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Neuer Wohnblock für Flüchtlinge

Südstadt Neuer Wohnblock für Flüchtlinge

Nach dem Bienenhof und der ERP-Siedlung bekommt die Südstadt in Bad Segeberg ein drittes Flüchtlingsquartier: Für 1,9 Millionen Euro zieht die Wankendorfer Baugenossenschaft ein Gebäude hoch, in dem bis zu 70 Bewohner untergebracht werden können.

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Auf einem freien Grundstück an der Theodor-Storm-Straße soll ein Flüchtlingsheim entstehen.

Quelle: Michael Stamp

Bad Segeberg. Wenn es nicht mehr für Flüchtlinge gebraucht wird, lässt es sich zu altengerechten Wohnungen umbauen. Der Sozialausschuss gab einstimmig grünes Licht für das Projekt, das auch im Bauausschuss sowie im Haupt- und Finanzausschuss noch Thema sein wird. Die endgültige Entscheidung trifft am Dienstag, 22. September, die Stadtvertretung.

 „Das Risiko für die Stadt liegt nahezu bei Null“, sagte Bürgermeister Dieter Schönfeld während der Sozialausschusssitzung im Bürgersaal des Rathauses. Die Kreisstadt benötigt weiteren Wohnraum, in dem sie Flüchtlinge unterbringen kann – und die Kommunalpolitik setzt laut Joachim Wilken-Kebeck (SPD) dabei nicht auf Provisorien, sondern auf feste Gebäude, die auch jenseits der Flüchtlingskrise Bestand haben sollen.

 Abteilungsleiter Jan Wohlert, bei der Wankendorfer zuständig für Finanzierung und Unternehmensplanung, stellte das Projekt im Sozialausschuss vor. Die Baugenossenschaft betreibt in Bad Segeberg bereits 700 Wohnungen, davon 500 in der Südstadt. Das neue Gebäude wird im so genannten „Kieler Modell“ (mehr dazu auf Seite 11) errichtet, in Zusammenarbeit mit der Landesregierung, der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen und dem Architektenbüro Zastrow + Zastrow. Die Stadt Bad Segeberg, die zur Aufnahme weiterer Flüchtlinge verpflichtet ist, mietet das Haus zunächst bis zum Jahr 2020 für jährlich 53500 Euro an.

 „Das Gebäude wird dreigeschossig mit zwei Seitenflügeln mit Satteldach und Mittelbau“, schilderte Wohlert den Kommunalpolitikern. Neben den kleinen Zimmern, in denen die Flüchtlinge schlafen, soll es Gemeinschaftsräume wie eine Küche und auch Gelegenheiten zum Beten geben. Im ersten Entwurf ist die Unterbringung von 56 Flüchtlingen vorgesehen, das Gebäude kann aber bis zu 70 Personen aufnehmen. Wohlert: „Die Grundrisse werden flexibel gestaltet.“ Um die Sicherheit im Falle eines Feuers oder anderer Notfälle zu gewährleisten, wird eine zusätzliche Außentreppe installiert. Sie dient neben dem Treppenhaus als zweiter Fluchtweg.

 Nach fünf, zehn oder fünfzehn Jahren kann das Haus (je nachdem, ob es dann noch für Flüchtlinge gebraucht wird) in ein normales Wohnhaus umgebaut werden. Die Kosten hierfür schätzt die Wankendorfer Baugenossenschaft auf 265000 Euro. Es entstehen seniorengerechte Wohnungen mit einer Größe von 43 bis 58 Quadratmetern. 15 Wohneinheiten lassen sich unterbringen.

 Von den jetzigen Baukosten in Höhe von 1,9 Millionen Euro können 85 Prozent über eine Förderung des Landes Schleswig-Holstein finanziert werden. Der Baubeginn ist laut Wohlert für Ende 2015 vorgesehen – vorausgesetzt, dass die städtischen Gremien weiterhin zügig ihre Zustimmung geben. Im Spätsommer 2016 sollen dann die ersten Flüchtlinge einziehen können.

 „Ich sehe das kritisch“, erklärte Ausschussmitglied Ralf Schaffer. Der Unternehmer wohnt in der Südstadt. Da es bereits zwei andere Flüchtlingsunterkünfte in dem Stadtteil gibt, befürchtet er eine Art Ghetto. Genau solch einer Entwicklung in der Südstadt habe man doch gerade mit dem Programm „Soziale Stadt“ entgegenwirken wollen. Schaffer: „Standen denn auch mal andere Standorte zur Debatte?“

 Der Bürgermeister wies darauf hin, dass die Kosten auf diesem Grundstück überschaubar seien, weil es bereits der Wankendorfer Baugenossenschaft gehört. Das Unternehmen hatte auf Wunsch der Stadt dort vor vier Jahren einen maroden Wohnblock abgerissen. „Jetzt anderswo in der Stadt zu höheren Kosten ein Containerdorf zu errichten, wäre ein großes Problem. Es geht nicht darum, dass die Südstadt einseitig belastet wird, sondern um die Nutzung eigener Grundstücke. Lassen Sie uns die Gunst der Stunde nutzen und den Vorsprung, den wir bei den Fördermitteln haben, nicht aus der Hand geben!“ Schönfeld deutete zaghaft die zu diesem Zeitpunkt noch nicht öffentlich gewordene Planung für den Levo-Park an, auf dem vor den Toren der Stadt ein Containerdorf für 800 Flüchtlinge entstehen soll.

 Sozialausschussvorsitzender Jens Lichte gab Ralf Schaffer zwar recht, dass die Gefahr einer Ghettoisierung gegeben ist – aber das sei letztlich überall im Stadtgebiet der Fall, sofern dort viele Wohnungen für Flüchtlinge gebündelt werden. Durch die hohe Förderung sei jedoch „dieses Projekt im Grunde ein Geschenk an die Stadt“.

 Letztlich sah dies der gesamte Ausschuss so und votierte einstimmig für das Vorhaben. Auf die Frage von Stadtvertreter Wolfgang Juhls, ob die Südstadt noch weitere Flüchtlingsunterkünfte wird verkraften müssen, antwortete Lichte: „Das ist Kaffeesatzleserei. Jetzt kümmern wir uns erst mal um dieses Projekt“.

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