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Kein Videowagen: „Fatal“

Kreis Segeberg Kein Videowagen: „Fatal“

Nach Informationen der Gewerkschaft der Polizei (GdP) wird der Videowagen der Polizei aus dem Kreis Segeberg aus Kostengründen vom Land abgezogen, landesweit der Fuhrpark von zwanzig auf sieben Autos reduziert. „Ein schwerer Schlag für die Verkehrsüberwachung“, sagt GdP-Regionalvorsitzender Reimer Kahlke.

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Je eine zigarrengroße Kamera klemmt hinter der Scheibe vorn und hinten. Sie sind schwenkbar und von außen kaum zu sehen.

Kreis Segeberg. Auch Michael Krüger, Leiter der Kreisverkehrsaufsicht, ist erstaunt: „Das ist schizophren.“ Einerseits, so Krüger, werde mit großem Aufwand ein Blitzer-Marathon in Szene gesetzt, andererseits der Videowagen aufgegeben, der effektiv die besonders verkehrsgefährdenden Raser und Drängler aus dem Verkehr ziehe.

 Zur Politik des Landes will Klaus J. Harm vom Verkehrsüberwachungstrupp des Polizei-Autobahn- und Bezirksreviers in Bad Segeberg nichts sagen. Er sieht in dem Videowagen aber die einzige Chance, rasende Motorradfahrer zu erwischen. Das sei mit mobilen Messtrupps oder Streifenwagen nicht möglich.

 Gerade jetzt im Juni „drehen die Motorradfahrer durch“, beobachtet Wolfgang Griesbach von der Videowagenmannschaft immer wieder. Sein Kollege Harm hat außerdem festgestellt, dass reine Zeugenaussagen von Polizeibeamten bei Richtern zunehmend weniger Eindruck machen. Erforderlich sei heutzutage ein Videobeweis.

 Seit Ende der 1980er setzt die Segeberger Polizei Videowagen ein. Im Visier haben die Beamten die gefährlichen Delikte, nach denen die Fahrer stets angehalten werden. „Wir steigen nicht aus, wenn es keine Punkte gibt“, sagt Harm. Als die „sieben Todsünden“ gelten: deutliche Tempoüberschreitung, Vorfahrt missachten, Rotlicht überfahren, unter dem Einfluss von Drogen und Medikamenten am Steuer sitzen, alkoholisiert fahren, zu wenig Abstand halten, gefährlich überholen.

 Erst Anfang Juni erwischte die Videowagenbesatzung einen Motorradfahrer. Er raste mit Tempo 200 über die A21 zwischen den Anschlussstellen Schackendorf und Schwissel. Tempo 100 war erlaubt. Den Führerscheinneuling erwarten nun zwei Monate Fahrverbot, drei Punkte und eine Geldbuße von fast 1000 Euro.

 Fast 100000 Euro kostet der getunte, allradgetriebene und 250 km/h schnelle Videowagen samt Ausstattung. Das Auto hat wechselnde Kennzeichen sowie vorn und hinten hinter den Scheiben je eine schwenkbare kleine Kamera.

 Aufklappbare Lichtzeichen im Auto signalisieren dem Ertappten, dass er anhalten soll. Früher musste der Beifahrer des Videowagens noch bei Autobahntempo das Fenster runterkurbeln und die Haltekelle schwingen. Da schlackerten Arm und die Kelle schon mal arg im Fahrtwind, erinnert sich Harm.

 In der Regel sitzen ältere, erfahrene Kollegen am Steuer. Sie wissen, wann das Hinterherfahren bei Rasern zu risikoreich wird. Sicherheitstraining auf dem Flugplatz Jagel steht regelmäßig auf dem Dienstplan. Dabei dürfen die Fahrer vollausgestattete Nullserienfahrzeuge von Autoherstellern bis zum Anschlag testen.

 Das Fahrtraining ist nötig. Kürzlich erst wurde in Bad Segeberg und Umgebung ein Motorradfahrer verfolgt, der mit 180 km/h durch Gegenverkehr und über Gehwege fuhr, außerdem ohne Führerschein unterwegs war. Selbst durch Kornfelder wurde ein Motorrad schon mal gejagt. Am Ende war der Lack an der Frontschürze des Videowagen von den Halmen komplett abgeschmirgelt.

 

 Gewerkschafter Reimer Kahlke hält die Sparpläne des Landes für fatal. Zumal in Segeberg auch noch Stellen bei der Unfallauswertung abgebaut werden sollen.

 Das Landespolizeiamt will sich nicht äußern. Ein Pressesprecher verweist nur darauf, dass der „Stellenabbau politisch beschlossen“ sei.

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
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