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Kubist und Expressionist

Thiele-Ausstellung in Groß Niendorf Kubist und Expressionist

Wer Kunst des 20. Jahrhunderts schätzt, findet bis zum 17. Juli im Hof-Café Arbeiten aus Kubismus und Expressionismus. Elf Bilder des Hamburger Malers Werner Thiele (1911-1992) und zwei Farbholzschnitte sind dort ausgestellt, außerdem Arbeiten auf Papier in einer Sammelmappe.

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Der Hamburger Maler Werner Thiele im Selbstbildnis: Bilder und weitere seiner Arbeiten sind bis zum 17. Juli im Groß Niendorfer Hof-Café zu sehen.

Quelle: Friederike Kramer

Groß Niendorf. Zu sehen sind in der Schau Landschaften aus Schleswig-Holstein, Stillleben und figürliche Portraits. Einige Werke sind verkäuflich.

 Schon beim Betreten des Cafés fallen die farbenprächtigen Ölgemälde von Blumen und der Grander Mühle ins Auge, am Fenster das Selbstbildnis des Pfeife-rauchenden Künstlers. Kraftvoll in den Farben sind die häufig schwarz umrahmten Motive gestaltet. Viel Bewegung in den Werken bezaubert den Betrachter.

 Die Einflüsse des Kubismus und Expressionismus sind besonders in einem seiner letzten Werke aus dem Jahr 1991 sichtbar. Es stellt einen Mann und eine Frau dar, gemalt in der Tradition der norddeutschen Expressionisten Emil Nolde und des in Groß Niendorf geborenen Künstlers Christian Rohlfs. In seinen auffallenden Farben erinnert es ein wenig an leuchtende Kirchenfenster. Darin gestaltet der Künstler, inspiriert vom Kubismus, den Raum neu mit Fluchtpunkten in Form von geraden Linien und Kreisen.

 Nach einer kurzen Phase der Abstraktion kam Thiele zum Expressionismus zurück, betonte aber immer, dass die abstrakte Malerei für ihn sehr wichtig war. Schon als Schüler beeindruckte Thiele durch sein zeichnerisches Talent. Er war Autodidakt, vermied einen Akademiebesuch mit der Begründung: „Auf der Akademie werden die Künstler oft verbildet“. Der Beruf des Feinmechanikers sicherte ihm lebenslang den Unterhalt und ermöglichte ihm, künstlerisch tätig zu sein. Von seinem handwerklichen Geschick zeugen viele Holzschnitte und Radierungen. Die Farbholzschnitte wurden nicht nachträglich koloriert, sondern mit verschiedenen Farbplatten in mühevoller Arbeit gedruckt.

 „Kunst kann man nicht machen, man arbeitet und es wird Kunst – oder auch nicht“ zitiert Thieles Freund, Wegbegleiter und Drucker des Malers, der 91jährige Walter Meinhart, Werner Thiele. Gemeinsam arbeiteten sie an der Druckerpresse und ließen sich dabei von klassischer Musik inspirieren. „Er war ein Maler, der im Kopf gemalt hat“, sagt Meinhart. Er verwaltet den Nachlass, besitzt etwa 150 Ölgemälde von Thiele sowie viele Holz- und Linolschnitte, Radierungen und Zeichnungen – etwa 4000 Blätter. Die Druckerpresse ist inzwischen an das Hamburger Museum für Arbeit gegeben worden.

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