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Staatsanwalt fordert fünf Jahre Haft

Totes Baby im Papierkorb Staatsanwalt fordert fünf Jahre Haft

Die Angeklagte ist traumatisiert von Flucht und Vergewaltigung - und lässt laut Anklage ihr Baby nach der Geburt einfach sterben. Das kleine Mädchen wird im Abfallkorb einer Bushaltestelle gefunden. Jetzt fordert der Staatsanwalt im Kieler Prozess eine Haftstrafe.

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Trauriger Fund: An einer Bushaltestelle in Borstel an der B 432 war der tote Säugling in einer Mülltonne entdeckt worden. 

Quelle: Dierk E. Seeburg (Archiv)

Kiel. Die Angeklagte ist traumatisiert von Flucht und Vergewaltigung - und lässt laut Anklage ihr Baby nach der Geburt einfach sterben. Das kleine Mädchen wird im Abfallkorb einer Bushaltestelle gefunden. Jetzt fordert der Staatsanwalt im Im Kieler Prozess um den den Tod eines kleinen Babys, das leblos im Abfallkorb einer Bushaltestelle in Sülfeld im Kreis Segeberg gefunden wurde, hat der Staatsanwalt fünf Jahre Freiheitsstrafe gefordert. Die aus Eritrea nach Deutschland geflüchtete Mutter habe sich des Totschlags durch Unterlassen schuldig gemacht, sagte Oberstaatsanwalt Bernd Winterfeldt am Montag vor dem Kieler Landgericht. Vom ursprünglichen Anklagevorwurf, die junge Frau habe ihr Kind nach der Geburt erstickt, rückte er nach der Beweisaufnahme zu ihren Gunsten ab.

Die schwer traumatisierte und depressive Frau habe ihrem Kind aber  nach der Geburt jede Hilfe verweigert, «in einer Phase, in der ein Leben nicht schutzloser sein kann», betonte Winterfeldt. Das sei trotz der mildernden Umstände für die 23-Jährige besonders verwerflich und strafverschärfend.

"Sie ist sicher auch Opfer, aber sie ist auch Täterin"

Die Angeklagte war auf ihrer mehrmonatigen Flucht in Libyen gefangengenommen und wochenlang von mehreren Männern vergewaltigt geworden. Sie habe deswegen auch keine Beziehung zu Schwangerschaft und ihrem Kind aufbauen können, sagte Winterfeldt. Das erkläre aber nicht, warum sie ihr Baby sterben ließ und nicht nach der Geburt etwa zur Adoption freigeben habe. "Sie ist sicher auch Opfer, aber sie ist auch Täterin", sagte er. Sie habe Schwangerschaft und Geburt verheimlicht und keinerlei Vorsorge getroffen.

Anders als von ihr vor Gericht behauptet, habe die Angeklagte die Geburt sehr wohl bemerkt und das Kind einfach liegenlassen, sagte Winterfeldt. Es war gesund, voll entwickelt und lebensfähig, habe aber keine Chance gehabt. Das kleine Mädchen starb nach Aussage eines Rechtsmediziners spätestens 30 Minuten nach der Geburt.

Die Mutter habe ihre Tochter dann in ihre Kleidungsstücke gewickelt und in zwei Einkaufstüten verpackt, schilderte der Staatsanwalt. So wurde der kleine Leichnam am 15. Oktober 2015 im Papierkorb an der Bushaltestelle in Sülfeld gefunden. Der Fund löste Trauer und Bestürzung aus. Die Kirchengemeinde von Sülfeld taufte das Mädchen auf den Namen Teresa. Sie wurde unter großer Anteilnahme bestattet.

Verteidigerin Niole Buchert-Cochanski plädierte dagegen auf Freispruch. In diesem Fall gebe es keine Schuldigen, sondern nur Opfer, sagte sie. Sie gehe sie davon aus, dass die Mutter zur Tatzeit steuerungs- und damit schuldunfähig gewesen sei. Die 23-Jährige habe den Tod des Kindes nicht billigend in Kauf genommen.

Die Angeklagte war Mitte 2015 - bereits schwanger - über Italien nach Deutschland eingereist und kam nach Schleswig-Holstein. 2016 wurde sie als Flüchtling anerkannt. Das Kind gebar sie laut Anklage zwischen dem 10. und 13. Oktober. 

Über ein Jahr lang sei die Mordkommission jedem noch so kleinen Hinweis nachgegangen, um die Mutter zu ermitteln, sagte der Staatsanwalt. Für die Ermittler sei es unvorstellbar gewesen, dass  Schwangerschaft, Geburt und Tod unbemerkt geblieben sein sollten. Die 23-Jährige, die im Flüchtlingsheim in Seth, nicht weit von Sülfeld entfernt, lebte, wurde schließlich durch eine Speichelprobe überführt. Der Polizei und dem psychiatrischen Gutachter gegenüber hatte sie die Geburt zugegeben.

Von dpa

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