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Viele Schüler haben Probleme

Tagung in Bad Segeberg Viele Schüler haben Probleme

Das Leben an Schulen ändert sich massiv. Viele Kinder drohen unter die Räder zu kommen: Wegen sozialer Probleme, weil ihre Familien arm sind oder weil sie gemobbt werden. Vor allem die Zahl der Schüler mit finanziellen und psychischen Problemen ist stark gestiegen, berichteten Schulsozialarbeiter während einer Landestagung in der Jugendakademie in Bad Segeberg.

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Die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder fördern wollen die Schulsozialarbeiter (unten) Thilo Grüllich und Barbara Münz-Wiedemann sowie Birte Schmidt von der Aktion Kinder- und Jugendschutz. Felix Möller leitete die Landestagung zur Schulsozialarbeit in der Jugendakademie in Bad Segeberg.

Kreis Segeberg. Die Probleme häufen sich ausgerechnet in einem Moment, in dem angesichts des Ganztagsbetriebs die „Schule von einem Lernort zu einem Lebensort wird“, wie Projektleiter Felix Möller sagt.

 Die Krise lässt sich an Zahlen ablesen. Innerhalb weniger Jahre wurde ein großes Team an Schulsozialarbeitern an den Schulen eingestellt. Mittlerweile rund 600 Kräfte arbeiten in Voll- oder Teilzeit in diesem Bereich in Schleswig-Holstein, sagt Barbara Münz-Wiedemann (Kiel) vom Landesarbeitskreis Schulsozialarbeit während eines Pressegesprächs.

 Ein drängendes Problem: Jedes fünfte Kind entstammt einer armen Familie, sorgt sich Münz-Wiedemann. Auch wenn sie nur knapp über Hartz-IV-Niveau verdiene, erhalte die Familie keine staatlichen Zuschüsse, etwa für Klassenfahrten. Das Geld aufzubringen bereite ihr dann große Probleme. Oder es falle einer Familie schwer, für das Kind den Computer zu Hause, das teure Schulbuch oder angemessene Kleidung zu kaufen. All das gefährdete die Chancengleichheit, warnt Münz-Wiedemann. Nicht immer, aber oft könnten dann die Schulsozialarbeiter helfen. Sie wüssten oft, welche Netzwerke unterstützen, etwa eine Stiftung oder ein Fördertopf.

 Mehr und mehr Kinder sind außerdem psychisch auffällig. Ursachen gebe es hierfür viele, meint Birte Schmidt von der Aktion Kinder- und Jugendschutz Schleswig-Holstein: Die Kinder seien zu behütet aufgewachsen oder hätten Gewalterfahrungen gemacht, würden von anderen gemobbt oder müssten mit der Scheidung der Eltern klarkommen.

 Gleichzeitig sind nach Meinung der Schulsozialarbeiter die Anforderungen an die Kinder gewachsen: Sie müssten flexibel sein, ihren Platz in einer komplizierten Welt finden, in vielschichtigen Familienverhältnissen aufwachsen.

 Das verlange auch den Schulen viel ab, waren sich die Experten einig. „Viele Lehrer wollen helfen, können es aber nicht immer“, sagt Thilo Grüllich, der als Schulsozialarbeiter in Bad Segeberg arbeitet. Lehrer seien in erster Linie mit der Kernaufgabe beschäftigt und darin geschult, Lehrstoff zu vermitteln. Hier sei die Schulsozialarbeit gefordert. Ziel sei, die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder zu fördern. Das gehe aber nur im Team, mit Kindern, Eltern, Lehrern, Schulleitung, Psychologen und Schulbegleitern.

 Dieser Prozess der Kooperation wird durch die Einbindung von Kindern mit Behinderungen in den Regelschulen (Inklusion) vorangetrieben, meinten die Schulsozialarbeiter. „Schule ist Teamarbeit, jeder hat die gleichen Rechte“, betonen sie. Auch die Kinder. Das habe die Weltorganisation UN vor 25 Jahren in einer Konvention festgelegt. Staat und Gesellschaft hätten das Wohlergehen der Kinder sicherzustellen. Seit 2011 fordert die Landesverfassung: Kinder haben Recht auf gewaltfreie Erziehung, Bildung, soziale Sicherheit, die Förderung ihrer Entwicklung zu eigenverantwortlichen, gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten. Die Schulsozialarbeiter sehen sich in diesem Zusammenhang als „Anwälte der Kinder“.

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
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