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Flüchtlinge sind „überglücklich“

Seth Flüchtlinge sind „überglücklich“

Familie Popal kommt aus einem Land, in dem seit Jahrzehnten Waffen, Krieg und Terror den Alltag der Menschen bestimmen: Afghanistan. Seit Dezember lebt die siebenköpfige Familie in Seth und ist inzwischen, auch dank der Flüchtlingshelfer, gut in die Dorfgemeinschaft integriert.

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Beschäftigung ohne Hürden: Der zehnjährige Theodor und Idress (7) treffen sich häufig zum Spielen.

Quelle: Alexander Christ

Seth. Zu Hunderttausenden verlassen Menschen wie die Popals Afghanistan – auf der Flucht vor den gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Truppen der Regierung und Kämpfern radikalislamischer Terrormilizen. „Wir sind überglücklich, in Seth eine neue Heimat gefunden zu haben und hoffen nun, dass unserem Antrag auf Asyl stattgegeben wird“, sagt Familienvater Khalil Popal. Dem 33-Jährigen und seiner 29-jährigen Ehefrau Sonita sowie den drei Kindern Idress (7), Aisha (5) und Hamdiah (3) hätte in Afghanistan der Tod gedroht. Der Grund: Khalil Popal war Mitarbeiter des afghanischen Geheimdienstes und wurde bei einer Festnahme von Terroristen enttarnt: Lebensgefahr für ihn und seine Familie. Der Afghane musste schnell handeln und organisierte die Flucht aus der Provinzstadt Baglan für seine Familie und seine beiden Neffen Ghulamfaruk (17) und den gleichaltrigen Hasmatullah. Aus Sicherheitsgründen flohen sie getrennt – die Familie über den Landweg und über das Mittelmeer und Khalil Popal mit dem Flugzeug. Nach der erfolgreichen Flucht konnte sich die Familie in Deutschland wieder vereinen und fand nach mehreren Zwischenstationen in Seth eine neue Heimat.

 Dort trafen Sonita und Khalil auf Anika Seiler und ihren Lebensgefährten Simon Herda, die sich beide im rund 20-köpfigen Team der Sether Flüchtlingshelferinitiative engagieren. Seiler und Herda nahmen sich der Familie an und vermittelte ihr eine von der Gemeinde gemietete Wohnung. „Die Familie ist sehr bemüht, sich möglichst schnell in ihrem neuen Umfeld einzuleben. Alle lernen fleißig Deutsch und wollen sich so schnell wie möglich hier ein eigenständiges Leben aufbauen. Dabei unterstützten wir sie“, erklärt die 41-jährige Erzieherin Seiler. Doch nicht nur um das Schicksal der Familie Popal kümmert sich die Helfertruppe. Insgesamt 54 Flüchtlinge, davon die Hälfte Kinder, leben in Seth. Die meisten stammen aus Syrien und Afghanistan, aber auch aus Albanien, Eritrea, Irak, Iran und Armenien.

 In Eigenregie haben die Freiwilligen inzwischen drei Deutsch-Sprachkurse auf unterschiedlichem Niveau organisiert. Zudem gibt es einen Nähkursus, einen Handarbeitskursus, eine Fahrradreparaturgruppe und jeden zweiten Freitag eines Monats ab 15 Uhr gemeinsame Treffen der Helfer mit ihren Schützlingen im Gemeinderaum in der Alten Schule.

 Außerdem werden monatlich Flyer an alle Flüchtlinge verteilt, in denen unter anderem auf wichtige Termine wie etwa Dorffeste sowie gemeinsame Fahrten zu Einkäufen vermerkt sind. Auch die Begleitung zu Behörden oder bei Arztbesuchen sowie der Agentur für Arbeit gehören zum Alltag der Unterstützer. Zurzeit sind die Helfer intensiv auf der Suche nach einem Raum mit Waschbecken und Toilette, in dem sie eine feste Fahrradreparaturwerkstatt einrichten können.

 Aus der anfänglichen Zweckgemeinschaft zwischen Anika Seiler, ihrem Lebensgefährten Simon Herda und den Mitgliedern der Familie Popal hat sich inzwischen eine tiefe Freundschaft entwickelt.

 Für den 17-jährigen Ghulam Faruk sowie die anderen Familienmitglieder sind die nächsten Ziele in ihrer neuen Heimat klar abgesteckt. „Ich möchte zunächst versuchen, Abitur zu machen und danach eine Ausbildung bei einer Bank oder Versicherung beginnen“, sagt Ghulamfaruk. Sein Cousin Hashmatullah strebt ebenfalls das Abitur an und möchte danach gerne Polizeibeamter werden. Und auch für Familienvater Khalil Popal wäre eine Rückkehr in den Staatsdienst, entweder als Polizeibeamter oder Mitarbeiter des Nachrichtendienstes, die Erfüllung eines Traums. Seine Frau Sonita würde gerne wieder als Zahnarzthelferin arbeiten. Der siebenjährige Idress freut sich wieder auf die Schule und die beiden Kleinen, Aisha und Hamdiah, auf gemeinsame Spiele mit ihren Freunden im Kindergarten.

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