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Andere Zeiten, anderes Stadtfest

Traditionsveranstaltung Andere Zeiten, anderes Stadtfest

Mit den aufwändigen Veranstaltungen früherer Jahrzehnte hatte das Bad Segeberger Stadtfest am Sonntag nicht mehr viel zu tun. Die Zeiten haben sich verändert – und die Feier ist ein wenig auf der Suche nach ihrer Identität. Trotzdem kamen  Tausende Besucher in die Innenstadt.

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Der 23-jährige Zimmermeister Morten Hollmann aus Rickling und seine Oma Helga Göttsche kauften sich Lose bei Lions-Club-Mitglied Eckart Reimpell. Er stand - wie stets seit Gründung des Stadtfestes in den 70er Jahren - mit einer Drehorgel in der Bad Segeberger Innenstadt

Quelle: Sönke Ehlers

Bad Segeberg. Für einen regnerischen Tag war erstaunlich viel los in Bad Segeberg. Sonniges Wetter hätte der Veranstaltung sicherlich von der Stimmung her gut getan, aber auch so wurde die Innenstadt zu einem Platz, an dem man Freunden und Bekannten über den Weg lief und schnell in einen Plausch verstrickt war. Vom Verlagshaus C.H.Wäser zog sich das Festgebiet über die Hamburger Straße bis hin zum Marktplatz und hinein in die Oldesloer Straße, wo auf dem Parkplatz der Sparkasse Südholstein der traditionelle Knax-Flohmarkt für Kinder über die Bühne ging. Dieser Teil der Veranstaltung erinnerte noch am ehesten an frühere Feste.

 Diese goldenen Zeiten des Stadtfestes sind aber auch schon ganz schön lange her: Sie dauerten von Mitte der 1970er bis Mitte der 1990er Jahre. Damals richtete die Stadt die Fete noch selbst aus - und zwar finanziell im wahrsten Sinne des Wortes ohne Rücksicht auf Verluste. Da wurde ein riesiger Flohmarkt für Privathändler organisiert, dazu ein Kulturprogramm auf mehreren Bühnen mit Abendshow und allem drum und dran. Da gab es aber auch noch das Kultur-Programm „Segeberger Sommer“ im gesamten Juli und August, dann die „Segeberger Woche“ mit Veranstaltungen bis zum Abwinken und als Krönung das Stadtfest.

 Mit Bad Segebergs Finanzsorgen kam die Ausgliederung der Feier an private Unternehmer - und diese konnten den alten Stil und Charme nicht erhalten, weil sie im Gegensatz zur Stadt aufs Geld schauen mussten. Das ist im Laufe der Jahre eine fortlaufende Entwicklung geworden. Der gewaltige Flohmarkt war irgendwann kein Anziehungspunkt mehr, weil derlei Veranstaltungen auf dem Möbel-Kraft-Parkplatz (noch dazu in ungleich größerer Dimension) mehrfach im Jahr stattfinden. Und mit einem attraktiven Musikprogramm auf dem Marktplatz lässt sich nur schwerlich Geld verdienen. So wurde der Flohmarkt mal an die Seepromenade verlegt und wieder zurück.

 Am Sonntag fand er - ganz klassisch - in der Fußgängerzone statt. Nur ist der Andrang der Händler, die früher auch den Seminarweg bis auf den letzten Quadratzentimeter bevölkerten, längst nicht mehr so groß. Geprägt wurde das Bild gestern von den gewerblichen Anbietern mit ihren Taschen, Lederwaren, Tupperschüsseln und Feuerzeugen. Dazwischen kann die typischen Stände von Familien, die ausrangierte Spielsachen und anderen Krimskrams für ein paar Euro losschlagen wollen.

 Mittlerweile ist das Fest auf einen einzigen Tag zusammengeschnurrt. Auf der Innenstadtbühne vor der Volksbank traten turnende und tanzende Kinder und Musiker aus der Region auf. Alles nett gemacht, aber eben nicht mehr das, was das Stadtfest mal war.

 Die Meinungen waren unterschiedlich. Viele Passanten lobten den Trubel, der unzweifelhaft herrschte - aber andere meinten, ein großer Wurf sei das eben nicht mehr. Nur kann man den unter den heutigen Rahmenbedingungen auch nicht mehr erwarten. Das Fest gestern war eine grundsolide Veranstaltung – ein bisschen wie ein verkaufsoffener Sonntag (was vom zeitlichen Rahmen ja auch ungefähr passte).

 Es kamen Menschen aller Generationen zum Bummeln. Helga Göttsche (83) aus Bad Segeberg war mit ihrem Enkel Morten Hollmann (23) aus Rickling auf dem Stadtfest. „Es ist so schön, mit solch vielen Menschen zusammen einen Tag zu verbringen, sagte Helga Göttsche. Das Stöbern durch die Fußgängerzone mit ihren vielen Ständen machte der Rentnerin viel Spaß. „Auch wenn der ganze Keller voll ist, kann man ja mal gucken, was es für Schnäppchen zu ergattern gibt“, sagte sie mit einem Augenzwinkern. Einen Euro Rabatt handelte sie bei einer Tupperdose aus, die für 4 Euro angeboten worden war.

 Lions-Club-Mitglieder Eckhart Reimpel stand traditionsgemäß wieder mit einer Drehorgel in der Fußgängerzone. „Seit dem ersten Stadtfest verkleide ich mich nun mit dieser Montur und spiele die Drehorgel. Da konnte ich auch in diesem Jahr nicht anders“, sagte der 75-Jährige lachend. „Da muss ich durch.“

 Mustafa Balci verkaufte mit dem Bad Segeberger Verein der Gül-Moschee Gebackenes und Gekochtes. Er war für die Zubereitung der Tantumi (türkische Teigfladen mit Fleisch und Salat) zuständig. Engin Ocak erklärte, dass man sich durch das Essen näher kommt – und das gelte auch für unterschiedliche Kulturen.

 Auf diese Weise hatte das Stadtfest doch wieder etwas Verbindendes –so, wie es sich Initiator Klaus Knütter vor 40 Jahren vorgestellt hatte. Die Grundlage für weitere Feste ist vom Interesse der Besucher her vorhanden; nur fragt sich, ob dieses Konzept auf Dauer trägt.

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