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Wichtig: Gegenseitiger Respekt

Neue Ausländerbeauftragte Wichtig: Gegenseitiger Respekt

Dilek Agdan (53) aus Bad Bramstedt wurde vom Kreistag einstimmig zur ehrenamtlichen Ausländerbeauftragten bestellt. Sie will dazu beitragen, dass die Menschen „keine Berührungsängste haben“.

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Dilek Ağdan engagiert sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich für die Integration und schult hauptberuflich Flüchtlingsbeauftragte in Moscheegemeinden.

Quelle: Gerrit Sponholz

Kreis Segeberg. Vorschusslorbeeren hatte der Kreistag an Dilek Agdan schon 2012 verteilt. Damals war sie für ihre Integrationsarbeit für türkische Familien ehrenhalber in die Bürgerrolle des Kreises eingetragen worden. Selbst Bundespräsident Joachim Gauck hatte sie schon mit einer Einladung zu seinem Neujahrsempfang in Berlin gewürdigt.

 „Ich will helfen, das Miteinander zu fördern und dass die Menschen aufeinander zugehen“, sagt sie im Gespräch mit der SZ. Denn Desinteresse trage dazu bei, dass Mauern aufgebaut würden. Wichtig sei gegenseitiger Respekt, sagt sie. Welche Hautfarbe jemand habe, ob jemand ein Kopftuch trage oder barfuß gehe, sei jedem selbst zu überlassen: „Man sollte keinen zwingen, sich Schuhe anzuziehen.“ Sie wird im Jugendhilfeausschuss mitarbeiten und folgt Viktor Vogt, der sich von diesem Amt zurückgezogen hatte.

 Im Zusammenleben zwischen In- und Ausländern habe sich in den vergangenen Jahrzehnten vieles zum Positiven hin verändert, sagt sie. Beide Seiten würden weniger miteinander fremdeln, zeigten mehr Verständnis für einander. Viele Zuwandererfamilien seien hier sesshaft geworden, bauten Häuser und würden sich zunehmend entschließen, sich hier auch bestatten zu lassen. „Die dritte Generation der Zuwanderer ist sehr erfolgsorientiert, redet nicht von einer ,Heimkehr’.“ Muslimische Beerdigungen seien hier möglich, Muslime und Christen feiern zusammen, die Kinder lernen voneinander. Bestes Beispiel sei das gelungene Zusammenleben in Bad Bramstedt, meint Dilek Agdan.

 Dennoch gebe es noch Schwierigkeiten, räumt sie ein. Etwa, wenn ein Ausländer Sprachprobleme mit der Bürokratie hat. Oder eine Frau Hilfe benötigt, weil sie schwanger geworden ist. Oder wenn ein Flüchtlingshilfsnetz geknüpft werden soll.

 Dilek Agdan hat fast alle Phasen in der Bundesrepublik miterlebt. In Anatolien geboren, wuchs sie die ersten Lebensjahre in Ankara auf. Mit sechs Jahren, 1969, kam sie nach Deutschland, wo ein Teil ihrer Familie bereits lebte. Früh half sie ihrem Vater, indem sie für ihn dolmetschte. Sie packte auch die Herausforderung an, als ihr erstes von vier Kindern eine Behinderung hatte. Viel Energie verwandte sie darauf, ihm letztlich mit Erfolg ein eigenständiges Leben zu ermöglichen. Diese Erfahrungen nutzte sie auch für ihre Integrationsarbeit. So gab sie türkischen Kindern Nachhilfeunterricht, arbeitete als Familienbetreuerin für das Jugendamt, half Flüchtlingen, trainierte Fußballteams, begründete einen deutsch-türkischen Frauentag in der Bad Bramstedter Moschee und unterstützte Ausländerfamilien bei der Suche nach Jobs und Kitaplätzen.

 Sie bekleidet noch weitere Ehrenämter: Als stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Islamischen Religionsgemeinschaft Ditib kümmert sie sich um die Frauenarbeit in 36 Moscheegemeinden und ist stellvertretende Vorsitzende im Bund der muslimischen Frauen in Norddeutschland, sie führt den Frauenvorstand in der Moscheegemeinde Bad Bramstedt und ist ehrenamtliche Flüchtlingsbeauftragte.

 Hauptamtlich arbeitet sie in Hamburg für ein bundesweites Projekt. Dilek Agdan schult Flüchtlingsbeauftragte, damit sie später in den Moscheegemeinden Flüchtlingshilfe leisten können. Träger sind mehrere muslimische Verbände der Deutschen Islam-Konferenz. Gefördert wird das Projekt von mehreren Bundesbehörden.

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Gerrit Sponholz
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