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Widerstand gegen 380 kV

Henstedt-Ulzburg Widerstand gegen 380 kV

Der Widerstand gegen die teilweise durch Henstedt-Ulzburg geplante 380-Kilovolt(kV)-Stromtrasse („Ostküstenleitung“) wächst. Geschlossen agieren die fünf Fraktionen der Gemeindevertretung gegen das Bauvorhaben im Ort.

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Protest gegen die geplante Stromleitung durch Henstedt-Ulzburg.

Henstedt-Ulzburg. Nun sollen noch möglichst viele andere Bürger mobilisiert werden - für eine Protestaktion und eine Unterschriftensammlung.

 Seit Jahrzehnten gibt es bereits eine 220-kV-Leitung, die vom Umspannwerk bei Stockelsdorf an Bad Oldesloe, Oering, Kisdorf und dem Henstedt-Ulzburger Ortstteil Götzberg vorbei bis zum Umspannwerk in Henstedt-Rhen führt. Diese Leitung ist nach Berechnungen der Bundesnetzagentur nicht leistungsstark genug für künftig zu erwartende Strommengen und soll deshalb durch eine 380-kV-Trasse mit höherer Kapazität und auch höheren Masten ersetzt werden. Im Gespräch ist, auf zwei Abschnitten – bei Kisdorf und in Henstedt-Ulzburg – die Kabel in der Erde zu verlegen. Dafür gibt es jedoch noch keine rechtliche Grundlage.

 Vorgesehen ist zudem, die Leitung bis zur A7 zu verlängern, wo sie mit der ebenfalls neu geplanten Nord-Süd-Stromtrasse (Audorf bis Norderstedt) verknüpft werden soll. An dem Knotenpunkt soll ein Umspannwerk gebaut werden, wofür rund 100000 Quadratmeter Fläche – wahrscheinlich im Bereich Beckershof in Henstedt-Ulzburg – benötigt werden. Zurzeit befindet sich das Projekt mit Trasse und Umspannwerk in der Feinplanung. Das noch anstehende Planfeststellungsverfahren soll bis 2017 abgeschlossen sein. Danach erfolgt der Bau. Schon 2018 soll der Betrieb auf der Ostküstenleitung starten.

 „Nach dem Willen der Planer wird die Trasse auch über Ulzburg-Süd verlaufen, quer über das Gewerbegebiet, dicht an Wohnbebauung vorbei und direkt über das Waldstück des Waldkindergartens im Rantzauer Forst“, ist Bürgervorsteher Uwe Schmidt (CDU) besorgt. Und auch den hohen Flächenverbrauch für das Umspannwerk möchte er verhindern. Möglicherweise kommt später in der Nähe eine große Konverterstation auf rund sieben Hektar hinzu. „Insgesamt werden also rund 17 Hektar benötigt. Dazu darf es nicht kommen. Da sind sich alle Fraktionen und die Verwaltung einig und haben gegen das Projekt bereits eine Resolution verabschiedet“, betonte Schmidt. Der Bürgervorsteher hofft auf eine breite Unterstützung. Gelegenheit dazu bietet sich in der Einwohnerversammlung am Dienstag, 30. Juni, ab 18.30 Uhr im Bürgerhaus. Diskussionsthema wird die Ostküstenleitung sein. Vertreter des Stromnetzbetreibers Tennet und des schleswig-holsteinischen Energiewendeministeriums sind eingeladen. „Es darf keine Saalschlacht geben, aber eine breite Abwehrhaltung soll deutlich werden. Ich hoffe auf ein volles Haus sowie viele Plakate und Transparente“, sagte Bürgervorsteher Schmidt. „Es sollten sich nicht nur die direkt Betroffenen an diesem Abend beteiligen. Wir müssen Geschlossenheit zeigen und uns gemeinsam zur Wehr setzen.“

 Bereits in der Sitzung der Gemeindevertretung im Mai haben alle Fraktionen - CDU, SPD, WHU, BFB und FDP - gemeinsam eine Resolution gegen die geplante 380 kV-Leitung verabschiedet. Das Gremium ist der Ansicht, dass das von der Firma Tennet und dem Energiewendeministerium gemeinsam gestartete sogenannte Dialogverfahren im Rahmen der Trassenfindung erhebliche Mängel aufwies. „Insbesondere wurde das Schutzgut Mensch im Bereich Henstedt-Ulzburg nicht ausreichend berücksichtigt. Bereits vor Ende des Dialogverfahrens war daher für die Gemeindevertretung erkennbar, dass die Tennet im Wesentlichen nur die jetzt gewählte Trassenführung über Henstedt-Ulzburg in Erwägung gezogen hat“, so Bürgervorsteher Schmidt.

 Die Gemeindevertretung fordert deshalb, eine Verlegung der Trasse und des damit verbundenen Umspannwerkes erneut zu prüfen. „Unsere Präferenz ist die Trasse der geplanten Autobahn 20 durch den Kreis Segeberg“, betonte Schmidt. Weiterhin fordern die Kommunalpolitiker eine Überprüfung, ob die Ostküstenleitung überhaupt erforderlich sei.

 Das geschlossene Vorgehen der Gemeindevertreter können Bürger auch mit ihrer Unterschrift unterstützen. Listen liegen noch bis zum 4. September in öffentlichen Einrichtungen aus. Jeder Henstedt-Ulzburger kann sich eine Blanko-Liste von der Gemeinde-Homepage (www.henstedt-ulzburg.de) herunterladen und selbst Unterschriften sammeln.

 Das haben Beschäftigte des kommunalen Waldkindergartens in Ulzburg-Süd mit Eltern aller 64 Kita-Kinder bereits getan. 900 Unterschriften wurden Bürgermeister Stefan Bauer zur Weitergabe an die Tennet überreicht. Zudem schickt Bauer regelmäßig Protestschreiben mit bunten Handabdrücken der Waldkita-Kinder an Umwelt- und Energiewendeminister Robert Habeck (Bündnis90/Die Grünen) - mit dem Hinweis: „Ich werde diese Botschaften wöchentlich zusenden, bis Sie hoffentlich einsehen, mit der Trassenführung durch Henstedt-Ulzburg die falsche Wahl getroffen zu haben.“

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Ein Artikel von
Michael Zwicker

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