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Gefängnis nach tödlichem Unfall

Prozess in Norderstedt Gefängnis nach tödlichem Unfall

Wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung sowie Gefährdung des Straßenverkehrs muss ein 24-jähriger Norderstedter für 18 Monate hinter Gitter. 2014 hatte er einen Autounfall verursacht, bei dem ein Sülfelder starb.

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Nach dem Unfall, bei dem 2014 ein 57-jähriger Sülfelder starb, sah die Niendorfer Straße in Norderstedt aus wie ein Trümmerfeld.

Quelle: Archiv Florian Büh

Sülfeld/Norderstedt. Der Verurteilte war mit seinem Auto am 14. November des vergangenen Jahres mit dem Wagen eines 57-jährigen Sülfelders frontal zusammengestoßen, der noch an der Unfallstelle auf der Niendorfer Straße in Norderstedt starb. Für eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung sah die Juristin keinen rechtlichen Spielraum, da ein Mensch zu Tode gekommen war. Zudem verlor der Angeklagte für vier Jahre seinen Führerschein.

 Das Opfer war mit seinem Opel Zafira auf dem Weg nach Hamburg, als er mit dem weißen Mercedes der C-Klasse des Angeklagten frontal zusammenprallte. Die beim Prozess als Nebenklägerin auftretende 48-jährige Ehefrau des Getöteten erlitt als Beifahrerin schwerste Verletzungen. Sie leidet heute noch an den Folgen. So ist sie immer noch auf eine Gehhilfe und fortdauernde neurologische Behandlung angewiesen.

 Die Ehefrau und ihre beiden Söhne verloren Mann und Vater durch das Verschulden des gelernten Anlagen-Technikers, der sich laute Anklage mit einem gleichfalls türkischstämmigen 26-Jährigen, auch Mercedes-C-Klasse-Fahrer, ein rücksichtsloses Rennen auf der vierspurigen Niendorfer Straße geliefert hatte. Das sah das Gericht nach achteinhalb Stunden mündlicher Verhandlung mit Einvernahme von zehn Zeugen und einem Gutachter als erwiesen an.

 Die beiden Wettfahrer konnten sich vor Gericht nicht erinnern, ob sie schneller als die erlaubten 60 km/h gefahren seien. Zeugen sagten aber aus, dass beide dicht hintereinander durch die Stadt gerast seien und durch mehrfache Spurwechsel andere Autos bedrängt hätten. Der Angeklagte habe auch mehrfach rechts überholt.

 Eindeutig war das Fazit des Sachverständigen: Der Angeklagte hatte offenbar einen mit vorschriftsmäßiger Geschwindigkeit auf dem linken Fahrstreifen fahrenden Mercedes der A-Klasse auf der Gegenfahrbahn überholt. So stieß er mit dem Zafira des Sülfelders zusammen. Der Gutachter ging davon aus, dass der Angeklagte zwischen 113 und 130 Stundenkilometern fuhr.

 Der Zafira-Fahrer hatte keine Chance zu reagieren. Auf das Opel-Wrack fuhr noch ein VW Lupo auf, dessen Fahrer ebenfalls schwere Verletzungen davontrug. Der schwarze Mercedes des konkurrierenden Fahrers landete im rechten Straßengraben. Fahrer und Beifahrer bestritten, sich mit dem Angeklagten ein Rennen geliefert zu haben. Auch der sagte: „Das Ganze hatte mit Rasen nichts zu tun, das war einfach ein Unfall.“

 Die Verteidigerin plädierte für ein mildes Urteil, zumal der Angeklagte nicht vorbestraft sei. Sie führte unter anderem ins Feld, der Angeklagte habe niemals damit gerechnet, dass er durch sein Verhalten andere Verkehrsteilnehmer gefährden würde. Zudem sei er derzeit arbeitslos und seit einem halben Jahr verheiratet. Er habe selbst nach dem Unfall zeitweise auf der Intensivstation gelegen, sei noch immer traumatisiert und deswegen in ärztlicher Behandlung. Ein vierjähriger Führerscheinentzug sei ebenfalls zu lang, meinte die Anwältin. „Der Angeklagte wird niemals mehr im Leben zu schnell fahren. Das wird ihm eine Lehre sein“, beteuerte sie weiter.

 Der 24-Jährige brachte erstmals in seinem Schlusswort eine dünne Entschuldigung über die Lippen: „Ich kann nur sagen, es tut mit leid.“

 Die von der Richterin aufgelisteten, bisherigen Verstöße des Angeklagten gegen die Straßenverkehrsordnung sprachen dagegen eher für seine anhaltende Uneinsichtigkeit. So musste er schon einmal wegen zu schnellen Fahrens seinen Führerschein abgeben. Deshalb befand der Anwalt der Nebenklägerin das Urteil auch als „ein erfreulich klares Zeichen des Gerichts zur Abschreckung“. Und die Frau des Getöteten sagte: „Warum hattest Du nichts daraus gelernt?“

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