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Jugendliche gaben zwölf Stunden Handy ab

Experiment im Wahlstedter JUZ Jugendliche gaben zwölf Stunden Handy ab

Einen Tag lang hatten 15 Jugendliche aus Wahlstedt auf ihr Handy und andere elektronische Medien verzichtet - eine ungewohnte Erfahrung. Sie beteiligten sich an der Aktion des Wahlstedter Jugendzentrums (JUZ) „24 Stunden ohne – Das Experiment“.

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In einer kleinen Plexiglastruhe waren die Handys für 24 Stunden weggesperrt.

Wahlstedt. Auf diesen Moment hatten die 15 Jugendlichen gewartet: „Ihr dürft jetzt anmachen und eure Mails checken!“, sagte Anke Schallmo. Damit beendete die Leiterin des Jugendzentrums (JUZ) die „24 Stunden ohne“. Als Auszeichnung für die eiserne Disziplin gab es am Donnerstagvormittag für jeden eine Urkunde und ein kleines Geschenk: eine Handytasche mit dem Aufdruck „Ohne geht –mit aber auch“.

 „Ihr habt sehr schön durchgehalten!“, lobte Medienpädagoge Ali Evdedurmaz von der Jugend-Akademie in Bad Segeberg, die das Projekt gemeinsam mit der städtischen Einrichtung anbot. Als Ausgangsfrage hatte er gestellt: „Beherrschen wir noch die Medien?“ Dass die Jungen und Mädchen ihre Geräte ausschalten und für eine gewisse Zeit ganz darauf verzichten konnten, habe bewiesen, dass sie „noch nicht zu Sklaven ihrer Handys“ geworden sind.

 Der Rahmen für die Teilnehmer war allerdings ein besonders freundlicher: zusammen mit anderen jungen Leuten und reichlich Angeboten, sich anderweitig zu beschäftigen - von Tischfußball über Lektüre bis zu einem gemeinsamen Grillen. Um auf Nummer sicher zu gehen, waren die Mobiltelefone zu Beginn allerdings eingesammelt und in eine kleine Truhe verbannt worden.

 „Zuhause wäre das sicher nicht so einfach gewesen“, resümierte der 14-jährige Mathieu Scharf aus Wahlstedt. Er habe besonders vermisst, mit seinem Handy Musik hören zu können. „Aber dafür haben wir hier dann selber Musik gemacht“, berichtete er.

 Der zwölfjährigen Celine Kramer fehlte vor allem der kurze Gedankenaustausch mit den Freunden kurz vor dem Schlafengehen. „Da habe ich mir dann ein Buch genommen“, erzählte sie. „Wir haben hier auf ,Old School‘ gemacht“, stellte der 14-jährige Karim Jalloul aus Wahlstedt fest, aber das bedeute für ihn auch ein bisschen Freiheit von der ständigen Erreichbarkeit über Handy. Er könne sich vorstellen, es nun öfter mal auszuschalten, wenn er sich mit Freunden trifft.

 Mitstreiter Scharf wandte ein, dass ein Handy heutzutage wichtig sei, um sich zumindest mit den Freunden zu verabreden. „Die wohnen alle verstreut; und wenn ich erst zu allen hinfahre, ist der Tag um“, erklärte er. Die 13-jährige Celina Braasch aus Wahlstedt pflichtete ihm bei: „Ist schon gut, wenn man ein Handy dabei hat!“ Nicht nur um über WhatsApp mit Freunden Kontakt zu halten, sondern auch für einen Anruf in Notfällen.

 Grundsätzlich hielten die jungen Teilnehmer das Experiment für gelungen. Als Konsequenz wollen sie öfter mal das Handy ausschalten, wenn sie sich mit Freunden treffen. Ob das allerdings im Alltag tatsächlich funktioniert und sie ihren Plan auf Dauer durchhalten - das müsse sich dann zeigen, war gestern der allgemeine Tenor der jungen Leute. Vor allem der Spaß in der Gruppe hat ihnen gefallen - weniger der medienkritische Einstieg, den sie von Evdedurmaz bekommen hatten. Sie machten sogar Vorschläge für weitere Aktionen unter ähnlichen Vorzeichen: eine Party ohne Handy oder eine „Time out Zone“ im Jugendzentrum an der Dr.-Hermann-Lindrath-Straße, in der elektronische Medien ganz außen vor bleiben müssen.

 Anke Schallmo war von der Begeisterung selbst angetan. „Das hat gezeigt, das es funktionieren kann.“ Sie könne sich vorstellen, das Experiment zu wiederholen.

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