beim Jagdausübungsberechtigten. Sollte der Vogel verenden, könnte wegen der grassierenden Vogelseuche das Kreisveterinäramt aber entscheiden, ob eine Probe zur Untersuchung auf das Geflügelpest-Virus entnommen wird. Generell würde der Kreis in Amtshilfe Proben untersuchen, sofern der „rechtlich Verfügungsberechtigte einen solchen Vogel, lebend oder als Totfund, zur Beprobung zur Verfügung stellt.“

 Sei Wild schwerkrank und leide, könnte es nach dem Jagdrecht erlegt werden, sagt Schramm. Im Falle des Seeadlers würden Artenschutzbehörde und Kreisveterinäramt an der Entscheidung beteiligt.

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
Segeberger Zeitung

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