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Autofahrer werden rücksichtsloser

Unfallstatistik Kreis Segeberg Autofahrer werden rücksichtsloser

Im Durchschnitt etwa jede Stunde gibt es einen Verkehrsunfall im Kreis Segeberg. Das sagt die Statistik für 2015. Die Tendenz: leicht steigend. Als eine der Ursachen macht die Polizei die miese Verkehrsmoral vieler Menschen aus.

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Das Handy während der Fahrt zum Telefonieren oder SMS tippen zu nutzen, kostet 60 Euro Strafe - womöglich demnächst mehr.

Quelle: dpa

Kreis Segeberg. Viele kennen die Regeln nicht mehr, haben kein Unrechtsbewusstsein und handeln nach dem Motto: „Ich bestimme, was ich darf.“ So formulieren es Jan Lewering, Vizechef der Polizeidirektion Bad Segeberg, und die Polizeiverkehrsexperten Kai Sievers und Birger Schwien.

 „Eindeutig: Die Verkehrsmoral wird schlechter“, sagte Lewering am Freitag während einer Pressekonferenz zu den Unfallzahlen im vergangenen Jahr. Schon bei Selbstverständlichkeiten gebe es Probleme. Etwa 10 Prozent der Fahrer schnallen sich trotz Pflicht nicht an. „Müssen sie das Bußgeld bezahlen, beschweren sie sich.“ Sie flüchten sich in Sätze wie: „Ich bin doch nur kurz mal...“ Für Vergehen wollen viele nicht mehr geradestehen, kritisierte Lewering, und meinten, sie dürften ihre Freiheit ausleben. So wenig Einsicht in Fehlverhalten habe es früher nicht gegeben.

 Ein zunehmend großes Thema wird ein anderes Vergehen, das schwerwiegende Folgen haben kann: Handynutzung am Steuer. „Das wird ein neues Feld der Zukunft sein, auf das die Polizei ein Auge haben wird“, sagte Lewering. Statistische Erhebungen, wie oft Ablenkung durchs Smartphone zum Unfall geführt hat, gebe es noch nicht. Das werde sich aber wohl bald ändern, vermutet Lewering. Er geht davon aus, dass die Strafen bald schärfer werden. Bislang kostet es 60 Euro, das Handy während der Fahrt zu benutzen. Wie das enden kann, belegte Sievers mit einem Fall aus dem Jahr 2013. Ein Auto war gegen einen Baum geprallt, der Fahrer gestorben. Einen Hinweis auf die Unfallursache gab die Auswertung des Handys: Der Fahrer hatte offenbar während der Fahrt eine SMS geschrieben. Der Text endete abrupt.

 Lewering kündigte an, dass die Polizei auf Autofahrer mit Handy am Ohr oder beim SMS-Tippen verstärkt achten werde. Seine Erfahrung: „Regeln werden nur eingehalten, wenn der Mensch Angst vor Strafe hat.“ Auch die zunehmende Nutzung von Pedelecs, Fahrrädern mit Motorhilfe, durch meist älterer Menschen bereitet der Polizei Sorgen. Lewering regte an, über Helmpflicht und Prüfungen für Pedelec-Nutzer nachzudenken.

 Sievers bedauerte, dass viele Verkehrsteilnehmer manche Regeln nicht mehr kennen. Eine TV-Sendung wie „Der 7. Sinn“, in der bis 2005 fast 40 Jahre lang Tipps zur Verkehrssicherheit gegeben wurden, fände er sinnvoll. Sein Beispiel: Ein Autofahrer hält an einer Einmündung. Vor ihm will ein Fußgänger die Straße überqueren. Wer hat Vorfahrt ? Wenn es keinen Zebrastreifen gibt: der Autofahrer. Das wüssten viele nicht mehr, erklärte der Polizist.

 Auch mit der Akzeptanz von Rotlicht an Ampeln und des Vorrechts für Fußgänger an Zebrastreifen hapert es, stellten die Verkehrsexperten der Polizeidirektion Bad Segeberg fest. Außerdem neigten Radfahrer dazu, bevorzugt die „Ideallinie“ zu nehmen und auch mal auf der falschen Straßenseite zu fahren. Umgekehrt nähmen nicht alle Autofahrer Rücksicht auf Radfahrer.

 Um den Überwachungsdruck zu erhöhen, wird die Polizei gemeinsam mit dem Kreis zwei neue Blitzampeln zur Tempokontrolle installieren: An der Bundesstraße 432 in Leezen wird eine alte Anlage ersetzt, und ein Standort an der Bahnhofskreuzung in Bad Segeberg an der Bundesstraße 206 neu geschaffen. Das Gerät erfasst Raser und Rotlichtsünder.

 Positive Nachrichten gab es gestern aber auch: Die Zahl der Verkehrsunfälle stieg kaum, die Zahl der Verletzten nahm ab, es gab weniger Unfälle mit Kindern. Geringer als im Landesdurchschnitt stieg im vorigen Jahr die Zahl der Verkehrsunfälle im Kreis Segeberg: 7371 wurden gezählt (plus 48). 1307 Menschen wurden im vorigen Jahr leicht verletzt (minus 60), 157 schwer (plus 1). Sieben Menschen verunglückten tödlich, sechs weniger als im Vorjahr.

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
Segeberger Zeitung

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