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Anwohner fordern Gifteinsatz

Tauben in Bad Segeberg Anwohner fordern Gifteinsatz

Anwohner der Fußgängerzone sind von Taubenkot und -federn genervt. Holger Rudolph, dem das Gebäude mit dem Restaurant Mediterran gehört, forderte in der Bauausschusssitzung drastische Maßnahmen: Die Stadt solle die Tiere – wie seines Wissens auch andernorts schon geschehen – mit Zyankali vergiften

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Der Taubendreck stört Bad Segeberger in der Innenstadt.

Quelle: Michael Stamp

Bad Segeberg. Seit fast zehn Jahren führt Unternehmerin Heide Mau einen Schriftwechsel mit der Stadt. Die Modeexpertin ist Vermieterin des jetzigen Mobilcom-Gebäudes rechts neben Rudolphs Haus und leidet unter dem Vogeldreck. „Die Taubenplage sorgt für eine unglaubliche Verschmutzung in der Kirchstraße“, klagte Heide Mau im Bürgersaal des Rathauses. „Das ist auch für eine Touristenstadt nicht gerade ein Aushängeschild.“

 Bereits im Oktober 2008 hatte Heide Mau einen Protestbrief ans Ordnungsamt geschickt, der von über einem Dutzend Anwohnern unterzeichnet war. Darin heißt es: „Der Taubendreck kommt vom Dach herunter. Der Fußweg ist derart verunreinigt, dass mehrmals am Tag gefegt werden muss, Fassaden und Markisen sind stark verschmutzt. Die Tauben zerstören die Sandsteinfassade und die Figuren bei der Volksbank, zerstören Bedachung und Fassaden der anderen Häuser, Dachrinnen sind voll mit Taubendreck.“ Die Unternehmer schlagen schriftlich den Einsatz eines Stadtjägers vor.

 Zu gravierenden Schritten gegen die Tiere ist es bisher aber nie gekommen. An einigen Gebäuden haben die Eigentümer sogenannte auf Federbrettern und anderen Simsen angebracht. Die Metallspitzen verhindern, dass sich die Vögel dort niederlassen. Auch der Central-Gasthof hat auf diese Art und Weise auf das Tauben-Problem reagiert.

 Wirtin Katrin Schumacher hat in diesem Sommer einen Falkner kommen lassen. Allerdings machte er nicht mit Greifvögeln Jagd auf die Tauben, sondern stellte Käfige samt Futter zum Anlocken auf. Etwa 15 Vögel wurden auf diese Weise gefangen und von dem Falkner abtransportiert. Am Grundproblem geändert hat sich dadurch aber nichts. Immerhin befinden sich in Bad Segebergs Innenstadt Dutzende der Tiere.

 Die meisten leben direkt gegenüber von „Mediterran“ und Mobilcom in einem schmalen Durchgang zwischen dem neuen VR-Bank-Gebäude und dem Vodafone-Laden. Vor dem schmalen Spalt steht die kleine Holzhütte, in der im Winterhalbjahr der ungarische Akkordeonspieler Istvan Jenei musiziert und die auch seinen Namen auf einem Schild trägt. In dem Durchgang sieht es wirklich übel aus: Taubenkot, wohin man schaut. Die Tiere sitzen auf dem Dach, strecken das Hinterteil über die Dachkante – und lassen die Schwerkraft den Rest erledigen. Die Exkremente wiederum locken, wie die Anwohner monieren, mitunter Ratten an.

 Holger Rudolph fordert von der Stadtverwaltung eine großangelegte Tötungsaktion. „Es muss ja nicht unbedingt Zyankali sein“, sagt er. In Hamburg, so habe er gehört, sei man den gefiederten Plagegeistern mit Gift aber Herr geworden. „Da wird mit dem ersten Sonnenstrahl eine große Plane ausgelegt, Futter und Zyankalikörner drauf – und fertig.“ Wenn dann die ersten Passanten kommen, seien die toten Tiere längst weggeräumt. Rudolph: „Es muss was unternommen werden!“

 Bauamtsleiterin Antje Langethal hielt dagegen, dass nur ein Vergrämen, also ein Vertreiben der Vögel möglich sei. „Das Töten von Tauben würde nicht gestattet werden. Dafür würde es keine Genehmigung geben.“ Im Übrigen habe man sich bereits in anderen Kommunen umgehört. „Da hat es in den letzten 15 Jahren keine aktiven Taubentötungsmaßnahmen gegeben.“

 Eine denkbare Alternative zum Bekämpfen der Tiere ist nach Worten der Bauamtsleiterin, für sie Taubenschläge aufzubauen, in denen sie sich niederlassen können. „Dann lassen sie 80 Prozent ihres Kots dort.“ Außerdem könne man dann die Taubeneier gegen Attrappen austauschen, sodass die Vermehrung der Tiere zumindest gebremst wäre. Es müssten sich allerdings Ehrenamtler finden, die die Betreuung der Taubenschläge übernehmen.

 Um das weitere Vorgehen zu besprechen, soll auf Initiative von Stadtvertreter Joachim Wilken-Kebeck (SPD) eine Innenstadt-Einwohnerversammlung einberufen werden. „Da können wir dann gemeinsam beraten.“

 Holger Rudolph und Heide Mau begrüßten diesen Vorschlag; sie halten einen schonenden Umgang mit den Tauben aber nicht für zielführend. Rudolph: „Vergrämen – das führt zu nichts!“ Auch in den Reihen der Kommunalpolitik scheint es zumindest einzelne Stimmen für den kurzen Prozess zu geben. So führte ein Sitzungsteilnehmer an seinem Platz lachenderweise mit eindeutigen Gesten vor, wie man einer Taube den Kopf abschlägt oder den Hals umdreht.

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