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„Das hätten wir verhindern können“

Neue Stromtrasse in Henstedt-Ulzburg „Das hätten wir verhindern können“

Hinsichtlich der geplanten 380-Kilovolt(kV)-Höchstspannungstrasse durch den Kreis Segeberg werden die schlimmsten Befürchtungen der Wählergemeinschaft WHU wohl wahr. Die sogenannte Ostküstenleitung soll durchs Gemeindegebiet führen. Zudem soll ein großes Umspannwerk im Bereich Beckershof in Autobahnnähe gebaut werden.

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So wie in der Habichtstraße in Ulzburg-Süd befinden sich an mehreren Stellen in der Gemeinde Masten und Stromleitungen in oder am Rande von Wohngebieten. Eine der Trassen könnte neu gebaut und damit viel größer werden.

Henstedt-Ulzburg. „Ich bin überzeugt, wir hätten das Projekt verhindern können. Die Gemeinde hätte viel früher dagegen Stimmung machen sollen“, sagte WHU-Fraktionsvorsitzende Karin Honerlah gestern im Gespräch mit der Segeberger Zeitung. Schon im Herbst 2012 hatte die WHU versucht, die anderen kommunalpolitischen Fraktionen und die Gemeindeverwaltung (damals noch unter Leitung der stellvertretenden Bürgermeisterin Elisabeth von Bressensdorf, CDU) wachzurütteln und zu einem gemeinsamen Kampf gegen das Millionen-Projekt im Rahmen der bundesweiten Energiewende zu mobilisieren. „Doch uns wurde immer wieder von allen anderen Fraktionen Panikmache vorgeworfen. Unsere Anträge, schon frühzeitig gegen die Planungen etwas zu unternehmen, wurden abgebügelt. Man hätte keine Betroffenheit von Henstedt-Ulzburg feststellen können, hieß es“, schilderte WHU-Gemeindevertreter Kurt Göttsch.

 Die Ostküstenleitung mit einem Teilstück von Lübeck durch den Kreis Segeberg bis zur A7 soll vorhandene Netzengpässe beheben und die wachsende Menge an erneuerbaren Energien - insbesondere aus Windkraftanlagen - abtransportieren. Geplant ist, dass Netzbetreiber Tennet die Leitung ab 2018 bauen soll.

 15 Trassenvarianten mit Anschlussmöglichkeit an die ebenfalls geplante Nord-Süd-Stromtrasse (überwiegend entlang der A7 durch den Kreis Segeberg) wurden zwischen Schmalfeld und Norderstedt untersucht. Die Wahl fiel auf einen 500 Meter breiten und knapp 50 Kilometer langen Planungskorridor entlang der schon bestehenden 220-kV-Stromleitung von Henstedt-Ulzburg über Kisdorf, Oering und Wakendorf I bis nach Stockelsdorf. Nach Ansicht des schleswig-holsteinischen Energiewendeministers Robert Habeck und Vertretern des Netzbetreibers Tennet, die zusammen am Dienstag auf einer öffentlichen Veranstaltung in Bad Oldesloe die Ergebnisse der Korridorbewertung bekanntgegeben haben, sei diese Variante die konfliktärmste, bringe also die geringsten negativen Auswirkungen auf Mensch und Natur mit sich.

 In Henstedt-Ulzburg würde die Trasse zwischen den Ortsteilen Ulzburg-Süd und Rhen verlaufen: Unter anderem Wohngebiete in den Bereichen Dammstücken und Habichtstraße wären betroffen. Dort gibt es zwar schon eine 220-kV-Stromleitung, für die 380-kV-Trasse sind aber viel höhere und ausladendere Masten erforderlich.

 Zu dem Projekt gehört auch ein Umspannwerk, für das rund zehn Hektar dicht an der A7 benötigt würden. In der riesigen Schaltanlage sollen die Nord-Süd-Leitung und die Ostküstenleitung verknüpft werden. Einen genauen Standort dafür gibt es zwar noch nicht: Aber nur eine Fläche im Bereich Beckershof könnte dafür infrage kommen.

 Eine der 15 untersuchten Trassenvarianten betraf auch massiv Kaltenkirchener Gebiet. „Dort haben sich Bürgermeister und Politik bereits 2012 gemeinsam gegen die Ostküstenleitung stark gemacht. Tennet hat der Stadt daraufhin zugesagt, dort kein Umspannwerk zu bauen“, lobte WHU-Fraktionsvorsitzende Karin Honerlah die Nachbarstadt. Henstedt-Ulzburg dagegen habe erst nach dem WHU-Antrag vor zehn Wochen eine ablehnende Stellungnahme zum etwaigen 380-kV-Korridor durch die Gemeinde abgegeben.

 Nach der offiziellen Bekanntgabe der Korridorbewertung wird Netzbetreiber Tennet nun mit der Feinplanung beginnen. Dann sollen Planfeststellung und Baustart folgen. „Eine Klage gegen den für 2017 erwarteten Planfeststellungsbeschluss müssen wir prüfen. Die Chancen, dagegen zu obsiegen, sind nach Auskünften von Fachanwälten aber gering. Die Kosten dagegen hoch“, sagte Juristin Honerlah. Die WHU wolle nun verstärkt ihre Kontakte zu Energiewendeminister Habeck nutzen und dessen Überlegungen unterstützen, statt einer Überlandleitung unter anderem in Kisdorf und Henstedt-Ulzburg Erdkabel als Pilotprojekt zu installieren. „Das kann gegebenenfalls das kleinere Übel sein. Hierfür sind jedoch noch gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen“, so Honerlah.

 Auch die SPD-Fraktion hat inzwischen Position bezogen. Die favorisierte Trasse sei eine „nicht zu rechtfertigende Belastung des Henstedt-Ulzburger Siedlungsraums“, teilte SPD-Fraktionsvorsitzender Horst Ostwald mit. Die Gemeinde habe in ihrer Stellungnahme verdeutlicht, dass der Korridor durch Henstedt-Ulzburg von den Gutachtern falsch bewertet worden sei, so Ostwald. Seine Fraktion fordert deshalb, die Stromtrasse weiter nördlich, und zwar entlang der geplanten Autobahn A20, durch den Kreis Segeberg zu bauen. Die SPD-Fraktion wird gegen die Feinplanung in Henstedt-Ulzburg Widerstand leisten. Ostwald: „Sollten keine Änderungen zu erreichen sein, muss spätestens zum Planfeststellungsverfahren über eine Klage entschieden werden.“

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Ein Artikel von
Michael Zwicker

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