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Durchschnitt: 580 Flaschen Bier

Segeberger Suchthilfe Durchschnitt: 580 Flaschen Bier

Alkoholmissbrauch bleibt weiter an der Spitze der Alltagsdrogen. Glücksspiel, exzessiver Medienkonsum und der Missbrauch von Cannabis, Heroin, Medikamenten und Designerdrogen stehen auf der Liste der Suchtexperten der ambulanten und teilstationären Suchthilfe (ATS) ebenfalls weit oben.

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Sie leiten die Arbeit der ATS vor Ort: Teamleiterin Beatrix Fay und Dr. Hans-Jürgen Tecklenburg, der erst im letzten Jahr die Gesamtleitung der ATS übernommen hat.

Quelle: Patricia König

Bad Segeberg. Die Möglichkeiten, der Realität zu entfliehen und sich in einen Rausch zu versetzen, sind vielfältig. Der übermäßige Konsum von Alkohol ist eine davon. „Der Pro-Kopf-Verbrauch von reinem Alkohol liegt in Deutschland pro Jahr bei 9,6 Litern“, erklärt Hans-Jürgen Tecklenburg, Diplom-Psychologe und Gesamtleiter der ATS. Das sei zwar im Durchschnitt ein leichter Rückgang zu den Vorjahren mit über 10 Litern, doch die Zahl der Problemfälle bleibe dagegen stabil. Als Anhaltspunkt: 9,6 Liter reiner Alkohol im Jahr entsprechen etwa 580 Flaschen Bier oder 35 Flaschen hartem Schnaps.

 „In der Regel sprechen wir von einer Sucht, wenn das Genussmittel oder die Droge zum Zentrum des Lebens wird, das alltägliche Leben nicht mehr bewältigt werden kann und die Gesundheit, die Familie und den Arbeitsbereich beeinträchtigen“, erklärt Beatrix Fay, Diplom-Psychologin und ATS-Teamleiterin in Bad Segeberg. „Wenn etwa Jugendliche Tag und Nacht nur an ihr Computerspiel denken oder ein Erwachsener jede freie Minute in einer Spielhalle verbringt, bis er kein Geld mehr hat, kann man ebenso von einem Suchtverhalten sprechen wie wenn jemand übermäßig Alkohol trinkt oder Drogen konsumiert“, bestätigt Dr. Tecklenburg.

 Die ATS legte ihren ersten Jahresbericht für die Suchtberatung im sogenannten Sozialraum Bad Segeberg Ost aus dem Jahr 2015 vor. Dazu zählen die Kreisstadt und Wahlstedt sowie das Amt Trave Land. Aber auch allen anderen Menschen aus dem Kreis steht es frei, die Beratungsstelle in der Gartenstraße 17 in Bad Segeberg aufzusuchen. Dort wurden 2015 insgesamt 605 Menschen persönlich beraten. Mit 60 Prozent der Anfragen lag der Alkoholmissbrauch im Vordergrund. 17 Prozent suchten Rat wegen Glücksspiels und exzessivem Medienkonsum, rund 15 Prozent wegen Drogenproblemen.

 In der Regel spricht das Team mehrfach mit den Klienten über den weiteren Weg. „Einfach aufhören geht in vielen Fällen nicht und kann etwa bei schwerem Alkoholmissbrauch sogar tödlich sein“, erklärt Beatrix Fay. In solchen Fällen vermitteln die Fachleute die Suchtkranken zur stationären Entgiftung und zu anschließenden Rehabilitationsmaßnahmen. Dort ist die Wahrscheinlichkeit, seiner Sucht Herr zu werden, ebenso groß wie bei der ambulanten Rehabilitation der ATS, berichtet Dr. Tecklenburg. Befragungen bei den Klienten haben ergeben, dass zwei Drittel von ihnen ein Jahr nach Abschluss der ambulanten Maßnahmen durchgängig abstinent gewesen sind. Immerhin noch 20 Prozent waren zu der Zeit wieder abstinent. „Angesichts der Schwere einer solch chronischen Erkrankung ist das ein sehr gutes Ergebnis“, sagt der ATS-Leiter.

 Damit Sucht gar nicht erst entsteht, setzt die ATS auch viel auf die Prävention bei Kinder und Jugendlichen. „Der Cannabiskonsum bei Jugendlichen ist gestiegen“, bestätigt Heike Klüber vom Bereich Prävention in der ATS. Dagegen habe das Rauchen unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen deutlich abgenommen, ergänzt Tecklenburg. Neben Cannabis ist die neue Droge der Jugend der Medienkonsum, wie ständiger Smartphonegebrauch und exzessiver Konsum von Internetspielen mit einer starken Bindungswirkung.

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