12 ° / 2 ° wolkig

Navigation:
Oersdorf kommt nicht zur Ruhe

Überfall auf Bürgermeister Oersdorf kommt nicht zur Ruhe

Wieder Polizei in Oersdorf: Die über 120 Besucher der Einwohnerversammlung am Donnerstagabend kamen um eine Kontrolle im Foyer des Gemeindehauses nicht herum. Sie mussten an zwei Beamten vorbei, die einen Blick in die Handtaschen warfen.

Voriger Artikel
Altbau sorgt für Diskussionen
Nächster Artikel
Millionen fürs Klärwerk

Mehrere Beamte waren in Oersdorf, um Bürgermeister Joachim Kebschull (Mitte) bei der Schilderung der Ereignisse seit dem Angriff im September zu unterstützen. Zudem sicherten sie die Veranstaltung.

Quelle: Nicole Scholmann

Oersdorf. Die Bürger nahmen es locker und zeigten – zum Teil mit einem Scherz auf den Lippen – bereitwillig alles vor. Revierleiter Birger Gossen und sein Stellvertreter Thomas Brucker aus Kaltenkirchen waren selbst vor Ort und hatten mehrere Kollegen mitgebracht, die die Veranstaltung absicherten. „Am Nachmittag war außerdem ein Polizeihund im Einsatz. Wir haben das Gemeindehaus und die Umgebung abgesucht“, sagte Brucker. Bei den Einsätzen habe es sich allerdings um reine Vorsichtsmaßnahme gehandelt. Es liegen aktuell keine Drohbriefe oder -mails vor.

 Nach dem Überfall auf Bürgermeister Joachim Kebschull am 29. September war die Gemeinde bundesweit in die Schlagzeilen geraten. Vor einer Sitzung des Bauausschusses war der Gemeindechef auf dem Parkplatz an seinem Auto niedergeschlagen worden. Der Täter flüchtete und ist bis heute nicht gefasst. In den Monaten vorher waren gegen den Bürgermeister und das Amt per Post und Mail Drohungen eingegangen. Es geht um eine von der Gemeinde gekaufte Immobilie an der Dorfstraße 5 gleich neben dem Gemeindehaus. Es gab Überlegungen, dort Flüchtlinge unterzubringen. Die Folge waren anonyme Drohungen mit rechtsradikalem Inhalt, die in dem Angriff auf Kebschull gipfelten. Zu dem Zeitpunkt war das Thema Flüchtlinge aber bereits zu den Akten gelegt.

 „Wir haben aktuell keine Bedrohungslage“, sagte Birger Gossen, der Bürgermeister Kebschull bei der Versammlung zur Seite stand und den Oersdorfern den Stand der Dinge mitteilte. Die Polizei fahre verstärkt Streife in dem Ort und zeige Flagge, „wir wollen Ihnen das Gefühl von Sicherheit geben“. Auch eine Ermittlerin des Kieler Kommissariats 5 für Staatsschutzsachen, die mit mehreren Beamten in Zivil nach Oersdorf gekommen war, sprach zu den gespannten Bürgern. „Wir arbeiten sehr intensiv an den Ermittlungen zur Ergreifung des Täters“, sagte sie deutlich. Die Aufklärung habe höchste Priorität. Sie bittet Zeugen, die am 29. September zwischen 19 und 19.15 Uhr am Gemeindehaus etwas gesehen haben und noch nicht mit den Beamten gesprochen haben, sich zu melden.

 „Es wird erst wieder Ruhe einkehren, wenn der Täter gefasst ist“, sagte Kebschull. Er und seine Kollegen aus der Gemeindevertretung und den Ausschüssen seien sich aber einig, weiterhin ihre ehrenamtliche Arbeit fortzuführen. Der Überfall und die Sicherheitslage treibt die Oersdorfer um, das wurde in den Wortmeldungen deutlich. Das Ereignis habe den Ort leider international bekannt gemacht. Es sei wichtig, dass der Täter gefasst werde, machte ein Bürger deutlich. Ein türkischstämmiger Bürger hatte Anrufe aus seiner Heimat bekommen, dass er doch zurückkommen solle in die Türkei.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
Anzeige
Mehr zum Artikel
Nach der Knüppelattacke
Foto: Bürgermeister Joachim Kebschull ist nach dem Überfall auf ihn wieder im Amt. Auch dank professioneller Hilfe bearbeite er „die Situation offensiv“.

Immer noch überwältigt ist Bürgermeister Joachim Kebschull von den Reaktionen, die ihn seit dem Überfall am 29. September täglich erreichen. „Im Amt ist sogar eine Mail von den Phillipinen eingetroffen, in dem mir Mut gemacht wird“, berichtet der 61-Jährige.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten aus Segeberg 2/3