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Vier Widersprüche

Genehmigung für Windkraftanlagen bei Damsdorf Vier Widersprüche

Kurz nach der Genehmigung des Landes für den Bau von zwei ersten Windkraftanlagen in Damsdorf für einen neuen Windpark regt sich Protest. Vier Bürger aus Schmalensee und Damsdorf haben Widerspruch beim Land eingelegt. Er könnte den Bau zumindest verzögern.

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Der Bau von zwei Windkraftanlagen in Damsdorf war gerade erst vom Land genehmigt worden.

Quelle: dpa/Archiv

Damsdorf. Ein Landwirt aus Damsdorf ist sauer. Die Flügel der 193 Meter hohen Anlagen würden massenhaft Tiere töten. Außerdem gingen auch andere Störungen von dem Betrieb der mächtigen Anlagen aus. Die Gutachten hierzu seien schon viele Jahre alt und überholt. Sein Wohnhaus sei 1000 Meter entfernt, ein Teil seiner Flächen liege aber noch viel näher an den Standorten der Masten. Er erinnert an „bessere Regeln in Bayern“, wo größere Mindestabstände als in Schleswig-Holstein einzuhalten seien. Sie lägen bei einem Mehrfachen der Anlagenhöhe. Auch sei die Stimmung im Dorf gar nicht so positiv gegenüber dem Windpark, wie die Ortspolitik zu vermitteln versuche, sagt der Landwirt: „Im Dorf sind 60 Prozent dagegen.“

 Auch in Schmalensee grummelt es. Das Haus eines Bürgers, der in der Zeitung ungenannt bleiben will, liegt außerhalb der geschlossenen Ortschaft. „Sind wir deshalb Menschen zweiter Klasse?“, fragt der Schmalenseer, der ebenfalls Widerspruch gegen den Bau der Masten eingelegt hat. Denn sie würden nur etwa 600 Meter entfernt von seinem Haus stehen. Für einzeln liegende Häuser im Außenbereich gebe es nur einen Mindestabstand von 400 Meter, bei geschlossenen Siedlungen von 800 Metern. Sein Haus sei in Zukunft unverkäuflich, hätten Makler ihm schon gesagt. Außerdem würden die Masten die Landschaft verschandeln. Aber manche würden zu Millionären, denn Landverpächter kassierten je Standort 60000 bis 70000 Euro pro Jahr. Und nicht zuletzt werde soviel Windstrom produziert, dass die Netze den gar nicht aufnehmen könnten.

 Torsten Levsen, Vorstandsvorsitzender des Investors Denker&Wulf (Sehestedt), sieht den Protest gelassen. „Er wird nicht erfolgreich sein.“ Widersprüche seien bei diesen Vorhaben inzwischen gang und gäbe. „Das ist normal. Wir bauen ja Windkraftanlagen, sind keine Zuckerbäckerei.“ Was allerdings zum Störfaktor für Levsens Pläne werden könnte: Widersprüche entfalten eine aufschiebende Wirkung für das Projekt. Deshalb will Levsen den Sofortvollzug beantragen. Gebaut werden sollte aber sowieso erst im nächsten Jahr. „Ich sehe das ganz entspannt.“ Seine Firma habe bislang rund 800 Anlagen errichtet. Verhindert worden sei durch Widersprüche bislang kein Bau.

 Das zuständige Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) hält sich bedeckt. „Die Widersprüche haben aufschiebende Wirkung“, bestätigt Pressesprecher Martin Schmidt. „Bislang wurden die Widersprüche mit artenschutzrechtlichen Aspekten begründet. Weitere Gründe sollen nach Akteneinsicht vom Anwalt vorgetragen werden.“ Davon sei auch der weitere zeitliche Verfahrenslauf abhängig. „Zu den Erfolgsaussichten und einer Entscheidung über einen Antrag auf Sofortvollzug kann derzeit keine Äußerung abgegeben werden.“

 Die beiden Windkraftanlagen sollen der Startschuss sein für einen neuen Windpark. Weitere Masten sollen in Damsdorf, Schmalensee und Stocksee errichtet werden. Eine wichtige Rolle spielt die Landesplanung. Sie will Ende des Jahres eine Liste der Gebiete vorliegen, wo künftig neue Anlagen gebaut werden dürfen. Unabhängig davon kann die Landesplanung aber jetzt schon neue Masten wie die in Damsdorf genehmigen. Denn manche Standorte werden aller Voraussicht nach in der neuen, noch internen Liste der Windeignungsgebiete enthalten sei.

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
Segeberger Zeitung

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