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Gummitier hilft Seelen trösten

Segeberger Feuerwehr Gummitier hilft Seelen trösten

Was Feuerwehrleute sehen und erleben, bringt sie immer wieder an die Grenze dessen, was noch auszuhalten ist. Damit sie mit diesen Situationen psychisch fertig werden, gibt es eine Gruppe „Psychosoziale Unterstützung“ (PSU). Sie will mehr Werbung für ihre Arbeit machen - mit „Knautschi“.

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Die Figur Knautschi (vorne) soll Feuerwehrleuten helfen, besondere Belastungen im Einsatz zu ertragen. Wie, das verrieten Gunnar Urbach (von links),Thorsten Hensel, Andreas Beran, Holger Gebauer und Daniel Havemann.

Quelle: Detlef Dreessen

Kreis Segeberg. Im Extremfall sehen Feuerwehrleute, wie ihre Kameraden im Einsatz schwer verletzt werden oder sterben. Die PSU hilft den Einsatzkräften dabei, belastende Eindrücke zu verarbeiten. Um diesen Service in den Wehren bekannter zu machen, will der Kreisfeuerwehrverband an alle Kameraden spezielle Knautsch-Figuren verteilen. Finanzieren will die Feuerwehr die Aktion durch so genanntes Crowdfunding.

 Als Fachdienstleiter der PSU weiß Andreas Beran, unter welchen schrecklichen Eindrücken Feuerwehrleute nach manchen Einsätzen leiden. „Die Bilder bleiben auch lange nach dem Einsatz im Kopf.“ Schlaflose Nächte und Angstzustände können zu den Folgen gehören - bis hin zur Berufsunfähigkeit. Beran: „Es kann sein, dass man glaubt, man habe alles verarbeitet - und 20 Jahre später kommt es in einer ganz anderen Situation wieder hoch.“

 In der Fachsprache der Psychologen handelt es sich um posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) - jenes Phänomen, unter dem auch Soldaten leiden, die von einem Einsatz nach Hause kommen.

 Die Zeiten, in denen seelische Verletzungen verheimlicht wurden, seien vorbei, sagte Beran. Schon in der Ausbildung werden die Männer und Frauen darauf hingewiesen, dass die Kameraden der PSU für sie da sind, wenn es nach dem Einsatz im Inneren „brennt“. Eine Hotline ist jeden Tag rund um die Uhr besetzt.

 „Wir besprechen das Erlebte - das ist auch später für die Versicherung wichtig“, erläutert Beran. Meistens reichten ein oder zwei Besprechungen. Alle Mitglieder der PSU sind aktive Feuerwehrleute und darüber hinaus durch regelmäßige Fortbildungen geschult, so dass sie wissen, wovon sie sprechen. „Wenn nach sechs Wochen immer noch nicht alles in Ordnung ist, vermitteln wir an Psychologen.“

 Weil das seelische Tief oft nicht im Feuerwehrhaus, sondern zu Hause kommt, will der Kreisfeuerwehrverband nun auf besondere Weise einladen, die Hilfe in Anspruch zu nehmen. Figuren in Form eines Feuerwehrmanns, die mit der Hotline-Telefonnummer der PSU bedruckt sind. Außerdem kann die Figur in der Faust gedrückt - eben geknautscht - werden. „Schon das hilft beim Stressabbau“, weiß Beran.

 Bei der Finanzierung kam PSU-Gruppenleiter Thorsten Hensel von der Feuerwehr Kaltenkirchen auf die Idee, seinen Arbeitgeber zu fragen: die Evangelische Bank. Sie stellt eine Crowdfunding-Plattform zur Verfügung: Eine Internetseite, auf der Besucher einen Spendenbetrag anklicken, der von ihrem Konto abgebucht wird.

 Das Besondere: Für Spenden ab 5 Euro legt die Bank jeweils 10 Euro oben drauf. Wenn bis zum 23. Dezember auf diese Weise 1000 Euro zusammen kommen, sollen davon die ersten 400 Knautschis gekauft werden, kündigt Kreiswehrführer Holger Gebauer an. Die Chancen stehen offenbar gut. Bis Montagnachmittag waren laut Internetseite bereits 426 Euro gespendet, die Hälfte davon von der Bank.

 Gerne dürfe aber auch deutlich mehr als 1000 Euro gespendet werden, betonte Kreiswehrführer Gebauer. Insgesamt tun im Kreis Segeberg 4200 Männer und Frauen und 800 Jugendliche Dienst in den Wehren.

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