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Ein großer Abend mit Evita

Wahlstedt Ein großer Abend mit Evita

Ein großer Abend: Knapp 400 Zuschauer erlebten im Kleinen Theater am Markt in Wahlstedt den Aufstieg und frühen Tod der Eva Perón mit, die vom Volk „Evita“ (also „kleine Eva“) genannt wurde. Komponist Andrew Lloyd Webber und Texter Tim Rice haben ihr mit dem Musical ein Denkmal gesetzt.

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Als Teenager tanzt die junge Evita in rauchigen Provinzspelunken.

Quelle: Michael Stamp

Wahlstedt. Sie war ein Mädchen vom Land, ein betörender Vamp, ein karrierebewusster Machtmensch und zugleich die Schutzheilige ihres Heimatlandes: Eva Perón, Ehefrau des argentinischen Präsidenten und schon zu Lebzeiten eine Legende. Das 1978 uraufgeführte Muical über ihr Leben kam nun in einer großartigen Inszenierung des Alten Schauspielhauses Stuttgart ins Kleine Theater am Markt.

 Schon mit 15 Jahren hatte sie es im Argentinien der 1930er Jahre faustdick hinter den Ohren – und die junge Eva Duarte wusste, was sie wollte: raus aus dem Kaff, in dem sie aufgewachsen war, und hinein in die pulsierende Großstadt Buenos Aires.

 Dort verbuchte sie erste Erfolge als Schauspielerin und Sängerin. Ihre Liebschaften wählte sie strategisch danach aus, wer ihr beim Werdegang nützen konnte. Im Jahre 1944 traf die 25-Jährige bei einem Wohltätigkeitsball den doppelt so alten Juan Perón, der wenig später zum Präsidenten werden sollte. An seiner Seite stieg Evita zur bekanntesten Frau Südamerikas auf.

 Stephanie Theiß gibt Eva Perón in dieser Produktion Stimme und Gesicht – und meistert (ebenso wie Masken- und Kostümbildner) das Kunststück, sowohl den lebenslustigen Teenager als auch die spätere mondäne Präsidentengattin und die mit nur 33 Jahren sterbenskranke Frau im Rollstuhl zu verkörpern. In weiteren Schlüsselrollen überzeugen Manuel Lopez als als Erzähler und Kommentator Che sowie Michael Hiller als Präsident Juan Perón.

 Regisseur Ulf Dietrich setzt auf ein einfaches, aber wirkungsvolles Bühnenbild: Es besteht aus drei drehbaren Holzelementen mit Türen, Leitern und einem Balkon, von dem aus sich Eva Perón an ihr Volk wendet. Nur wenige Handgriffe und aus einem Kinosaal wird eine Spelunke, ein Rundfunkstudio oder der Präsidentenpalast. Hier bewahrheitet sich die alte Theaterweisheit, dass weniger oft mehr ist – und Fantasie mehr bewirken kann als die opulentesten Bühnenbilder. Ein kurzer Druck auf die Nebelmaschine sorgt dafür, dass Evita zu lateinamerikanischer Musik durch eine rauchgeschwängerte Kneipe tanzt. Clever auch, wie zu Beginn Filmbilder der realen Beisetzung über die Bühne flimmern. Geschichte und Fiktion verschmelzen.

 So wie sich die Macher nie über den Charakter der Hauptfigur einigen konnten (Texter Rice hatte sich förmlich in sie verliebt, Komponist Webber hielt sie für eine Schlampe), so schwankt auch das Musical zwischen Verehrung und kritischer Distanz – und zwingt dem Zuschauer keine Haltung auf. Auch Evita selbst singt von sich als „halb Heilige, halb verführerischer Vamp“. Nur ihr Plan, Vizepräsidentin des Landes zu werden, ging nicht (mehr) in Erfüllung. Bei einer Operation wird bei Eva Perón Gebärmutterhalskrebs entdeckt. Auch extra eingeflogene Ärzte können nicht mehr helfen.

 Das eingängigste Lied ist natürlich „Wein’ nicht um mich, Argentinien“ - die mächtige Ballade, die zu Webbers größten Erfolgen gehört. Oft wird die Melodie im Musical zitiert – und mit diesem Ohrwurm wird das begeisterte Publikum auch auf den Heimweg geschickt.

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