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Tüftler entwickelt Straßenlaterne mit Windkraft

Wahlstedt Tüftler entwickelt Straßenlaterne mit Windkraft

Kann Windkraft die düsteren Ecken im Dorf erhellen? Entwickler Peer Langemak aus Wahlstedt (Kreis Segeberg) ist davon überzeugt. Auf Juist will er seine erste Straßenlaterne mit Rotor aufstellen.

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Peer Langemak, Entwickler einer mit Windkraft betriebenen Straßenlaterne, in seiner Werkstatt zwischen Entwürfen seines Savonius-Windrotors, durch den die Laternen-Akkus geladen werden.

Quelle: Markus Scholz/dpa

Wahlstedt. Mit einer Ökostrom-Straßenlaterne will ein Tüftler aus Schleswig-Holstein an abgelegenen Orten Licht ins Dunkel bringen. „Wenn wir hier oben von etwas genug haben, dann ist das Wind“, sagt Lichtdesigner Peer Langemak aus Wahlstedt im Kreis Segeberg. „Seit 15 Monaten baue ich daran rum, nun funktioniert es.“ In den kommenden Wochen will er die ersten Anlagen zu Demonstrationszwecken aufstellen — eine davon auf der Nordseeinsel Juist.

Langemak hofft, dass sich von seiner Entwicklung vor allem kleinere Dörfer angesprochen fühlen. Denn die Öko-Straßenlaterne funktioniert autark. Ein Anschluss an das Stromnetz ist nicht nötig. Dafür sorgen vier Akkus im Inneren des rund sechs Meter hohen Masts. Darauf dreht sich ein etwa 90 Zentimeter hoher sogenannter Savoniusrotor.

Vollgeladen sollen die Akkus dafür sorgen, dass die Laterne selbst bei absoluter Flaute zehn Tage lang Licht ins Dunkel bringt mit ihren 14 Watt starken LEDs. „Aber zehn Tage ohne Wind sind im Norden ja ohnehin unwahrscheinlich“, sagt der Entwickler. Noch ist seine Entwicklung aber nicht auf dem Markt. Der 47-Jährige will die Laterne vom Tüv zertifizieren lassen.

Der Bundesverband Windenergie sieht in dem Projekt Potenzial. „Die Energiewende bedeutet eine Dezentralisierung der Stromproduktion. Die Wind-Straßenlampe ist ein schönes Beispiel, wie sich Windenergie kreativ nutzen lässt und Kommunen an der Energiewende teilnehmen“, sagt Sprecher Wolfram Axthelm. „Die Entwicklung hat sicher gute Chancen einen wichtigen Beitrag zur Beleuchtung von Straßen und Wegen gerade in ländlichen Regionen zu übernehmen.“ Die Straßenlampen könnten zudem für mehr Sicherheit auf Radwegen sorgen.

Dafür muss dort nicht wirklich viel Wind wehen. „Bereits bei einer Windgeschwindigkeit von drei Metern pro Sekunde laden sich die Akkus auf“, sagt Langemak. Aber auch mit der steifen Brise an der Küste haben die Öko-Laternen kein Problem. Dreht sich der Rotor aus Aluminium zu schnell, bremst das System automatisch ab.

Langemak glaubt, dass sich die Wind-Straßenlampe in ländlichen Regionen rechnet. „Der Stückpreis wird unter 4000 Euro liegen“, sagt der 47-Jährige. Das sei die magische Grenze, um günstiger zu sein als die Kosten für herkömmliche Laternen inklusive Straßenarbeiten für die Erdverkabelung.

Denn in Schleswig-Holstein gibt es viele Bereiche, in denen keine Stromkabel in der Erde liegen. „Aber auch dort wird manchmal ein Licht gebraucht, aber nicht so viel, dass es lohnt dafür die ganze Straße aufzugraben.“ Langemak nennt Rad- und Schulwege oder Bushaltestellen.

Als autarke Lösungen setzen viele Kommunen bislang auf Solaranlagen. Doch die haben im Norden im Winter ein Problem. „Sie bringen dann nicht die gewünschte Leistung, weil hier teilweise vier, fünf Wochen nicht die Sonne scheint“, sagt Langemak. Bei bewölktem Himmel reiche die Leistung nicht über einen längeren Zeitraum.

Schleswig-Holsteins Gemeindetag-Geschäftsführer Jörg Bülow bezeichnet die Entwicklung als „interessante Idee“. „Denn Straßenbeleuchtung ist für viele Kommunen im Land ein hoher Kostenfaktor“, sagt er. Energetische Umrüstungen seien vielerorts Thema. Vor allem für abgelegene Orte ohne Anschluss an das Stromnetz könnten die Lampen aus seiner Sicht eine Alternative sein.

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