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Gelungener Ausflug ins ernste Fach

Theaterverein in Kattendorf Gelungener Ausflug ins ernste Fach

Die Mitglieder des Theatervereins kommen auch mit schwierigen Stoffen zurecht. Das zeigte sich bei den beiden Aufführungen von „Nora. Ein Puppenheim“ nach dem Schauspiel von Henrik Ibsen. Die „Kattendorfer Kammerspieler“ feierten gleich mit ihrer ersten Inszenierung einen großen Erfolg.

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Nora (Nicole Dill) führt das Leben einer Puppe. Ihr Ehemann Thorvald (Juan José Cortés Alor) formt Nora nach seinem Geschmack.

Quelle: Isabelle Pantel

Kattendorf. Das dreiaktige Schauspiel stammt aus dem 19. Jahrhundert und wurde von der Theatergruppe in die heutige Zeit verlegt. Am Grundproblem der Hauptfigur Nora, gespielt von Nicole Dill, änderten die Kammerspieler allerdings nichts. Auch in der Kattendorfer Inszenierung wurde die junge Frau von ihrem Ehemann Thorvald (Juan José Cortés Alor) gnadenlos unterdrückt, in Abhängigkeit gehalten, nach Belieben geformt und somit zu einer Art Puppe und Statusobjekt degradiert.

 Durch die Verlegung ins Hier und Heute machten die Kammerspieler mit Regisseur Rainer Hansen deutlich, dass Noras Probleme auch in Zeiten von Frauenwahlrecht, Quotenregelungen und Girls Days nicht überholt sind. Es gibt noch immer genügend Frauen, die über ihren Mann definiert werden und deren Aufgabe in erster Linie darin besteht, an seiner Seite eine gute Figur abzugeben. In der Kattendorfer Aufführung wurde das symbolisch durch einen Schwebebalken ausgedrückt, auf dem sich Nora mit gymnastischen Übungen fit zu halten hatte. Auf dem Balken – immer vom Absturz bedroht – verbrachte sie die meiste Zeit. Zwischenzeitlich ging es auf die Waage. Die Ergebnisse wurden von der Personaltrainerin sofort notiert und später dem Ehemann gemeldet.

 Das Ibsen-Stück hatten die Kattendorfer auf 90 Minuten gekürzt. Die Handlung konzentrierte sich auf die Kernprobleme, also auf die Beziehung zwischen Nora und Thorvald. Somit waren die beiden Hauptdarsteller Nicole Dill und Juan José Cortés Alor die tragenden Säulen für den Erfolg des Stücks. Unterstützt wurden sie von Saskia Serwotka (als Christine Linde), Karsten Harms (Magnus Krogstadt), Grit Feller, die als Oda Rank sogar Szenenapplaus bekam, und Vivien Behrmann (Anastasia).

 Dem Publikum verlangte der ernste Stoff einiges ab. Die Zuschauer waren aber bereit, sich darauf einzulassen. Das wurde in der Pause deutlich, als an vielen Tischen über die Handlung und ihre aktuellen Bezüge diskutiert wurde. Die Schauspieler hatten es geschafft, mit ihrer „Nora“ das Publikum in den Bann zu ziehen. Entsprechend groß fiel am Ende auch der Applaus aus.

 Weil der Ausflug ins ernste Fach zunächst ein Versuch war, hatte der Theaterverein nur zwei „Nora“-Aufführungen eingeplant. Da beide ausverkauft waren, wird nun über Zusatzvorstellungen nachgedacht. Termine oder Spielorte stehen noch nicht fest.

 Die Kattendorfer Kammerspieler sind aus der Gruppe Twilight hervorgegangen. Alle Akteure wirken dort weiterhin mit, hatten darüber hinaus aber den Wunsch, etwas Neues auszuprobieren. Nach dem Erfolg der „Nora“-Inszenierung steht nun fest, dass die Kammerspieler ein weiteres Projekt in Angriff nehmen werden. Nach dieser Leistung darf das Publikum darauf gespannt sein.

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