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Führerschein weg - freiwillig

Umtausch gegen Busfahrkarte Führerschein weg - freiwillig

Das Kontingent wurde nahezu ausgeschöpft: 29 ältere Menschen, darunter 20 Frauen, nahmen bei der inzwischen sechsten Auflage das Angebot wahr, ihre Führerscheine freiwillig gegen Jahreskarten für den innerstädtischen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) einzutauschen.

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Einer der ältesten Teilnehmer der diesjährigen Tauschaktion Führerschein gegen Gratis-Jahresticket für den ÖPNV im Bad Segeberg und Umland war der fast 90-jährige Heinz Kelch.

Quelle: Dierk E. Seeburg

Bad Segeberg. Die Aktion wird gemeinsam von der Stadt, der Polizei und der Führerschein-Stelle der Kreisverwaltung betreut. 30 Freifahrtscheine waren dieses Mal zu vergeben; gut 10000 Euro stehen dafür im Haushalt der Kreisstadt zur Verfügung.

 Bürgermeister Dieter Schönfeld würdigte bei der Übergabe im Bürgersaal des Rathauses die Bereitschaft der Senioren, sich nicht mehr selbst ans Steuer setzen zu wollen. „Der dauerhafte Verzicht auf die Fahrerlaubnis ist mit Sicherheit kein leichter Schritt, aber ein beispielhafter und vorbildlicher.“ Aber auch die Stadt selbst sei mit diesem Angebot landesweit ein Vorbild. Denn es gebe zwar auch in der Landeshauptstadt Kiel schon länger die Aktion zur freiwilligen Führerschein-Abgabe, aber ohne Gegenleistung wie in Bad Segeberg.

 Das von der Stadt finanzierte Gratisticket im Wert von je 355 Euro nannte er „ein kleines Schmerzensgeld“ für den Führerschein-Verlust. Es sei aber gut angelegt im Sinne der Verkehrssicherheit und auch sinnvoll als Werbe-Beitrag für den dauerhaft von der Stadt bezuschussten Stadtbus-Betrieb. „Je mehr Fahrgäste das Angebot nutzen, desto eher ist es auch aufrecht zu erhalten.“

 Polizeihauptkommissar Bernd Kanert und seine Kollegin Anna Maywald betreuten – nach dem öffentlichen Aufruf vom März – die Entgegennahme der alten Fahrlizenzen in ihrer Dienststelle an der Dorfstraße. Von dort werden sie weitergeleitet an die Führerschein-Stelle der Segeberger Kreisverwaltung mit Sachbearbeiterin Ulrike Ulrich, wo die Papiere ungültig gestempelt werden. Im Rathaus der Kreisstadt koordinierten wieder die Verwaltungsmitarbeiter Dirk Gosch und Kirsten Arnold den Tausch gegen die Bus-Tickets.

 Betriebsleiter Carsten Abendroth von der Firma Rohde GmbH, die die beiden Stadtbus-Linien in Bad Segeberg betreibt, wies auf die Möglichkeiten zur Gratis-Nutzung des ÖPNV auch im näheren Umland, über das reine Stadtbus-Angebot hinaus.

 Von der neuen Jahreskarte machte beispielsweise der knapp 90-jährige Heinz Kelch gleich Gebrauch. Er war schon zum Beginn der Zusammenkunft mit dem Stadtbus zum Rathaus angereist, da allerdings noch auf eigene Kosten. Er hatte seine Fahrerlaubnis zum Führen von Motorrädern, Personenwagen und Lastkraftwagen (damals die Führerschein-Klassen I und II) vor sechseinhalb Jahrzehnten im Frühjahr 1951 erworben. „Das hat mich damals 145 Mark gekostet.“ Bis zum vorigen Jahr setzte er sich noch ans Steuer seines inzwischen 17 Jahre alten Mercedes A 140. Dann aber wäre die nächste TÜV-Hauptuntersuchung fällig geworden. Nach dem Kfz-Werkstatt-Voranschlag hätte er dafür rund 3000 Euro investieren müssen, stattdessen einigte er sich mit seiner Frau Brunhilde auf den Verkauf der alten silbergrauen Familienkutsche.

 Der älteste Teilnehmer der diesjährigen Tauschaktion war Rudolf Adamek, Jahrgang 1924. Auch er verabschiedete sich von dem alten grauen „Lappen“ aus den 1940-er Jahren. Älteste weibliche Teilnehmerin war Greta Thomsen, die vom Bürgermeister als ehemalige Rathaus-Mitarbeiterin herzlich begrüßt wurde. Die am 3. August 1926 geborene rüstige Dame hatte die Pkw-Fahrerlaubnis der damaligen Klasse III allerdings erst 1979 im Alter von 53 Jahren erworben, als ihr Mann gestorben war. Vorher hatte er ihr das nicht zugetraut, sondern saß stets selbst am Steuer, erzählte sie.

 Die Rentnerin ist wie alle übrigen 28 Aktions-Teilnehmer wie in den Vorjahren vom Bürgermeister eingeladen, im Herbst an einer Gratis-Stadtrundfahrt mit einem der Rohde-Stadtbusse teilzunehmen. Dabei kann die Entwicklung der Stadt auch in entlegenen Stadtteilen in Augenschein genommen werden, ehe es eine Kaffeetafel mit Musik in der Jugendakademie an der Marienstraße gibt.

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