23 ° / 15 ° Gewitter

Navigation:
Bewegendes und Unterhaltsames

Segeberger Jahrbuch Bewegendes und Unterhaltsames

Wer gern gründlich informiert sein möchte über das Leben im Kreis Segeberg, kann seit Jahrzehnten auf eine facettenreiche Quelle zurückgreifen: das „Heimatkundliche Jahrbuch für den Kreis Segeberg“. In diesem Jahr ist es zum 61. Mal erschienen.

Voriger Artikel
Geschichte in 160 Bildern
Nächster Artikel
Rekordhaushalt für 2016

Das Heimatkundliche Jahrbuch 2015, auf dessen Titel der Margarethenhoff in Kisdorf zu sehen ist, mit vielen Themen von mehreren Autoren kann für 14,50 Euro im Buchhandel erworben werden.

Quelle: Privat

Kreis Segeberg. Ein Schwerpunkt in der aktuellen Ausgabe ist die Situation nach Ende des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren.

Wie in den Jahren zuvor haben sich zahlreiche Autoren an dem Werk beteiligt. Herausgeber ist der Heimatverein des Kreises Segeberg mit derzeit etwa 960 Mitgliedern, der zum Schleswig-Holsteinischen Heimatbund gehört.

 In rund 20 Kapiteln plus Gruß- und Geleitworte, Mitgliederverzeichnisse, Nachrufe und Vereinsmitteilungen werden auf 230 Seiten viele Themen oft wissenschaftlich sowie mit zahlreichen Bildern, Karten und Schautafeln aufgearbeitet. Gedichte und Geschichten von Klaus Gröhn aus Schackendorf, Elke Deffert aus Bad Segeberg und weiteren Autoren ergänzen die Lektüre.

 Ein Themenschwerpunkt ist die Zeit um 1945, als sich das Blatt für Deutschland längst gewendet hatte und Hunderttausende Flüchtlinge vor allem aus den Ostgebieten des ehemaligen Deutschen Reiches in den Westen kamen, davon viele auch nach Norddeutschland. Einen bewegenden Bericht schrieb damals die noch sehr junge Inge Scheel, geborene Zastrow, die heute in Sülfeld lebt. 1945 musste sie mit ihrer Familie aus Pommern fliehen und kam zunächst nach Dänemark, wo sie zwei Jahre in Flüchtlingslagern verbrachte. Eine schlimme Zeit für die damals Dreizehnjährige: gezeichnet von Hunger und weiteren Entbehrungen, Krankheiten wie Lungenentzündungen und anderen schweren Infektionen, Lausbefall, Rattenplagen, Langeweile und Streit durch das Leben auf engem Raum ohne große Beschäftigungsmöglichkeiten - und auch belastet durch den Hass vieler Dänen.

 Bereits mit 15 Jahren schrieb Inge Scheel ihre Erfahrungen als Schulaufsatz nieder. Dafür, dass er viel reifer wirkt, hat sie selbst eine plausible Erklärung: Sie musste früh lernen, selbstständig zu sein, sonst hätte sie die Zeit, in der sie um das Leben ihrer kranken Mutter fürchten musste und lange Zeit nicht wusste, wo Vater und Geschwister waren, kaum überstanden. Mehr noch: „Trotz aller schweren Erlebnisse hat mir das Leben im Lager eins gebracht - das Verständnis für alle Seiten im Menschen, das Wissen um Freude und Kummer im Leben.“

 Auch Dietrich Scharmacher aus Bad Segeberg schildert anschaulich, wie seine Familie im Januar 1945 aus Allenstein in Ostpreußen nach Schleswig-Holstein kam. Wie Bad Segeberg das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebte, berichtet Heimatforscher Peter Zastrow aus Bad Segeberg in einem ausführlichen Kapitel, das er mit vielen Fakten und Bildern aus seinem Archiv bereicherte.

 Abseits von Krieg und Flucht bieten sich dem Leser Geschichten über Burg und Stift Segeberg (von Günther Bock aus Großhansdorf) und von einem Fährbetrieb auf dem Wardersee bei Wensin im 19. Jahrhundert (von Christoph Frommhagen aus Wardersee).

 Ausführlich und unterhaltsam ist das Kapitel über den Margarethenhoff in Kisdorf, der vom holsteinischen Bauernhof zum Dorfhaus, einem nach wie vor beliebten Veranstaltungsort, geworden ist. Marlene Hroch aus Kisdorf hat viele Fakten zusammengetragen und sie in locker-flüssigem Stil verarbeitet – so erfährt der Leser vieles zur Historie, kann dabei auch schmunzeln über die eigentlich gruselige Geschichte von drei mumifizierten Katzen, die unter den Dielenbrettern im einstigen Wohnzimmer des Hofes gefunden wurden und bald ausgestellt wurden, „damit die Kisdorfer das Gruseln überkommen sollte“, wie Hroch berichtet. Später dienten die Katzen als Stoff für einen Schreibwettbewerb unter 80 Kisdorfer Schulkindern: Die besten Arbeiten wurden ausgezeichnet und in einer Broschüre gebunden herausgegeben.

 Berichte über Dorfbegehungen des Heimatvereins in Seedorf, Mönkloh, Nützen, Hardebek und Rickling runden das Buch ebenso ab wie Würdigungen zu „800 Jahre Dorf Berlin“ (von Petra Wede) und „175 Jahre Segeberger Männerchor“ (von Detlef Dreessen).

 Mitglieder des Heimatvereins erhalten das Buch per Post zugestellt; es ist im Jahresmitgliedsbetrag in Höhe von 16 Euro enthalten. Kaufen kann man das Heimatkundliche Jahrbuch zudem im Buchhandel für 14,50 Euro (ISBN: 978-3-00-051359-6). Verantwortlich für das Jahrbuch zeichnet Schriftleiter Ulrich Bärwald aus Sülfeld. Er ist unter ulrich.baerwald@suelfeld.de zu erreichen und nimmt auch bereits Texte für die Ausgabe 2016 entgegen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
KSV-Liveticker!

KSV-Spielstand online
verfolgen, mit dem
KN-KSV-Liveticker

Events: Segeberg

Veranstaltungen in
Segeberg. Aktuelle
Termine, News, Infos

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Segeberg 2/3