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„Wir brauchen mehr Flüchtlinge“

Trappenkamp „Wir brauchen mehr Flüchtlinge“

Deutschland braucht eigentlich nicht weniger, sondern mehr Flüchtlinge. Diese für manche vielleicht überraschende Feststellung war gestern übereinstimmende Meinung bei einer Zusammenkunft von 100 führenden Personen aus Politik, Wirtschaft und dem sozialen Bereich.

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Ministerpräsident Torsten Albig und die anderen Experten forderten: Öffnet Herzen und Firmen für Migranten.

Quelle: Detlef Dreessen

Trappenkamp. Unter den Gästen waren Ministerpräsident Torsten Albig, Wirtschaftswissenschaftler Professor Dr. Rüdiger Soltwedel und Hans-Joachim Grote, Oberbürgermeister von Norderstedt und 1. Vizepräsident des Deutschen Gemeinde- und Städtebundes.

 Zwar müssten die Flüchtlinge erst einmal mit Unterkunft und Sprachunterricht sowie Kursen zur Integration versorgt werden, was manche Kommune vor Herausforderungen stellt. Doch schon in zehn Jahren werde der Gewinn durch die Zuwanderung weitaus größer sein, prognostizierte Grote. Schon 2025 würden in Norderstedt Tausende Facharbeiter fehlen, und im Schnitt zwei Arbeitnehmer müssten einen Rentner oder die anderen Menschen ernähren, die nicht arbeiten. Die Flüchtlinge seien die große Chance, diesen Mangel an Menschen im arbeitsfähigen Alter auszugleichen.

 IHK-Vicepräses Bernd Jorkisch, Holzunternehmer aus Daldorf, stimmte Grote zu. „Lassen Sie uns privat unsere Herzen öffnen, und in den Betrieben unsere Tore.“ Er selbst habe in seinem Betrieb Auszubildende aus dem Nahen Osten, sagte Jorkisch, und er komme sehr gut mit ihnen klar. Kulturelle Unterschiede seien nicht zu verheimlichen. „Sie müssen erst einmal Deutsch lernen, damit sie die Unfallverhütungsvorschriften kennen lernen.“ Auch an welche Spielregeln man sich am Arbeitsplatz zu halten hat, müsse vermittelt werden. „Die Taktung und das Einhalten von Zeiten haben sie nicht sofort darauf.“ Doch solche Dinge seien vermittelbar.

 Damit Integration wirklich gelingen kann, genüge es nicht, von den Menschen aus anderen Kulturen zu verlangen, dass sie sich anpassen, mahnte Prof. Dr. Soltwedel aus Trappenkamp. „Wir müssen auch ihre Kulturen verstehen lernen.“ Das sei Voraussetzung, um etwa zu erklären, was in Deutschland anders ist.

 Landrat Jan Peter Schröder berichtete von seiner zweifachen, teils widerstreitenden Rolle. Einerseits sei er Vorgesetzter der Ausländerbehörde. Sie müsse aufgrund von Rechtsvorschriften abgelehnte Asylbewerber abschieben. Andererseits habe er einen jungen und hoch motivierten Asylbewerber kennen und schätzen gelernt, dem nun die Abschiebung droht – obwohl er sich sehr gut integriert habe und unter anderem seinen Hauptschulabschluss gemacht hat.

 Ein wenig Hoffnung machte Ministerpräsident Torsten Albig (SPD). Er habe gerade verfügt, dass Asylbewerber, die eine Ausbildung begonnen haben, nicht abgeschoben werden dürfen, damit Ausbildungsbetriebe sicher sein können, dass der Aufwand für die Ausbildung nicht unnütz ist. Eigentlich müsste dazu die Abschiebung mindestens zwei Jahre über das Ende der Ausbildung hinaus untersagt sein, sagte Albig. Sein mitgereister Mitarbeiter relativierte allerdings: Die Abschiebung werde zunächst nur für das erste Jahr der Ausbildung ausgesetzt.

 Derlei widersprüchliche Informationen gebe es viele zum Asylrecht, sagte Ulrich Graumann, Geschäftsführer der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft des Kreises Segeberg. Das mache es ehrenamtlichen und professionellen Helfern nicht leicht: „Es ist ein Chaos.“ Gerade darum sei die Vernetzung vieler, die auf dem Gebiet tätig seien, nötig. So fanden nach den Vorträgen auch noch weitere Diskussionen in Arbeitsgruppen statt.

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