21 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Seniorchefin wird 100

Gummi Hamann in Bad Segeberg Seniorchefin wird 100

Unternehmerin Margarete Hamann, die in Bad Segeberg zur Zeit des Wirtschaftswunders das erfolgreiche Unternehmen Gummi-Hamann gründete, feiert am Sonntag ihren 100. Geburtstag. Die Segeberger Zeitung traf auf eine nach wie vor ebenso liebenswürdige wie resolute alte Dame

Voriger Artikel
Flüchtlinge in Hotelzimmern
Nächster Artikel
Gelungenes „Kuso“-Finale

Margarete Hamann feiert ihren 100. Geburtstag.

Quelle: Michael Stamp

Bad Segeberg. Als Margarete Böttger wurde sie im Sommer 1915 auf dem Bauernhof ihrer Eltern geboren. Sie war das achte von neun Kindern und musste, weil ihre Mutter kränkelte, schon früh auf dem Hof mithelfen. „Am meisten saß ich auf den Pferden“, schildert sie. An die mächtigen Maschinen von heute war damals nicht zu denken. „Als Bauerntochter musste man erstmal Nähen und Kochen lernen.“

 Nach der Konfirmation ging sie nach Schmalensee, um Hauswirtschaft zu lernen. „Da hatte ich ein bisschen Heimweh, weil ich zum ersten Mal von zu Haus weg war, aber ich habe meine Zeit ausgehalten.“ Denn die junge Margarete war fest entschlossen, beruflich auf eigenen Beinen zu stehen und dafür zu sorgen, dass Geld in die Kasse kommt – in einer Zeit, in der das für Frauen keine Selbstverständlichkeit war.

 Sie arbeitete (für brutto 10 Mark im Monat) als Kochlehrling im Segeberger Krankenhaus, dann für zwei Jahre in einer Privatklinik und schließlich als stellvertretende Küchenleitung erneut im Krankenhaus.

 In ihrer Freizeit ging die junge Frau gern zum Tanzen ins Hotel Germania (dort steht heute die Sparkassen-Filiale an der Oldesloer Straße). Im Wintergarten des Hotels lief ihr ein junger Hobby-Fußballer über den Weg: Heinrich Hamann. Beide fanden schnell Gefallen aneinander. „Es war Liebe“, sagt Margarete Hamann, „aber wir haben uns getrennt. Ich sollte bei seiner Mutter in der Küche stehen, aber ich wollte mir einen Beruf aufbauen.“

 Das tat Margarete Böttger dann auch. Als sie an der Diätschule in Hannover keinen Ausbildungsplatz bekam, wechselte sie in die Krankenpflege. Erst als Schwesternhelferin, später als Krankenschwester mit Staatsexamen in Hannover. All das geschah quasi am Vorabend des Zweiten Weltkriegs. Wenig später fand sich die junge Frau zwischen Blut und Leid in Lazaretten wieder. Stationen waren unter anderem Kellinghusen, Glücksburg und Bremen. „Da habe ich einen Großangriff überlebt. Da mussten wir immer in den Luftschutzkeller.“ Sie ging oft in Kirchen und dankte Gott, dass sie noch lebt. Ihr Job führte sie bis nach Frankreich. Um ein Haar wäre sie auf ein Lazarettschiff gegangen, das später versenkt wurde. „Von den 55 Schwestern, die an Bord waren, wurden nur fünf gerettet.“ Doch auch anderswo hatte die junge Margarete Glück: Bei einer Zugfahrt flogen nacheinander mehrere Lokomotiven in die Luft, weil sie auf Minen fuhren, aber sie blieb unverletzt.

 Unterwegs hatte sie einen deutschen Arzt kennengelernt. Es hätte die Romanze fürs Leben werden können, aber er starb, als sein Schiff von einem U-Boot versenkt wurde. So kehrte Margarete allein zurück nach Kükels. Dort waren inzwischen ihr Vater und eine Schwester gestorben. Bald traf sie Heinrich Hamann wieder – und diesmal funkte es endgültig. Die Hochzeit fand am 12. Juli 1947 statt, ihrem 32. Geburtstag. Exakt neun Monate und zehn Tage später wurde Sohn Rolf geboren. Margarete Hamann schmunzelt. „Es hat ziemlich schnell geklappt.“

 Gemeinsam mit ihrem Mann, der seine Arbeit bei C.F. Vogt aufgab, übernahm sie 1957 das 50 Jahre zuvor gegründete Geschäft Gundermann an der Bahnhofstraße. „Das war eine Bruchkiste“, sagt sie. Den Wunsch ihres Mannes, sich selbstständig zu machen, erfüllte sie mit ihrem Geld. „Er hatte nicht gespart, aber ich. Das Geld habe ich ihm auf den Wohnzimmertisch gepackt.“ Es entstand „Gummi-Hamann“, ein kreisweit bekanntes Familienunternehmen, das nach eigenem Bekunden „alles“ führt. Auch nach Heinrich Hamanns Tod im Jahr 1973 stand sie weiter im Laden - bis sie sich 1988 zurückzog.

 Zur Familie gehören mittlerweile zwei Enkel und drei Urenkel. Sie alle haben am Sonntag einen richtig guten Grund zum Feiern.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
THW-Liveticker!

Alle THW-Spiele live
online verfolgen. Mit
dem THW-Liveticker

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Segeberg 2/3