19 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Wenig Gegenliebe

Mehr Verkaufssonntage in Bad Bramstedt? Wenig Gegenliebe

Sollten in Deutschland mehr verkaufsoffene Sonntage möglich sein und es hierzu eine bundesweit einheitliche Regelung geben? In Bad Bramstedt stößt dieser Vorstoß des Handeslverbandes Deutschland auf wenig Gegenliebe. Das zeigte eine Umfrage unter Einzelhändlern und Kunden.

Voriger Artikel
Gestohlene Fahrzeuge gefunden
Nächster Artikel
Kick für einen guten Zweck

Sie sagen Nein zur Ausweitung der verkaufsoffenen Sonntage: Uwe und Elke Bestmann würden dann auch nicht häufiger einkaufen gehen.

Quelle: Einar Behn

Bad Bramstedt. Bad Bramstedt. Diese Debatte für eine größere Zahl von verkaufsoffenen Sonntagen hatte in der vergangenen Woche der Präsident des Handelsverbandes Deutschland, Josef Sanktjohanser, angestoßen. Über die Anzahl entscheidet seit 2006 das jeweilige Bundesland. In Schleswig-Holstein sind nur vier zulässig, in Berlin hingegen acht. Ein Standortnachteil? Außerdem, so die Vorstellung des Verbandschefs, könne der Einzelhandel sich so besser der Konkurrenz des Online-Shoppings erwehren. In Bad Bramstedt urteilte einer der Befragten: „Der Kuchen ist nur einmal zu verteilen.“ Diese Meinung steht stellvertretend für alle anderen.

 In Bad Bramstedt gibt es jährlich zwei verkaufsoffene Sonntage, die, um den gesetzlichen Vorgaben zu entsprechen, immer mit einem Frühlings- und einem Herbstfest gekoppelt sind. Sie werden gut angenommen, aber die Kunden kommen nicht nur zum Kaufen, sondern auch um Bekannte zu treffen, an den Spielen teilzunehmen oder beim Frühlingsfest die ausgestellten Oldtimer zu bewundern. Auch viele Ladenbetreiber sehen diese Feste mehr als Pflege der Kundenbeziehungen, denn als große Umsatzmöglichkeit.

 „Gegen Internet-Geschäfte anzutreten, die 24 Stunden am Tag geöffnet sind und das sieben Tage die Woche, ist in Bad Bramstedt absolut nicht realisierbar“, ist sich Andrea Schroedter sicher, als Vorsitzende des Bürger- und Verkehrsvereins (BVV) auch Sprecherin des Bad Bramstedter Einzelhandels. „Wir haben regelmäßig runde Tische der Gewerbetreibenden. Die Tendenz dort, nicht mehr als zwei verkaufsoffene Sonntage organisieren zu wollen, ist klar erkennbar“, sagt Schroedter. „Die Leute wollen nicht nur shoppen, sondern ein Rahmenprogramm. Bei mehr verkaufsoffenen Sonntagen wären diese aber kein Highlight mehr“, ist sie sich sicher.

 „Die Öffnungszeiten wurden in den vergangenen Jahren permanent verlängert, von zunächst nur einem langen Donnerstag bis hin zu Öffnungszeiten bis 21 Uhr. Den Onlinehandel hat das nicht aufgehalten, er ist nun einmal die moderne Art des Einkaufens“, meint Jürgen Knoop, Inhaber von Eisenwaren Hingst. Längere Öffnungszeiten schlügen sich auf die Betriebskosten der Geschäfte nieder. „Früher habe ich acht Stunden Verbrauchskosten wie Strom oder Heizung gehabt, heute sind es rund 15 Stunden“, erklärt Knoop. Hinzu käme, dass an verkaufsoffenen Sonntagen Schnäppchenjäger kommen. Unterm Strich sei nicht mehr Bedarf vorhanden. „Die zusätzlichen Kosten müssen wir irgendwo wieder einsparen, das geht dann letztlich nur beim Personal“, so Knoops Erfahrung. „Ökologisch, ökonomisch und sozial ein Desaster“, findet er den Vorschlag des Handelsverbandes.

 „Sechs Tage die Woche reichen“, sagt auch Ingrid Tiarks-Gütte vom Geschäft Buch und Medien. „In unserer Branche sind überwiegend Frauen tätig. Zusätzliche Öffnungszeiten an Sonntagen sind schlecht mit der Familie zu vereinbaren“, ist sie überzeugt und fragt: „Wo ist da denn der Anreiz, wenn die Geschäfte ohne Aktionen sonntags nur geöffnet sind?“

 Der Meinung ist auch Detlef Becker. „Sechs Tage die Woche müssen reichen, um eine Brille kaufen zu können“, argumentiert der Optiker von Brillen Bube am Bleeck. Auch er weist auf die erhöhten Verbrauchskosten für Strom und Heizung hin. „Service ist das höchste Gut des Einzelhandels“, meint Marion Lorenzen von Tee und 1000 Ideen im Landweg. Auch sie hält zusätzliche verkaufsoffene Sonntage ohne begleitende Aktionen für überflüssig. „Es läuft sich ja jetzt schon etwas tot“, so ihre Erfahrung mit den Festen im Frühling und Herbst. Außerdem sei Sonntagsarbeit teurer und, wer sonntags kauft, komme an anderen Tagen nicht ins Geschäft.

 Uwe und Elke Bestmann sehen den Vorstoß des Verbandes aus Kundensicht. Sonntags sollte man „einfach nur mal zur Ruhe kommen“, meint das Paar. „Ich kaufe deshalb auch nicht mehr. Und was bei Aktionen günstiger verkauft wird, muss in der Woche wieder erwirtschaftet werden“, findet Uwe Bestmann. Uta Höch, die früher selbst einen Buchladen betrieben hatte, fragt: „Denkt irgendjemand an die Leute, die dort arbeiten müssen?“ Volker und Sabine Klick finden: „Jeder verkaufsoffene Sonntag ist einer zu viel. Die Menschen sollten sich wieder mehr mit sich selbst beschäftigen.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
Mehr aus Nachrichten aus Segeberg 2/3