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Kinderheim mit neuem Leiter

Stipsdorf Kinderheim mit neuem Leiter

Klaus Tip (53) aus Heide in Dithmarschen wird neuer Leiter des heilpädagogischen Kinderheims in Stipsdorf. Er löst Ferdinand Nückel (65) aus Stipsdorf ab, der nach 40-jähriger Arbeit in der Kindersiedlung in Rente geht. Der Wechsel ist von langer Hand vorbereitet.

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Die Leitung im Kinderheim Stipsdorf wechselt: Klaus Tip (links) übernimmt von Ferdinand Nückel, der nach 40-jähriger Tätigkeit in Rente geht.

Quelle: Patricia König

Stipsdorf. Ferdinand Nückel räumt seit Tagen sein Büro. Er hat bis auf wenige Jahre stets im Kinderheim gearbeitet und auch gewohnt. 25 Jahre lebte er mit seiner Frau, die ebenfalls dort als Pädagogin tätig war, und dem gemeinsamen Sohn auf dem idyllisch gelegenen Hügel mit Blick auf den Segeberger See.

 Seit der letzte Arbeitstag immer näher rückt, erlebt der 65-Jährige eine Achterbahn der Gefühle. „Es ist ein gutes Gefühl, die Verantwortung abzugeben“, erklärt er. Aber er habe seine Arbeit immer gerne gemacht und der Blick zurück reue ihn nicht. „Ich bin froh, dass ich so lange in einer Tätigkeit arbeiten konnte, die mich meine Leidenschaft leben ließ“, sagt er. Die Leidenschaft, Kindern zu helfen, die aus irgendeinem Grund benachteiligt sind.

 Auslöser für seinen Werdegang war einst das Lied von Franz Josef Degenhardt „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“ – ein Ausdruck, der ihn immer noch wütend und auch fassungslos macht. „Es gibt keine Schmuddelkinder“, sagt er bestimmt. Doch es ist diese gesellschaftliche Bewertung über Kinder – und damit auch über deren Eltern –, die das Leben nicht so im Griff haben, nicht auf der Sonnenseite des Lebens geboren oder aufgewachsen sind, die ihn antrieb. „Kein Kind ist freiwillig hier“, weiß Nückel. Doch zusammen mit den Kollegen, den anderen 50 Kindern und auch in Zusammenarbeit mit den Eltern könne man nach Wegen suchen und Angebote machen. „Das gelingt nicht immer, aber es gelingt öfter, als man glaubt“, ist die Erfahrung des Heimleiters.

 Diesen Geist des Hauses hat Klaus Tip, der ab 1. Juni die Leitung von Nückel übernimmt, sofort erkannt. Der 53-Jährige hatte sich eigentlich in Dithmarschen beworben. Doch die Stelle war schon besetzt und der Leiter der Einrichtung gab die Bewerbung nach Stipsdorf weiter. „Zum Glück“, sagen beide Männer. Als der Dithmarscher vor dreieinhalb Jahren das erste Mal die Kindersiedlung sah und den Tagesablauf erlebte, wusste er sofort, dass er eine ganz besondere Einrichtung vor sich hatte. „So was gibt es heute gar nicht mehr“, versichert Tip.

 Kinder, die mit Erziehern und Heilpädagogen in Wohngruppen zusammen leben und Mitarbeiter, die zum größten Teil auf dem Gelände leben: Das sei für die meisten aus der Branche eine Horrorvorstellung, sagt Tip. Doch in Stipsdorf funktioniere dieses Modell – und zwar gut. „Ich habe schon nach kurzer Zeit erkannt, gefühlt und gedacht, dass ich mir das hier bis zur Rente vorstellen kann“, erinnert sich Klaus Tip.

 „Ich habe ihn entscheiden und machen lassen“, sagt Ferdinand Nückel. Wohl wissend, dass er einen Nachfolger nach seinem Geschmack gefunden hatte – einen mit Herz, der die gleiche Leidenschaft hat. Tip ist verheiratet, hat vier eigene Kinder und drei Pflegekinder, außerdem wohnen seine Schwiegereltern im Haus. Der 53-Jährige hat lange in der Kinder- und Jugendhilfe gearbeitet, zuletzt war er in der Eingliederungshilfe tätig und arbeitete mit Hörgeschädigten. Seitdem er weiß, dass auch der Einrichtungsträger – Gruppe Norddeutsche Gesellschaft für Diakonie in Bad Bramstedt – sein Okay für ihn als neuen Leiter gegeben hat, sucht er nach einem Haus in der näheren Umgebung von Stipsdorf. Denn für das Leben auf dem Gelände der Kindersiedlung sei die Familie einfach zu groß.

 Nückel will seinen letzten Arbeitstag am Dienstag, 31. Mai, in der Küche der Mensa verbringen. „Ich möchte noch einmal für die Kinder kochen und werde auch das Essen mit servieren“, erklärt er. Als Dank zum Abschied. Denn er habe nicht nur für und mit den Kindern gelebt und gearbeitet, sondern auch ganz viel von ihnen zurückbekommen.

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