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Hoffnung in der Sporthalle

Alveslohe Hoffnung in der Sporthalle

Fragebögen ausfüllen, Blutproben abnehmen und Geld auftreiben: Solche Disziplinen hatte es in der Sporthalle neben dem Bürgerhaus in Alveslohe noch nicht gegeben.

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Zu den zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen bei der Typisierungsaktion in Alveslohe gehörte auch Krankenschwester Yvonne Soltau (links). Sie nahm Sabine Saß etwas Blut ab.

Alveslohe. Der ungewöhnliche Dreikampf über fünf Stunden hatte einen ernsten Hintergrund: einen Kampf auf Leben und Tod. Und der dauert für den 26-jährigen Baptiste Tassel aus dem Nachbardorf Langeln (Kreis Pinneberg) noch an: Ausgang ungewiss.

 Der junge Mann leidet an einer überaus aggressiven Form von Blutkrebs (Leukämie). Seine letzte Chance, die Krankheit zu besiegen, ist eine sogenannte Stammzellenspende, damit Baptistes Blutproduktion wieder anspringt und sich sein Immunsystem regenerieren kann.

 Hoffnung schenkt die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS). Darin sind mittlerweile rund fünf Millionen potenzielle Spender registriert. Für Baptiste war allerdings bislang niemand dabei. Seit Sonnabend stehen aber 516 weitere Namen in der Datei, denn so viele Freiwillige kamen zu der Typisierungsaktion unter dem Motto „Baptiste will leben!“.

 1991 in Deutschland gegründet, ist die DKMS inzwischen der weltweit größte Verbund von Stammzellspenderdateien. Bis heute haben über 48000 Patienten eine neue Lebenschance erhalten. Täglich spenden durchschnittlich 17 Männer oder Frauen Stammzellen oder Knochenmark für Patienten im In- und Ausland. Doch das reicht noch lange nicht. Denn durchschnittlich alle 16 Minuten erhält DKMS-Angaben allein in Deutschland jemand die niederschmetternde Diagnose Blutkrebs.

 Im Februar diagnostizierten Ärzte bei Baptiste Tassel schwere aplastische Anämie, eine sehr seltene Knochenmarkserkrankung. Der passionierte Animationsfilmkünstler hatte kurz zuvor seine Bachelor-Prüfung bestanden und wollte ins Berufsleben starten. Doch sein zerstörtes Knochenmark produziert kein Blut mehr: Der Sauerstofftransport ist dadurch ebenso blockiert wie das Immunsystem. Der Patient befindet sich deshalb in einem Isolationszimmer in einer Hamburger Klinik. Außerhalb könnte er nicht überleben. „Er braucht regelmäßig Bluttransfusionen und absoluten Schutz vor Keimen, Bakterien, Viren und Pilzen“, erklärte Baptistes Vater Bernd Mölck-Tassel. „Die Anteilnahme bewegt mich sehr. Es ist tröstlich, dass so viele Menschen – darunter viele, die ich bislang gar nicht kannte – Baptiste helfen wollen.“ Dem Vater war aber auch klar, dass die Chance, für seinen Sohn unter den 516 Neu-Typisierten einen Stammzellenspender zu finden, eher gering ist. „Aber es könnte doch sein, dass heute ein Spender für einen Leukämie-Patienten in München oder anderswo gefunden wird. Und bei der nächsten Typisierungsaktion in Köln könnte ein Spender für Baptiste dabei sein“, zeigte sich Bernd Mölck-Tassel zuversichtlich. Sofort nach dem Ende der Aktion brachte ein Kurier die Proben in ein DKMS-Labor.

 Zufrieden mit dem Ergebnis war das Alvesloher Organisationsteam mit Ulf Gutberlet, Bert Krutzinna und Heike Hemme an der Spitze. „Mich freut besonders, dass viele junge Leute sich typisieren lassen. Sie können somit lange in der DKMS-Datei bleiben“, meinte Gutberlet. Sogar eine 17-Jährige habe sich eine Blutprobe abnehmen lassen. Grundsätzlich jeder gesunde Mensch zwischen 18 und 55 Jahren kann sich in die DKMS-Datei aufnehmen lassen. Durchschnittlich erhalten pro Tag 14 Patienten passende Stammzellen von DKMS-Spendern.

 Die Alvesloher Aktion hatte Heike Hemme auf den Weg gebracht. Sie ist die Cousine von Baptistes Vater. Unterstützung bekam sie sofort von ihren Kollegen vom Vorstand des TuS Teutonia Alveslohe. Und Bürgermeister Peter Kroll sagte zu, die Schirmherrschaft zu übernehmen und dass die Gemeinde Bürgerhaus und Halle kostenlos zur Verfügung stellte. Rund 50 weitere Helfer waren mobilisiert worden, darunter etliche Krankenschwestern, die mit routinierten Handgriffen die Blutproben nahmen. So waren auch Baptistes Mutter Valerie Tassel und ihre Arbeitskollegin Sabine Ludwig mit dabei.

 Die DKMS ist auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Jede Typisierung kostet 50 Euro. Diese Summe können Krankenkassen nicht übernehmen, da sie lediglich Behandlungskosten tragen dürfen. Blutprobeanalysen von Gesunden gehören nicht dazu. Auf dem Aktionstag flossen aber reichlich Spenden.

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Michael Zwicker

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