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Unendliche Geschichte

Vorwürfe gegen ehemaligen Vorstandschef Unendliche Geschichte

Hat er sich nun der Untreue schuldig gemacht – oder nicht? Das Ermittlungsverfahren gegen Dr. Gunnar George wird zur unendlichen Geschichte. Mittlerweile ist es fast zwei Jahre her, dass der Kieler Staatsanwaltschaft Unmengen von Akten auf den Schreibtisch gepackt hat.

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Die Staatsanwaltschaft ermittelt schon seit fast zwei Jahren gegen den ehemaligen Vorstandschef von Möbel Kraft.

Quelle: Michael Stamp/Archiv

Bad Segeberg/Kiel. Möbel-Kraft-Chef Kurt Krieger hatte ihn damals fristlos gefeuert. Doch nun geht das zweite Kalenderjahr ins Land, ohne dass über eine Anklage entschieden worden ist – und nach Worten von Oberstaatsanwalt Axel Bieler wird sich daran auch so schnell nichts ändern. „In diesem Jahr wird es nichts mehr.“

 Dabei bearbeitet die Kieler Behörde das Verfahren mit großem Aufwand. „Es gibt fünf Komplexe, die wir untersuchen“, schildert Bieler. Unter anderem soll sich der Manager am Verkauf seines Dienstwagens, eines 5er- BMW, bereichert haben. Weitere Vorwürfe betreffen den großangelegten Weihnachtsbaumverkauf auf dem Kraft-Gelände, diverse Fahrzeuggeschäfte, Spesenabrechnungen und Planungen für einen bis heute nicht realisierten kleinen Vergnügungspark mit Riesenrad auf dem Parkplatz des Möbelhauses. Bieler: „Der Tatzeitraum reicht von 2012 bis 2015.“

 Doch die Ermittlungen gestalten sich zunehmend zäh, wie der Oberstaatsanwalt schildert. „Anfangs war uns eine große und erhebliche Unterstützung bei den Ermittlungen zugesagt worden. Aber der Wille scheint nachgelassen zu haben.“ Wenn sich die Behörde an Kriegers Berliner Konzernzentrale wende, könne sie nicht auf eine zügige Bearbeitung zählen. Bieler: „Nachfragen werden nur mit großer Zeitverzögerung bearbeitet.“ Dadurch ziehe sich das Ermittlungsverfahren beträchtlich in die Länge. Außer gegen George werde gegen sieben weitere ehemalige Kraft-Mitarbeiter ermittelt – unter anderem gegen den damaligen Chef für den technischen Einkauf.

 Im Januar 2015 war George aus heiterem Himmel gemeinsam mit weiteren Mitarbeitern vor die Tür gesetzt worden. Ihm wurden Untreue und Betrug zur Last gelegt. Kurt Krieger erstattete entsprechende Anzeigen. „Ich habe den Herrn Dr. George wie meinen Sohn gefördert“, sagte Krieger kurz nach der Entlassung spürbar angefressen. „Aber es gibt gewisse preußische Tugenden, die man einhalten muss. Das gilt vom Abteilungsleiter bis hin zum Vorstandsvorsitzenden.“

 Über ein Jahr lang arbeitete die Staatsanwaltschaft, ohne dass nach außen Fortschritte erkennbar waren. Im Februar dieses Jahres folgte dann ein großer Knall: „Wir haben 19 Durchsuchungsbeschlüsse beantragt und auch erhalten“, schilderte Bieler damals. An 19 Orten in Berlin, Hamburg und im Kreis Segeberg tauchten Staatsanwälte und Wirtschaftskriminalisten zeitgleich auf und beschlagnahmten EDV-Geräte, Unterlagen in Papierform, Notizbücher und Geschäftsunterlagen aller Art bis hin zum E-Mail-Verkehr.

 George ist beruflich nach seinem plötzlichen Abgang schnell wieder auf die Füße gefallen. Schon im Frühjahr 2015 wurde er Geschäftsführer des Möbelkonzerns Kika-Leiner in Österreich. Eine Einstellung des Verfahrens gegen ihn ist noch immer im Bereich des Möglichen. George hatte Möbel Kraft von 2004 bis 2015 geleitet und aus dem nahezu bankrotten Unternehmen mit harten personellen Einschnitten wieder ein profitables Unternehmen geformt.

 Mittlerweile wird Möbel Kraft von dem Bad Segeberger Möbelexperten Günter Loose geführt. Komplettiert wird der dreiköpfige Vorstand durch Expansionsexpertin Edda Metz und Reinhard Kraft aus der Gründerfamilie.

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