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Viel erwarten, wenig zahlen

Senioren in Kaltenkirchen Viel erwarten, wenig zahlen

Die Erwartungen, die Kaltenkirchener Senioren an Freizeitangebote stellen, sind hoch. Sie wollen einen Fahrservice, keine vertragliche Bindung, Beitragszahlungen lehnen sie ab. Zu diesen Ergebnissen kam nun eine Arbeitsgruppe, die sich seit Ende 2013 mit dem Thema „Prävention und Bewegung für Senioren“ auseinandersetzte. Das Fazit der ehrenamtlichen AG-Mitglieder: Unter diesen Umständen kann man den älteren Mitbürgern nicht helfen.

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Die Mitglieder der Arbeitsgruppe „Prävention und Bewegung“: (von links) Jörg Arndt (Seniorenbeirat), Nadja Hahn (Geschäftsführerin der Volkshochschule Kaltenkirchen-Südholstein), Petra Dibbern (Stadtverwaltung), Sebastian Bock (Vorsitzender der Kaltenkirchener Turnerschaft), Marianne Möller (Seniorenbeirat) sowie Andrea Glatthor (Radsportclub Kattenberg).

Kaltenkirchen. Im November 2013 hatte es in der Mensa des Kaltenkirchener Gymnasiums einen Workshop gegeben, in dem es um das „Leben im Alter“ in der Stadt gegangen war. Zahlreiche Privatleute und auch viele Vereine und Institutionen hatten sich daran beteiligt. Nach dem Workshop wurden ein halbes Dutzend Arbeitsgruppen gebildet, die sich mit konkreten Vorschlägen und Handlungsfeldern beschäftigen sollten. Die AG „Prävention und Bewegung“ ist die erste, die jetzt ein abschließendes Ergebnis vorgelegt hat. Vorgetragen wurde der Bericht von Gruppen-Sprecher Sebastian Bock, dem Vorsitzenden der Kaltenkirchener Turnerschaft (KT). Er gab offen zu, dass das Ergebnis erschütternd sei.

 Mit großem Aufwand hatte die Gruppe eine Seniorenbefragung angeschoben. Sie wurde per Zufallsauswahl im Rahmen einer Hausbefragung in den verschiedenen Wahlbezirken durchgeführt. Um Mithilfe gebeten wurden 120 Bürger zwischen 55 und 90 Jahren, von denen sich 96 zur Teilnahme bereit erklärten.

 Das Ziel der Umfrage bestand darin herauszufinden, welche zusätzlichen Freizeitangebote sich Kaltenkirchener Senioren wünschen. Dabei wurde auch nach den Voraussetzungen zur Teilnahme gefragt. So ergab sich, dass zwei Drittel der Befragten nicht bereit sein würden, auch nur einen einzigen Euro für ein neues Freizeitangebot zu bezahlen. Weitere 20 Prozent würden lediglich bis zu 5 Euro pro Aktivität investieren. Gleichzeitig erwarten die Senioren vom Anbieter hohe Flexibilität, denn vertraglich binden würden sich nur 28 Prozent.

 Überhaupt nicht vorhanden ist die Bereitschaft, sich als Kursus- oder Übungsleiter zu engagieren. Tatsächlich konnte sich nur ein einziger Befragter vorstellen, sich ehrenamtlich einzubringen.

 „Für die Arbeitsgruppe sind diese Ergebnisse ein dramatisches Signal“, sagte Sebastian Bock. Kein Verein sei in der Lage, unter diesen Umständen neue Angebote zu unterbreiten. Dann bestehe die Gefahr, dass er auf seinen Kosten sitzen bleibe.

 Sorgen bereitete dem KT-Chef auch die Frage, wie Vereine künftig ehrenamtliche Übungsleiter finden sollen. „Früher haben sich viele 16- bis 19-Jährige engagiert, aber die sind jetzt bis in den späten Nachmittag in der Schule und fallen damit für die Vereinsarbeit aus“, erklärte er. Berufstätige kämen frühestens am Abend als Übungsleiter in Frage – gerade für Angebote im Kinder- und Jugendbereich sei das zu spät. „Wir sind also auf die Senioren angewiesen, aber wenn diese nicht zur Mithilfe bereit sind, dann sieht es düster aus“, so Bock. Auf rein professionelle Beine ließe sich der Sport auch nicht stellen, denn das hätte Beitragserhöhungen zur Folge. „Und die Umfrage hat ja nebenbei auch ergeben, dass die Leute am liebsten überhaupt nichts für Freizeitangebote bezahlen wollen.“

 Bei der Befragung stellte sich aber auch noch etwas anderes heraus: Besonders unzufrieden sind die Senioren mit dem vorhandenen Angebot nicht. Zwei Drittel bezeichneten die bisherigen Freizeitaktivitäten in Kaltenkirchen als vollkommen ausreichend. Bei neuen Wünschen war die Resonanz derart gering, dass es nicht lohnen würde, die Ideen weiter zu verfolgen. „Für einen einzigen Interessenten können wir keinen Boule-Platz oder einen Golfplatz anlegen“, so Bock. Lediglich ein Kino sei des öfteren gewünscht worden. „Aber derartige Versuche gab es schon in Kaltenkirchen, und sie waren nicht wirtschaftlich.“

 Immerhin ein lohnenswerter Ansatz ergab sich durch die Umfrage aber. Aus der Wunschliste der Senioren ließ sich ablesen, dass viele gar nicht wissen, welche Angebote in Kaltenkirchen bereits vorhanden sind. „Es ist tatsächlich so, dass es fast alles, was vorgeschlagen wurde, schon in irgendeiner Form gibt“, sagte Sebastian Bock. Jetzt müsse es nur noch gelingen, Angebot und Nachfrage zusammenzubringen.

 Einige der weiteren Arbeitsgruppen, die nach dem Workshop entstanden sind, treffen sich noch. Andere haben ihre Arbeit eingestellt, ohne einen Abschlussbericht vorzulegen. Ergebnislos geblieben ist der Workshop dennoch nicht. Dass heute vor dem neuen Sky-Markt ein Bushäuschen steht, geht auf Anregungen aus dem Plenum zurück. Auch die barrierefreie Umgestaltung des Kreisels beim Gymnasium sowie die Aufstellung neuer Parkbänke sind konkrete Resultate.

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