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Tierquäler-Prozess mit besonderer Note

Amtsgericht Bad Segeberg Tierquäler-Prozess mit besonderer Note

Der Prozess gegen einen 57-jährigen Landwirt aus Todesfelde wegen angeblicher Tierquälerei wird wohl in die Geschichte des Amtsgerichts Bad Segeberg eingehen: Der Fall zieht sich seit 2012 hin, und am Mittwoch brachte eine erneute Wendung die nächste Überraschung.

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Vor dem Schöffengericht Bad Segeberg wird über einen Landwirt aus Todesfelde verhandelt, der seine Tiere auf dem Hof schlecht gehalten haben soll.

Quelle: Gerrit Sponholz

Bad Segeberg, Todesfelde. Der Kern der Anklage rückte am Mittwoch vor dem Schöffengericht und etlichen Journalisten und Landwirten im Zuschauerraum in den Hintergrund. Dem Landwirt, der guter Laune war, soll 2011 und 2013 Kühe, Rinder, Schweine und Katzen schlecht gehalten haben, so lauten die Vorwürfe.

Der Prozess war 2015 eröffnet, aber schnell vertagt worden. Die Verteidigung war damals mit ihrem Wunsch, das Verfahren gegen Auflagen oder Geldbuße einzustellen, gescheitert. Auf eine Haftstrafe von eineinhalb Jahren, wie sie dem Gericht vorschwebte, wollte sich die Verteidigung nicht einlassen. Daraufhin musste die Beweisaufnahme eröffnet werden. Die Folge: Ein Gutachter sollte sich die Tierfälle genauer ansehen.

Ein Gutachten liegt bis heute nicht vor, kritisierten am Mittwoch die beiden anwesenden Rechtsvertreter des Angeklagten, Verena Rottmann und Dr. Thomas Abeltshauser. Kann ja auch nicht, sagte die Vorsitzende Richterin Sabine Roggendorf sinngemäß und schon leicht genervt. Die Verteidigung habe das Gericht und den Sachverständigen mit etlichen Befangenheitsanträgen lahmgelegt.

Befangenheitsanträge aus Süddeutschland

Das Kuriose: Die Befangenheitsanträge kamen vornehmlich von Anwalt Dr. Wolfgang Hansen aus Süddeutschland, der gar nicht erst erschienen war und nur mitteilen ließ, dass er im Übrigen sein Mandat zurückgegeben habe. Ein vierter Verteidiger, Dr. Benedikt Mick aus Berlin, war ebenfalls nicht nach Bad Segeberg gekommen.

Richterin Roggendorf wurde unwirsch:  „Ich möchte möglichst schnell weiterverhandeln.“ Damit es weitergehen kann, benötige der Angeklagte einen Verteidiger. Rottmann und Abeltshauser kamen nicht in Frage. Denn sie haben keine Zulassungen. Dem Angeklagten gab sie für die Benennung eines Verteidigers einige Tage Zeit. Wann weiterverhandelt wird, ist unklar.

Was dem Prozess gegen den Todesfelder und weiteren Verfahren gegen andere Segeberger Landwirte wegen Verstößen gegen den Tierschutz zusätzliche Brisanz verleiht: Eine führende Rolle bei den Durchsuchungen und Beschlagnahmungen von Tieren spielte eine Staatsanwältin aus Kiel, die im Zusammenhang mit Tierschutzfällen selbst unter Anklage steht. Ob ein Verfahren gegen sie eröffnet wird, steht noch nicht fest.

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
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