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Waschen, Spinnen, Zwirnen

Denkmal in Bad Segeberg Waschen, Spinnen, Zwirnen

Eine Bronze-Plakette am Vorderhaus der alten Wollspinnerei C. & F. Blunck an der Kurhausstraße 36 kündet neben Informationstafeln davon, dass die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Erhaltung des 1862 gegründeten Handwerksbetriebs beträchtlich gefördert hat. Für die Zimmerer- und Dachdecker-Arbeiten am Hinterhaus wurden 30000 Euro bereitgestellt.

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Kleines Foto links unten: Ein Bronzeschild mit Hinweis auf die finanzielle Förderung des historischen Betriebs prangt seit gestern an der Bad Segeberger Wollspinnerei Blunck. Der Familienbetrieb in der Kurhausstrßae 36 steht unter Denkmalschutz. Kleines Foto links oben: Geführt wird die Firma von Hans-Friedrich Blunck. Kleines Foto rechts: Die Ehrentafel schraubten Denkmalschützer Winfried Rusch (hinten) und Kurator Klaus Weber vom Förderverein an.

Quelle: des

Bad Segeberg. Mit der Bronze-Tafel wird das Engagement der Stiftung und der Glücksspirale deutlich sichtbar, unterstrich die Bonner Pressestelle der Denkmalschützer. Die Wollspinnerei gehört zu den über 170 Projekten, die die private Denkmalstiftung allein in Schleswig-Holstein gefördert hat.

 Winfried Rusch aus Altenholz, ehrenamtlicher Leiter des Ortskuratoriums Kiel und Umgebung, brachte gestern das Schild nach Bad Segeberg, um es an der Mauer befestigen zu lassen. Zu dem Termin war auch Penny Krämer vom Kieler Landesamt für Denkmalschutz an Ort und Stelle. Sie verfolgte gemeinsam mit dem Firmenerben Hans-Friedrich Blunck, wie Kurator Klaus Weber vom gemeinnützigen Förderverein der Wollspinnerei Blunck die Tafel gemeinsam mit Rusch festschraubte.

 Bei der Gelegenheit nutzte Senior Blunck die Zeit, allen Beteiligten einiges über die Betriebsgründung durch seinen Urgroßvater und die weitere Entwicklung nahezubringen. Das vertiefte er später noch höchst anschaulich bei einer Betriebsbesichtigung in dem alten Gemäuer. Bei dem ausgedehnten Rundgang zu den komplizierten Bearbeitungsmaschinen demonstrierte er, wie die höchst betagten Ungetüme mit Elektromotoren auch heute noch funktionieren.

 Die Wollspinnerei war 1852 zu Beginn des Industriezeitalters mitten in der historischen Innenstadt Segebergs von Joachim Christian Blunck gegründet worden. Damals befanden sich auf dem Grundstück zwei Vorderhäuser und ein einfaches Fachwerk-Nebengebäude aus der Zeit um 1800. Die Gebäude mussten stets den technischen Neuerungen und sich wandelnden organisatorischen Anforderungen angepasst werden.

 Anfangs arbeitete Bluncks Urgroßvater noch als Handweber und stellte Wolldecken her. Später orderte er Maschinen aus der damaligen Segeberger Maschinenfabrik. Anfangs wurden die Apparate noch mit Pferdekraft betrieben. Später wurde auf eine Dampfmaschine umgerüstet, die heute mit Koks läuft und für Heizung sowie Trocknung eingesetzt wird. Die später für den Antrieb der Maschinen mit ihren riesigen Transmissionswellen verwendeten Dieselmotoren wurden in den 1950er Jahren durch - heute noch intakte - Elektromotoren ersetzt.

 Weil die Firma mit der historischen Ausrüstung nicht mehr wirtschaftlich arbeiten kann, obwohl der über 80 Jahre alte Maschinenpark der Wollspinnerei von Familie Blunck vorbildlich instandgehalten wird, wurde 2009 der Förderverein gegründet. Verarbeitet wird weiterhin Schafwolle aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

 Die gesamte Verarbeitung kann in der Wollspinnerei nachvollzogen werden – von Wäsche und Trocknung über die Verarbeitung zu feinem Flor im Krempelwolf bis hin zum Spinnen und Zwirnen. Anschließend wird gefärbt oder gebleicht. Früher wurden auch Tuche gewebt, doch dieser Betriebszweig kam nach dem Zweiten Weltkrieg zum Erliegen.

 Heute ist die Blunck’sche Wolle bei Handwebereien und Handstrickereien, aber auch zum Filzen gefragt. Lehrreiche Führungen durch die Wollspinnerei werden von Juni bis September jeweils mittwochs ab 15 Uhr angeboten. Der Förderverein (04551/2209) unterstützt diese Ziele ehrenamtlich und wünscht sich dazu auch weitere Unterstützer.

 Anliegen der Familie Blunck und des von Karen Biguß geleiteten Fördervereins ist es, den in Norddeutschland einmaligen Betrieb, der unter Denkmalschutz steht, in seinem funktionstüchtigen Zustand zu erhalten und auch der Öffentlichkeit als „Museum in Arbeit“ zugänglich zu machen. Dazu gehört auch das ganzjährig geöffnete „Café Spindel“ im früheren Geschäfts- und Wohnhaus an der Kurhausstraße 38. Dort bietet die Innere Mission Rickling seit Jahren behinderten Menschen als Personal die Möglichkeit zur Eingliederung ins Berufsleben.

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