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Das Erbe der Öl-Förderung

Suche nach Bohrschlamm Das Erbe der Öl-Förderung

In Segebergs Erdboden schlummern Umweltgefahren. Das Land wird im Herbst Gutachter auf die Suche nach Gruben schicken, wo Öl- und Bohrschlamm abgelagert worden sein soll. Schon untersucht sind alle 400 Altkippen und tausende Standorte, wo mit umweltgefährdenden Stoffen hantiert wurde.

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Bei Braak war vor etwa 20 Jahren eine Kuhle saniert worden. Dort waren 1300 Kubikmeter abgelagert, die Hälfte davon Bohrschlamm. Die schwarzen, öligen Reste wurde herausgebaggert, die Löcher neu verfüllt. Die Fläche wird jetzt als Acker genutzt.

Quelle: Archiv/Kreis Segeberg

Kreis Segeberg. Das bislang spektakulärste Umweltproblem findet sich in Norderstedt. Dort wird seit Jahrzehnten und mit Millionenaufwand versucht, krebserregende Stoffe einer früheren Knochenmühle aus Grundwasser und Erdreich herauszuholen – ohne abschließenden Erfolg.

 Aufgeschreckt wurde die Wasser- und Bodenbehörde des Kreises jüngst auch durch neue Hinweise vom Land und von einer Erdölfirma, es könnte noch unentdeckte alte Öl- und Bohrschlammablagerungen geben. Das verwundert nicht. Im Norden des Kreises Segeberg bei Groß Kummerfeld war einst Öl gesucht worden. Im Feld Boostedt etwa wurden von 1952 bis 1998 rund 2,7 Millionen Tonnen Erdöl zu Tage gefördert. Auch bei Bad Bramstedt war zwischen 1946 und 1958 gebohrt worden.

 Die Arbeit war nicht ohne Pannen verlaufen. An der Kreisgrenze in Richtung Wankendorf platzte mal eine Pipeline über einem Acker, erinnert sich Armin von Anshelm, Leiter der Abteilung Wasser, Boden, Abfall beim Kreis Segeberg. Der Umweltschaden sei damals behoben worden.

 Der Umgang mit dem Bohrschlamm war früher lax. So erfuhr von Anshelm beim Studium alter Akten, dass eine Landwirtin mal von einer Firma gefragt worden sei, ob sie nicht für 100 Mark einen Hektar Fläche bereitstellen könne, damit dort Schlamm abgeladen werden kann.

 24 Öl-Bohrlöcher gab es damals im Norden des Kreises Segeberg. Nach deren Stilllegung vor vielen Jahren waren sie untersucht und, wenn nötig, saniert worden. Auch etliche Bohrschlammablagerungen waren frühzeitig bekannt gewesen und wurden saniert. Bei Sülfeld-Borstel beispielsweise ist aus der Fläche längst ein Biotop geworden, wo einst 3600 Kubikmeter Hausmüll, Bauschutt und Bohrschlamm lagerten. Von Anshelm sind keine Fälle bekannt, bei denen die Ölreste im Boden jemals Grundwasser verschmutzt hätten.

 Es gibt jetzt allerdings neue Hinweise, die über das Land und RWE-DEA kamen. So sollen angeblich 80 Kubikmeter Öl- und Bohrschlamm in Bad Segeberg eingelagert worden sein. Wo, steht bislang nicht fest, sagt von Anshelm. Auch in Damsdorf, Hagen, Gönnebek und Latendorf sollen sich bislang unbekannte Schlammdeponien befinden. Diese Plätze soll ab Herbst ein Gutachter im Auftrag des Landes ausfindig machen.

 Die Deutsche Erdöl AG (DEA) sieht keine Gefahren. Bohrspülungen bestanden aus Wasser, Ton, Salz, Cellulose und „in Einzelfällen“ auch aus Mineralölkohlenwasserstoffen, sagt Pressesprecher Derek Mösche. Die Gruben seien aber unten abgedichtet gewesen. Bereits ab 1982 habe die DEA das Material nur noch in Fachanlagen entsorgt. Die Bergaufsicht habe keine Gefahr in den Schlammgruben gesehen. Und der DEA sei keine Vergiftung eines Grundwassers bekannt.

 Heute geht es beim Umweltschutz viel genauer zu. So sind vom Kreis alle rund 400 ehemaligen Müllkuhlen vom Kreis überprüft und saniert worden. Untersucht wird seit Jahren auch jeder altlastverdächtige Standort – dort, wo in Anlagen und auf Grundstücken mit umweltgefährdenden Stoffen gearbeitet wurde, etwa in chemischen Reinigungen. 2000 von 8000 zu prüfenden Standorten stehen noch auf der Liste. Drei Kreismitarbeiter schauen sich jeden einzelnen Fall genau an. Ihre Arbeitsplätze sind auf Jahre gesichert. Es kommen immer wieder neue Verdachtsfälle hinzu.

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
Segeberger Zeitung

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