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„Die Räume sind einfach zu klein“

Bad Bramstedt „Die Räume sind einfach zu klein“

Der Sozialverband Bad Bramstedt und Umgebung - einer der größten Vereine der Stadt - ist unzufrieden. Er vermisst ausreichende Unterstützung seitens der Politik und der Stadtverwaltung. Das Ausweichquartier in Fuhlendorf ist ihm zu klein für angemessene Vereinsarbeit, unter anderem vertrauliche Beratung.

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Vereinsvorsitzende Helga Bogasch (stehend) begrüßte 75 Mitglieder im Tryp Hotel Köhlerhof zur diesjährigen Weihnachtsfeier des Sozialverbands Bad Bramstedt und Umgebung bei Kaffee und Kuchen.

Quelle: Uwe Straehler-Pohl

Bad Bramstedt. Meistens sind es wenig erfreuliche Gründe, aus denen die Mitglieder den Sozialverband Deutschland (SoVD) Bad Bramstedt aufsuchen oder telefonisch zu Rate ziehen. Und häufig sind es Menschen, die finanziell nicht gut gestellt sind. Ihnen bietet der SoVD seit Jahrzehnten Beratung bis hin zur rechtlichen Vertretung vor dem Sozialgericht an, wenn um die Anerkennung von Schwerbehinderung geht, Fragen im Zusammenhang mit der Erwerbsminderungsrente zu klären sind oder es Streit mit den Krankenkassen um die Pflegestufen geht. Doch jetzt trafen sich 75 Mitglieder aus einem erfreulichen Grund: Sie feierten gemeinsam ihr jährliches Weihnachtsfest im Tryp by Wyndham Hotel Köhlerhof mit Kaffee und Kuchen, Chormusik und einem Tanzauftritt junger Mädchen.

 Die vorweihnachtliche Stimmung und die wohlmeinenden Worte der Gäste täuschten jedoch nicht über die Unzufriedenheit hinweg. Sie brachten Vorsitzende Helga Bogasch aus Weddelbrook und Schatzmeister Horst Freitag aus Wiemersdorf bei einem Besuch der Segeberger Zeitung in ihrem Büro in Fuhlendorf zum Ausdruck. Dort ist der SoVD Untermieter des DRK-Ortsverbands. Beide Vereine mussten ihren Sitz verlegen, nachdem das Haus der sozialen Dienste in der Altonaer Straße in Bad Bramstedt einer Kita weichen musste. Die Stadt unterstützt den SoVD mit einer knappen halben Jahresmiete, doch: „Die Räumlichkeiten sind hier einfach zu klein für unsere Arbeit“, sagt die Vorsitzende.

 Durchschnittlich kommen je Beratungstag fünf Mitglieder in die Kieler Straße 1 nach Fuhlendorf, häufig zur gleichen Zeit. Im Büro, das mit zwei Schreibtischen fast zugestellt ist, finden auch die Beratungsgespräche statt. Neben der Vorsitzenden kommen einmal im Monat hauptamtliche Kräfte des Kreisverbandes nach Fuhlendorf. „Wenn zwischenzeitlich dann auch noch Telefonanrufe eingehen, muss einer von uns mit dem Telefon auf den Flur ausweichen, damit die Gespräche im Büro einigermaßen ungestört fortgesetzt werden können“, erklärt Helga Bogasch die unbefriedigende Situation. „Ich möchte aber auch für unsere Mitglieder am Telefon präsent sein und ihnen in Ruhe zuhören, die werden oft genug anderweitig abgewimmelt“, sagt die Vorsitzende. Doch wenn weitere Ratsuchende auf dem Flur warten müssen, sei das kaum machbar. „Außerdem ist die Bürotür nicht schallgeschützt“, kritisiert Bogasch. Vertrauliche Gespräche seien deshalb schwer möglich. „Es wäre toll, wenn wir wirklich zwei bezahlbare Räume zur Verfügung hätten“, wünscht sich Helga Bogasch. Es sind nicht weniger Ratsuchende geworden, seit der SoVD nicht mehr in der Altonaer Straße sitzt. „Es kommen weniger Besucher, dafür haben sich die Telefonate verdoppelt“, ist die Erfahrung der Vorsitzenden.

 Finanziell sei es dem SoVD nicht möglich, geeignetere Räume zu beziehen, erläutert der Schatzmeister. Zwar zahlen Einzelmitglieder 5 Euro pro Monat Beitrag, doch davon verbleibt beim Ortsverein nur ein geringer Betrag: „80 Cent, mehr nicht“, sagt Freitag. Der größte Anteil wird an den Kreisverband abgeführt, der davon unter anderem seine hauptamtlichen Kräfte bezahlt. „Von denen profitieren wir natürlich auch“, zeigt Freitag Verständnis. Mit dem Rest des Geldes muss der Ortsverband neben der Miete Büromaterial, Telefon und Internet bezahlen, kleinere Jubiläumsgeschenke beschaffen sowie die eigene monatliche Zeitung finanzieren und deren Austräger entlohnen.

 Der Ortsverband zählt derzeit 785 zahlende Mitglieder. Rund 200 davon nutzen im Jahr durchschnittlich die Beratungsmöglichkeiten des SoVD. Über die Beratung hinaus übernehmen die hauptamtlichen Kräfte auch Widersprüche bei ablehnenden Bescheiden. Wenn es sein muss, vertritt der Verein seine Mitglieder vor dem Sozialgericht. Ein Großteil der Kosten ist dann ebenfalls über den Vereinsbeitrag abgesichert. Insgesamt habe der Kreisverband Segeberg für seine gut 10000 Mitglieder durch Anträge und Widersprüche in diesem Jahr eine Summe von über 331000 Euro erstritten, berichtete Werner Ohm aus Bad Bramstedt, Vorstandsmitglied im Kreisverband. „Das sind über 78 Prozent Erfolgsquote“, erklärt Ohm.

 Seit zehn Jahren hat der Sozialverband im Bereich Bad Bramstedt, der im kommenden Jahr sein 70-jähriges Bestehen feiert, einen Besuchsdienst eingerichtet. Er kümmert sich vor allem um alleinstehende Menschen und besucht sie sowohl zu Hause als auch im Krankenhaus. Darüber hinaus bietet der Ortsverband seinen Mitgliedern Spielnachmittage, Grillfeste, Weihnachtsfeiern und Tagesausflüge an.

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