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Aha-Erlebnisse für Schüler

Schule Seminarweg Bad Segeberg Aha-Erlebnisse für Schüler

Ines Knittel-Fahrmeier, die Fachleiterin für Wirtschaft/Politik („WiPo“) und Beauftragte für die Berufsorientierung, nimmt nach 25 Jahren ihren Abschied von der Gemeinschaftsschule am Seminarweg und geht in Pension. Mit Marco Hoffmann steht der Nachfolger aus den eigenen Reihen bereits fest.

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Ines Knittel-Fahrmeier verlässt nach 25 Jahren die Gemeinschaftsschule am Seminarweg. Ihre Aufgaben im Bereich der Berufsvorbereitung werden von Marco Hoffmann übernommen, der seit 2012 in Bad Segeberg unterrichtet.

Quelle: Michael Stamp

Bad Segeberg. Am Seminarweg sollen die Schüler nicht nur das schulische Rüstzeug bekommen, sondern zugleich auf das Leben außerhalb der Schulmauern vorbereitet werden. Dazu gehört die Frage, welchen Beruf man ergreifen soll. Bei der Antwort darauf half Ines Knittel-Fahrmeier ihnen kräftig mit. Schon in den 5. Klassen wird dezent geschaut, welche Stärken und Schwächen die Kinder mitbringen. Spätestens in Klasse 8 geht es dann daran, eine konkrete Idee vom späteren Beruf zu entwickeln.

 „Viele Schüler sind, was den Beruf angeht, unheimlich naiv“, schildert Ines Knittel-Fahrmeier, die neben Deutsch und WiPo auch Geschichte unterrichtet. Mittlerweile ist das Fach mit Geografie zu „Weltkunde“ zusammengefasst. Eine Vorstellung, was man in welchem Beruf verdient und wie viel Geld man allein zur Finanzierung von Wohnung und Auto braucht, haben viele Kinder und Jugendliche nicht. „Die denken, sie kommen im Monat mit 50 Euro aus.“

 Daher gibt es die viertägige Aktion „Spiel das Leben“, in dem jeder Achtklässler per Losverfahren eine berufliche Rolle übernimmt. „Einer ist zum Beispiel Landwirt, ein anderer wird Frisör“, berichtet Ines Knittel-Fahrmeier. „Da merken sie dann, dass man nicht von Anfang an 6000 Euro im Monat verdient und sich alles Mögliche leisten kann. Die Schüler wissen oft noch nicht einmal, was ein Brot kostet.“ Das seien Versäumnisse, bei denen eigentlich die Eltern dringend gefordert wären.

 Den Schülern werden bei der Berufswahl zahlreiche Hilfestellungen gegeben. Das fängt damit an, dass sie mit den Fachleuten der JobA GmbH (dem früher städtischen Jugendaufbauwerk) und Arbeitgebern zusammengebracht werden, ebenso mit Mitarbeitern der Bundesagentur für Arbeit. „Einmal im Monat kommt die Berufsberaterin in die Schule und bringt ganz viel Material mit“, schildert Rektorin Barbara Koop-Lehmann. Ab der 9. Klasse werden dann auch die Eltern dazugebeten, wenn das Thema Beruf ansteht. Wie konkret die Wünsche der Jugendlichen schon werden, „hängt vom Reifegrad der Schüler ab“, sagt Marco Hoffmann. Doch gerade die Aktion „Spiel das Leben“ sorgt laut Ines Knittel-Fahrmeier für „viele Aha-Erlebnisse“ bei den jungen Leuten. „Viele ziehen im Spiel dann wieder bei den Eltern ein, um das Geld für die Miete zu sparen.“ Wie viel die eigenen Eltern verdienen, wissen viele Kinder ebenfalls nicht. „Nicht einmal annähernd.“

 Die Entscheidung für einen Beruf wird bei den Schulabgängern immer häufiger vertagt. Von einer der Abgangsklassen, die nach dem 10. Schuljahr die Gemeinschaftsschule verlassen, gehen nach Worten von Barbara Koop-Lehmann gerade mal drei Schüler direkt in eine Ausbildung. Alle anderen wollen anderswo weiter zur Schule gehen und ihren Abschluss verbessern.

 Für den 9. September ist erstmals eine „Job-Tour“ durch Bad Segeberg und einige Nachbarorte vorgesehen. Mit Bussen können die Schüler zu sieben Unternehmen aus sehr unterschiedlichen Branchen fahren und dort in die Arbeitswelt hineinschnuppern. Hinterher findet eine Abschlussveranstaltung in der Jugend-Akademie an der Marienstraße statt.

 Doch wird Ines Knittel-Fahrmeier dann schon nicht mehr dabei sein. Die Bad Segebergerin, die einst aus Baden-Württemberg in die Kreisstadt kam, freut sich auf eine geruhsame Zeit ohne Schule und auf wunderbare Erlebnisse mit ihren fünf Enkelkindern.

 Marco Hoffmann weiß, dass man seine beruflichen Ziele manchmal erst auf Umwegen erreicht – denn das ist ihm auch selber so gegangen. Er sei auch selber „nur“ (er betont das Wort mit leiser Ironie) Realschüler gewesen. Davon, einst selber als Lehrer vor einer Klasse zu stehen, war er vom Gefühl her meilenweit entfernt. Seit Februar 2012 gehört er zum Kollegium der Gemeinschaftsschule am Seminarweg in Bad Segeberg. Er machte eine Bankausbildung, spürte aber, dass er sich für sein Leben etwas Anderes wünscht. „Man erreicht nur eine Zufriedenheit im Beruf, wenn der Beruf mit den eigenen Interessen und Fähigkeiten übereinstimmt“, weiß er. Gesagt, getan. Hoffmann machte sein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg. „Damit habe ich mir meinen Traum verwirklicht.“ Es folgte ein Studium – und mittlerweile unterrichtet der Lübecker Mathematik und Wirtschaft/Politik („WiPo“). Durch seinen Lebensweg kann er den Schülern nun sehr authentisch vermitteln, dass es sich lohnt, für seine Träume zu kämpfen und sich nicht davon einschüchtern zu lassen, dass man den zum Studieren notwendigen Schulabschluss nicht auf dem direkten Weg erworben hat. Wichtig ist, dass man seine Ziele einfach nicht aus den Augen verliert.

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