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Zinsflaute zehrt am guten Zweck

Stiftungen im Kreis Segeberg Zinsflaute zehrt am guten Zweck

Gut 20 Stiftungen gibt es im Kreis Segeberg. Mit Spenden und den Erträgen aus ihrem Kapital fördern sie Wissenschaft, Sport, Jugendwehren, Naturflächen, Kulturhäuser oder Waisenkinder. Doch sie sind in eine Krise geraten. Anleihen werfen kaum noch Zinsen ab.

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Ingrid Busch (von rechts) und Bürgermeister Dieter Schönfeld von der Horst-Busch-Sportler-Stiftung aus Bad Segeberg übergaben vor vier Jahren Ulrike Muth und Nico Gelhausen vom Segeberger Ruderclub Spenden der Stiftung, damit der Verein Ausrüstung finanzieren konnte.

Kreis Segeberg. Einige Segeberger Stiftungen mussten ihre Förderungen schon einschränken, berichtet die Stiftungsaufsicht, die beim Kreis Plön angesiedelt ist. Jetzt muss über neue Modelle nachgedacht werden.

 Selbst die größten Stiftungen entwickeln neue Strategien. Zu ihnen zählt die Udo Keller Stiftung Forum Humanum in Neversdorf, die sich den Geisteswissenschaften und Weltreligionen widmet. Im Jahr 2000 mit umgerechnet einer halben Million Euro gegründet, verfügt sie nach dem Tode des Namensgebers und dessen Erbschaft jetzt über ein Vermögen „im mittleren zweistelligen Millionenbereich“, sagt Dr. Cai Werntgen. Der Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführer steuert die Stiftung vom Stiftungshaus am Neversdorfer See aus. Eineinhalb Millionen Euro kann die Stiftung jährlich ausschütten, für Stipendien, Forschung, die Akademie der Weltreligionen in Hamburg, Gastprofessuren und Forschung an der Uni Tübingen.

 „2017 und 2018 laufen unsere letzten lukrativen Rentenpapiere aus“, sagt Werntgen. Sie erlösen noch etwa 4 bis 6 Prozent. „Davon konnten wir lange zehren.“ Doch wo das Geld neu anlegen? Anleihen bringen kaum 1 Prozent. Denkbar wären Aktien, Immobilien oder Firmenbeteiligungen, sagt Werntgen. Doch die Aufsichtsbehörden erlauben spekulativere Anlagen kaum. Denn Stiftungen müssen ihr Kapital dauerhaft erhalten und dürfen es nicht gefährden.

 „Das ist eine allgemein schwierige Situation für Stiftungen“, meint Werntgen. Er hält mehrere Wege für denkbar. Etwa, dass kleineren Stiftungen erlaubt wird, ihr Kapital aufzuzehren, damit sie überhaupt noch tätig sein können. Falls Stiftungen ihren Betrieb einstellen müssten, hielte Werntgen das nicht in jedem Fall für dramatisch. Viele Stiftungszwecke ähnelten sich ohnehin sehr.

 Von starken Erlösen der vergangenen Jahre profitiert noch die Erich-Machac-Stiftung in Bad Segeberg. Ein alleinstehender, verstorbener Wahlstedter hatte sie posthum gründen lassen. Nachlassverwalter ist der Bad Segeberger Anwalt Achim A. Molls. Er soll mit den Erträgen bedürftige Halb- und Vollwaisenkinder unterstützen. „Wir haben noch Reserven.“ Die Geldanlage habe er mittlerweile einer Vermögensverwaltung übertragen. „Unsere Stiftungsaufgaben können wir weiterhin erfüllen. Wir freuen uns auch über neue Anträge.“ Die Stiftung habe für Waisen schon Ruderlehrgänge gefördert, Zimmereinrichtungen finanziert und Babynahrung gekauft.

 Mit einem schmalen Stiftungsgründungskapital von rund 10000 Euro muss die Bad Segeberger Horst-Busch-Sportler-Stiftung auskommen. Allerdings erhält sie ab und zu auch Spenden. Deshalb konnte sie kürzlich die Leichtathletin Isabell Teegen vom SC Rönnau 2400 Euro für die Reise zu einer großen Meisterschaft überweisen, oder dem MTV Segeberg 345 Euro für ein Fußballtor. „So lange noch etwas Geld da ist, wird nicht aufgelöst“, sagt Stiftungsgeberin Ingrid Busch, deren Stiftung an ihren Mann, den früheren Bürgervorsteher von Bad Segeberg, erinnert.

 Auch die Sparkasse Südholstein leidet unter der Zinsflaute. Ihre Stiftung schüttete 2015 rund 230000 Euro aus, 10000 Euro weniger als 2014. Sie bemüht sich um Unterstützer. 17 private Zustifter haben eine halbe Million Euro gegeben. Auch durch weitere eigene Erträge wuchs ihr Grundkapital von 6 Millionen Euro auf mittlerweile 7,4 Millionen Euro.

 Eine bundesweite Umfrage unter Stiftungen durch die Beratungsgesellschaft PwC zeigte, dass 82 Prozent der Stiftungen damit rechnen, weniger fördern zu können. 2015 haben die Stiftungen in Schleswig-Holstein rund 55 Millionen Euro ausschütten können.

 Vor allem kleine Stiftungen stecken zunehmend in der Sackgasse, sagt Bernd Hannemann vom Schleswig-Holsteinischen Stiftungstag. „Etwa 20 Prozent haben zu wenig Kapital.“ Eine halbe oder eine Million Euro sollten es schon sein, um mit den Erträgen daraus arbeiten zu können. Die Alternative: Auch risikoreichere, aber Ertrag versprechende Aktien beimischen oder Spenden einwerben. Außerdem hofft Hannemann auf Liberalisierungen im Stiftungsrecht. Eine Idee: Stiftungen sollen unkompliziert miteinander fusionieren dürfen.

 Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe beschäftigt sich bereits mit Reformideen, sagt Hendrik Peters, Pressesprecher des Innenministeriums. „Die Ergebnisse werden im Herbst erwartet.“

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
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