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Grundschule wird umbenannt

Trappenkamp Grundschule wird umbenannt

Auf den Namen „Dr. Gerlich-Schule“ kann die Grundschule demnächst verzichten. Der Namenspate sei kein Beispiel, an dem Schüler sich orientieren könnten, meint die Mehrheit der Gemeindevertreter. Ihre Entscheidung setzt einen vorläufigen Schlussstrich unter eine seit Jahren andauernde Diskussion.

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Der Namenszusatz „Dr. Gerlich“ soll gestrichen werden.

Quelle: Petra Stöver

Trappenkamp. Den Namen des früheren Nationalsozialisten und späteren CDU-Landtagsabgeordneten Dr. Gerhard Gerlich streichen – dafür sprachen sich in namentlicher Abstimmung die neun SPD-Gemeindevertreter aus, dagegen die sechs anwesenden aus der achtköpfigen Trabi-Fraktion. Damit soll die Schule künftig ohne Zusatz nur „Grundschule mit Förderzentrum“ heißen. Die Schulkonferenz, die ebenfalls Dr. Gerlich als Namensgeber loswerden will, muss noch zustimmen. Behördliche Genehmigungen müssen noch eingeholt werden, bevor die Umbenennung perfekt ist und der Schriftzug abmontiert werden kann. Er soll im Trappenkamper Museumsbunker aufbewahrt werden, kündigte Bürgermeister Harald Krille während der Sitzung der Gemeindevertreter am Donnerstag im Bürgerhaus an.

 Vorangegangen war eine kurze kontroverse Diskussion über einen vernünftigen und angemessenen Umgang mit der Vergangenheit. „Das ist eine schwierige Entscheidung für jeden Einzelnen und eine ernste Angelegenheit“, sagte Krille. Für Merle Schultz (SPD), mit 28 Jahren die jüngste Gemeindevertreterin, steht Gerlich für Naziherrschaft, und die wiederum für Rassenhass und Ausgrenzung, was in Trappenkamp mit einer starken Willkommenskultur für Flüchtlinge keinen Platz habe. In der Schule würden Werte wie Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit vermittelt. Gerlich jedoch habe „zu seinen Gunsten und Vorteilen bei der Entnazifizierung gelogen und dies sogar eidesstattlich“. Deshalb sei er ungeeignet als Repräsentant der Schule.

 Diese Unwahrheit sei eine „Überlebensstrategie“ gewesen, allenfalls eine Notlüge, hielt Sven Uve Jahn (Trabi) dagegen. Es sei beschämend und verwerflich, über einen Menschen, dessen Motive man nicht nachvollziehen könne, richten zu wollen. „Im Zweifel für den Angeklagten“, forderte er. „Ihm verdanken die Flüchtlinge ein Zuhause“, betonte sein Fraktionskollege Dieter Schütte. Diese Dankbarkeit der ersten Trappenkamper Bürger sollte weiterhin gezeigt werden.

 Das sah Axel Barkow (SPD) anders. Es sei das Recht der nachfolgenden Generation, neu zu bewerten und zu entscheiden. Aus heutiger Sicht sei es nicht mehr möglich, Gerlich als gutes Beispiel zu ehren. Und Namenspaten von Schulen seien besonders kritisch zu beäugen. Er wünschte sich, dass Schleswig-Holstein, ähnlich wie Bayern, eine Initiative für den Umgang mit belasteten Schulnamen ergreifen würde.

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