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Ein Masern-Fall legte die Schule lahm

Kaltenkirchen Ein Masern-Fall legte die Schule lahm

Außerplanmäßig schulfrei bekamen am Dienstag die meisten der rund 600 Kinder und Jugendlichen der Gemeinschaftsschule am Marschweg. Auslöser für den Unterrichtsausfall ist die Erkrankung eines einzigen Schülers an Masern.

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Auch in den Pausen war gestern Vormittag nichts los auf dem Schulhof der Gemeinschaftsschulke am Marschweg in Kaltenkirchen. Die meisten der rund 600 Schüler waren schon am Morgen nach Hause geschickt worden.

Kaltenkirchen. Auch am Mittwoch ist ein Notbetrieb vorgesehen: Allerdings nur für diejenigen Neunt- und Zehntklässler, die gegen Masern geimpft oder durch eine überstandene Krankheit immun geworden sind und nächste Woche Prüfungen haben.

 Bei Masern handelt es sich um eine hoch ansteckende Krankheit, die nach anfänglichen grippeähnlichen Symptomen und nachfolgendem Hautausschlag auch zu weitreichenden Komplikationen (Mittelohr-, Lungen- oder Hirnentzündungen) führen kann.

 „Ich bin hier im 16. Jahr Schulleiter. So einen Fall habe ich bislang nicht erlebt“, sagte Klaus Noack, der vorerst selbst von dem vom Kreisgesundheitsamt verhängten Tätigkeitsverbot betroffen ist und keinen Kontakt zu Schülern haben darf. Ebenso zum Abwarten verpflichtet sind auch andere schon ältere Kolleginnen und Kollegen, die in jungen Jahren nicht gegen Masern geimpft wurden, weil es die Impfung damals noch nicht gab. Erst Anfang der 1970er Jahre wurde sie eingeführt. Deshalb ist noch unklar, ob der erkrankte Schüler möglicherweise Lehrer angesteckt hat, die dann wiederum potenzielle Überträger sein können.

 Wer gestern kein Impfbuch oder eine ärztliche Unbedenklichkeitsbescheinigung vorlegen konnte, durfte nicht unterrichten. Das betraf neben Schulleiter Noack (Jahrgang 1952) etliche andere aus dem Kollegium. Zudem hatten andere ohnehin gestern frei, so dass nur noch sieben der 41 Lehrkräfte zur Verfügung standen. „Die wenigen noch anwesenden Kollegen haben den Notbetrieb klasse gemanagt“, lobte Schulleiter Noack.

 Nachdem am Wochenende das Kreisgesundheitsamt von der Erkrankung des Jungen erfahren hatte, lief sofort eine Vorsorgemaschinerie an. Mitarbeiter der Behörde kontrollierten gestern früh in der Gemeinschaftsschule alle zuvor informierten Schüler, Lehrkräfte und andere dort Tätige. Laut Infektionsschutzgesetz gilt jeder als ansteckungsverdächtig, der keinen ausreichenden Immunschutz nachweisen kann und dann Kontakt zu anderen meiden sollte. Nur wer zwei dokumentierte Impfungen durch Vorlage eines Impfausweises oder nach einer Blutabnahme beim Arzt einen sogenannten serologisch nachgewiesenen Immunschutz nachweisen konnte, durfte in die Schule. Bis kommenden Dienstag, so haben die Fachleute des Gesundheitsamtes errechnet, besteht theoretisch eine Ansteckungsgefahr.

 Fast alle Schüler konnten gestern früh einen entsprechenden Eintrag im Impfpass vorzeigen; sie hätten ohne weiteres in die Schule gedurft. Allerdings waren zu wenig Lehrer da. Deshalb wurden nach Absprache mit dem Schulamt die meisten Klassen nach Hause geschickt. Für die Fahrschüler wurden außerplanmäßig Busse geordert. Die Mensa blieb geschlossen.

 Für rund 130 Neunt- und Zehntklässler, die nächste Woche ihre schriftlichen Abschlussprüfungen absolvieren sollen und mitten in den Vorbereitungen stecken, fand gestern ein provisorischer Unterricht statt. Ebenso soll heute geübt werden. Auch am Montag, 18. Mai, besteht theoretisch noch Ansteckungsgefahr. Deshalb darf auch dann nur zur Schule, wer einen Immunschutz nachweisen kann. Schulleiter Noack rechnet damit, dass bis dahin etliche der zurzeit verhinderten Kollegen einen positiven Blutprobenbefund vorlegen können und der Unterrichtsbetrieb weniger eingeschränkt als gestern und heute ablaufen kann.

 Fest steht bereits, dass drei der Prüflinge keinen Impfschutz gegen Masern besitzen und deshalb bis Dienstag nicht am Unterricht teilnehmen dürfen. Somit verpassen sie auch die für Montag angesetzte Deutsch-Prüfung. Sie wird aber im Juni nachgeholt.

 Der Masern-Fall in der Gemeinschaftsschule hatte auch Auswirkungen auf die benachbarte Grundschule, die mit der Gemeinschaftsschule die gleiche Sporthalle nutzt. Vorsichtshalber kontrollierten Mitarbeiter des Kreisgesundheitsamtes die Impfbücher. Nur wenige Kinder und zwei Lehrkräfte mussten nach Hause geschickt werden. Heute werden einige Stunden ausfallen. Nach Himmelfahrtstag, Ferientag und Wochenende soll kommende Woche der reguläre Betrieb wieder anlaufen.

 Masern-Fälle sind eher selten, können aber weitreichende Folgen haben. Voriges Jahr gab es im Kreis Segeberg einen Ausbruch der meldepflichtigen Krankheit mit 26 registrierten Erkrankten. Betroffen waren auch Schüler der Dr.-Gerlich-Schule in Trappenkamp. Vorübergehend durften nur Schüler zum Unterricht, die nachweislich immun oder geimpft waren. Im Februar ist in Berlin ein Junge, der nicht geimpft war, an den Folgen der Virusinfektion gestorben.

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Ein Artikel von
Michael Zwicker

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