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Die Hilfe kommt zum Kind

Segeberg und Ostholstein Die Hilfe kommt zum Kind

Lückenschluss im Kinderschutz: Die Fachberatungsstellen in Bad Segeberg und Neustadt verschmelzen zu einem gemeinsamen Kinderschutz-Zentrum Ostholstein-Segeberg. Dadurch sollen Kinder im ländlichen Gebiet der beiden Nachbarkreise besser vor Übergriffen geschützt werden.

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Das Kinderschutz-Zentrum Ostholstein-Segeberg wurde im großer Runde eingeweiht.

Quelle: Petra Stöver

Bad Segeberg.  In zwölf Orten werden Hilfe, Beratung, Diagnostik und Therapie für Kinder und Jugendliche und deren Eltern sowie Gespräche mit Fachleuten in Kindergärten und Schulen angeboten. Wenn Kinder akut von Gewalt, Missbrauch oder Vernachlässigung bedroht oder betroffen sind, wollen die Mitarbeiter ihnen schneller und besser helfen können.

Das neue Zentrum wurde am Montag im Gemeindehaus an der Marienkirche in Bad Segeberg eröffnet. Es ist das vierte im Land (nach Kiel, Lübeck und Heide) und das zweite im ländlichen Raum. Gemeinsame Anstrengungen von Politik, Verwaltung und Kinderschutz haben es ermöglicht. Vorausgegangen war ein vierjähriger Planungs- und Entwicklungsprozess.

In Ostholstein ist der Kinderschutzbund breiter aufgestellt als in Segeberg, wo sich bislang die Fachberatungsstelle bei sexueller Gewalt befand. Durch die Zusammenlegung ist es möglich, an allen Standorten bei Gewalt an Kindern - ob sexueller Missbrauch, Misshandlung oder Vernachlässigung - zu beraten. Prävention ist ein weiterer Baustein.

Alles was nötig ist, befindet sich im Kofferraum

Dort helfen zu können, wo konkrete Hilfe notwendig ist, nannten die beiden Fachbereichsleiterinnen Silke Orthmann (Segeberg) und Silke Krause (Ostholstein) als Ziele und Aufgaben des kreisübergreifenden Zentrums. Beide wohnen selbst in kleinen Dörfern und wissen, wie schwierig es sein kann, bei Krisen eine Fachstelle in einem Zentrum zu erreichen. Wie sollen es die schaffen, die kein Auto haben, die ihre Kinder ohne Partner erziehen oder deren Familie gleich von mehreren Problemen gebeutelt ist? „Wenn die Familie nicht kommen kann kommen wir zur Familie“, versprachen die beiden Leiterinnen. „Alles was nötig ist befindet sich im Kofferraum.“

Die Einrichtung des Zentrum sei „ein völlig richtiger Schritt“, sagte Segebergs Landrat Jan Peter Schröder. „Wir müssen und können da noch besser werden.“ Wichtig sei vor allem ein dicht geknüpftes Netzwerk aller Fachleute, die sich um bedrohte Kinder kümmern. Sein Kollege Reinhard Sager aus Ostholstein sprach von einem „Zugewinn für die Region“. Es gelte, jedes einzelne Kind zu schützen und Gewalt gegen Kinder aus dem Tabubereich zu holen.

Kinderschutz kostet Geld

Das Kinderschutz-Zentrum Ostholstein-Segeberg ist Mitglied in der Bundesarbeitsgemeinschaft „Die Kinderschutz-Zentren“, die verbindliche Qualitätsstandards erarbeitet. „Kinderschutz kostet Geld“, hielt deren Bundesgeschäftsführer Arthur Kröhnert den Gästen aus Politik, Verwaltung und Verbänden vor. Da sich die Problemlagen in den Familien verschärfen, müsse in qualifiziertes Personal investiert werden. Er äußerte sich zuversichtlich, dass das „innovative und zukunftsorientierte Arbeitskonzept“ sich bewährt . Davon würden nicht nur Eltern und Kinder profitieren. Das neue Zentrum werde sich zu einer Modelleinrichtung entwickeln, die weit über die Region hinaus für den Kinderschutz von Bedeutung sein wird.

Von Petra Stoever

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