12 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Wüste Drohungen per E-Mail

Stadt Wüste Drohungen per E-Mail

Mit einer hasserfüllten E-Mail voller Beschimpfungen, Bedrohungen und Hetztiraden sieht sich die Stadt Bad Segeberg konfrontiert. Das anonyme Schreiben ging kurz vor der Stadtvertretersitzung am Dienstag ein. Die Polizei ist eingeschaltet.

Voriger Artikel
Auto auf Biomarkt-Parkplatz angefahren
Nächster Artikel
Neues Gesicht für die Kirche

Diese anonyme Nachricht ist über das Kontaktformular der Stadt Bad Segeberg eingegangen. Der mit Drohungen und Hetztiraden durchsetzte Text beschäftigt nun die Polizei.

Quelle: Michael Stamp

Bad Segeberg. Nun werden Experten für Cyberkriminalität versuchen, dem unbekannten Schreiber auf die Spur zu kommen.

 Punkt 10 der Tagesordnung lautete „Neubau eines Gebäudes Kieler Modell“ – und in der Stadtvertretung herrschte am Abend Unsicherheit, ob mit der Errichtung dieses standardisierten Wohnblocks, wie er in der Südstadt als Flüchtlingsheim entsteht, eine weitere Unterkunft für Asylbewerber angestrebt wird oder ein herkömmlicher Wohnblock.

 Bauamtsleiterin Antje Langethal leistete Aufklärungsarbeit: An der Geschwister-Scholl-Straße soll für rund 200000 Euro ein Gebäude mit sehr preisgünstigen Mietwohnungen für jedermann hochgezogen werden – also ausdrücklich kein Flüchtlingsheim.

 Diesem Irrtum scheint aber auch der unbekannte Verfasser einer E-Mail erlegen zu sein, als er gut zweieinhalb Stunden vor Beginn der Stadtvertretersitzung seine wüsten Drohungen in die Computertastatur hämmerte. Stellvertretender Bürgermeister Thomas Vorbeck (CDU) verlas die Mail im Bürgersaal aber erst, als die Entscheidung zum Wohnblock gefallen war: mit 16 zu 12 Stimmen für das Bauprojekt.

 „Wehe, ihr Arschlöcher beschließt heute Abend in der Stadtvertretung den Bau einer Flüchtlingsunterkunft an der Geschwister-Scholl-Straße“, heißt es in der E-Mail. „Wir wollen da keine Ausländer beziehungsweise Muslime.“ Der Schreiber betont, dass dort in der Gegend viele junge Frauen und Kinder wohnen. Daher wolle man „dieses Pack dort nicht haben“ und „mit dieser ganzen Flüchtlingsscheiße nichts zu tun haben“.

 Und es gibt auch mehrere klare Drohungen gegen die Kommunalpolitiker. „Wenn ihr linken Gutmenschen meint, ihr könnt da doch ein Heim hinbauen, dann gibt es was auf die Fresse, dann gibt es Krieg“, las Thomas Vorbeck im Bürgersaal vor. „Und glaubt uns, wir wissen, wo ihr Ratten haust. Also kein Heim, sonst tierisch was auf die Fresse.“

 Als Absender ist „Max Mustermann“ eingetragen mit der E-Mail-Adresse „Max@Mustermann.de“. Die angebliche Anschrift lautet „Am Kalkberg“. Die Stadtverwaltung hat gestern die Polizei eingeschaltet.

 Der Schreiber sollte sich daher schleunigst überlegen, sich bei den Ermittlern zu stellen, denn mit seinem Computer hat er im Kontaktformular auf den Rechnern der Stadtverwaltung digitale Spuren hinterlassen, die bis in seine Wohnung führen. Bei der Auswertung müssen allerdings Experten ran. „Wir selber können das nicht“, sagt der für die Innere Organisation im Rathaus zuständige Amtsleiter Carsten Schleicher. Er ist aber optimistisch, dass der kommunale Internet-Dienstleister Dataport die IP-Adresse des Absenderrechners herausfiltert.

 Mit dieser Adresse können laut Polizeisprecher Nico Möller die Fachleute für Cyberkriminalität den Standort des Computers ermitteln, der zum Schreiben der Nachricht verwendet wurde. Dessen Besitzer steckt dann ernsthaft in Erklärungsnöten.

 Auffällig ist auch das Schriftbild der E-Mail. Offenbar hat der Absender eine Tastatur mit amerikanischem Layout verwendet. Darauf sind die Positionen der Buchstaben Z und Y vertauscht. Außerdem gibt es weder Umlaute und noch ein ß. So kommt es zu Schreibweisen wie „nichts yu tun haben“, „Aerger“ und „Fluechtlingsscheisse“. Anscheinend wurde die Mail aber derart hastig geschrieben, dass dem Absender allein schon die Y-Fehler nicht aufgefallen sind.

 Ulrike Peters-Strunk hatte die Mail im Vorzimmer von Bürgermeister Dieter Schönfeld erhalten und an den Kollegen Schleicher weitergeleitet. Nach Auskunft des Amtsleiters war eine Bedrohung in dieser Qualität für die Stadtverwaltung etwas Neues. „Auf Internetseiten der Parteien und privat bei Stadtvertretern hat es sowas schon gegeben.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Segeberg 2/3