21 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Miteinander wurde besser

Bad Bramstedt Miteinander wurde besser

Bevor ab dem 17. Juni die Fastenzeit beginnt, feierte die türkische Gemeinde in Bad Bramstedt am Wochenende zwei Tage lang Kermes. Das ist eine gemeinnützige Feier für den Erhalt eines Vereins, in diesem Fall des türkischen Kulturvereins Bad Bramstedt.

Voriger Artikel
Enten hatten Gegenwind
Nächster Artikel
Betrieb wie lange nicht mehr

Imam Erol Turan spricht die Gebete vor.

Bad Bramstedt. Auf dem Gemeindefest, zu dem jedes Jahr alle Bürger Bad Bramstedts eingeladen sind, können die nicht-türkischen Gäste einen Einblick in die Kultur der türkischstämmigen Mitbürger nehmen. Auch die Moschee ist für Nicht-Muslime geöffnet und wird den Gästen gezeigt.

 Leider nehmen nur wenige Bad Bramstedter diese Gelegenheit wahr. „Trotzdem hat es im Miteinander in den vergangenen Jahrzehnten riesige Veränderungen und Annäherung gegeben“, sagte Dilek Agdan. Die 52-Jährige ist im türkischen Kulturverein Vorsitzende des Frauenausschusses und engagiert sich bei Veranstaltungen um die Annäherung zwischen Deutschen und Türken. Dilek Agdan selbst kam als sechsjähriges Mädchen 1969 mit ihren Eltern aus der Türkei nach Bad Bramstedt.

 „Die Generation meiner Eltern war ängstlicher und schüchterner“, erzählte Agdan bei der Moschee-Führung. Damals habe man sich gegenseitig noch nicht so gut gekannt wie heute. „Der Glaube wurde damals mehr in den eigenen vier Wänden gelebt“, erinnerte sie sich. „Heute leben wir den Glauben aus, präsentieren ihn auch dadurch, dass wir unsere Moschee für Andersgläubige öffnen.“ Auch bei Gottesdiensten dürften Christen dabei sein.

 Mittlerweile sei es sogar selbstverständlich, dass Konfirmanden der evangelischen Kirche in die Moschee zu Besuch kommen, um sich über den muslimischen Glauben zu informieren, sagte Dilek Agdan. Auch umgekehrt besuchten türkische Kinder im Rahmen des Koranunterrichts die evangelische Kirche. Der Umgang mit dem evangelischen und dem katholischen Geistlichen im Ort sei für den Imam eine Selbstverständlichkeit, betonte die Frau aus dem Kulturverein und verwies auf Übereinstimmungen zwischen Bibel und dem Koran, etwa die Tatsache, dass Jesus in der heiligen Schrift des Islams als Prophet genannt wird.

 Bei vielen Festen in Bad Bramstedt seien die Grenzen nicht mehr so scharf wie noch vor einigen Jahren, hat Dilek Agdan festgestellt. So ist es mittlerweile eine Selbstverständlichkeit, dass sich die türkische Gemeinde am Weihnachtsmarkt beteiligt, einige Mitglieder tragen auch rote Nikolaus-Mützen. Der Tag der Deutschen Einheit wird ebenfalls als Fest in der türkischen Gemeinde gefeiert. Und das Fastenbrechen während des Ramadans ist inzwischen als kleines Fest auch für die Allgemeinheit zugänglich. „Als Nächstes planen wir einen Flohmarkt rund um die Moschee“, teilte Agdan mit. „Auch die deutschen Bürger haben sich uns gegenüber geöffnet und sind aufgeschlossener“, freute sie sich. So habe ein Firmenchef zum Beispiel einen Raum für Gebete am Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt, erfuhren die Gäste in der Moschee.

 „Wir sind neugierig darauf, etwas über die Kultur zu erfahren“, begründeten Peter Hilscher und Angelika Thun ihren Besuch - zusammen mit der neunjährigen Tochter Jenny - bei der Kermes. „Die türkische Freundin unserer Tochter hatte kürzlich Hemmungen, eine christliche Kirche zu betreten. Wir wollen nicht, dass dies umgekehrt auch unserer Tochter passiert“, sagte Peter Hilscher. Deshalb nutzte die Familie die Gelegenheit, sich bei einer Führung in der Moschee über den Glauben und Abläufe bei den Gebeten sowie über die Rolle des Imams zu informieren.

 Heidemarie Zabel aus Bad Bramstedt war ebenfalls zum ersten Mal dabei: „Man hat andere Vorstellungen; ich finde es angenehm, was ich hier gesehen habe“, sagte sie, „vieles wird verständlicher, man sollte sich nicht verschließen. Die türkischen Mitbürger gehören schließlich zu Bad Bramstedt.“

 Neben den Moschee-Führungen hatte das Kermes-Fest auch typisch türkische Spezialitäten vom Grill und Gebäck im Angebot. Außerdem sorgte eine Tombola dafür, dass etwas Geld für die Arbeit des türkischen Kulturvereins in die Kasse fließt.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
Ein Artikel von
Uwe Straehler-Pohl

THW-Liveticker!

Alle THW-Spiele live
online verfolgen. Mit
dem THW-Liveticker

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Segeberg 2/3