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Albtraum statt Traumhaus

Bauärger in Heidmühlen Albtraum statt Traumhaus

Ein Haus wollten Susanne und Jörg Stade bauen, ganz in der Nähe des Segeberger Forstes, schön gelegen für ausgiebige Radtouren und um Eltern, Schwiegereltern und Arbeitsplätze zu besuchen. Doch vier Jahre nach Baubeginn haben sie bislang nur eine Bauruine – und können sich jetzt doch noch freuen, dass sie diese wieder einreißen und das Haus neu bauen dürfen.

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Susanne und Jörg Stade blicken auf ihre Bauruine am Klint in Heidmühlen. Vier Jahre Bauherren-Horror liegen hinter ihnen.

Quelle: Detlef Dreessen

Heidmühlen. Ein Stück aus dem Lehrbuch, was man beim Hausbau alles falsch machen kann, scheint das Gebäude in der Straße zum Wildpark Eekholt mit der Adresse Am Klint 35 zu sein. Nach Fertigstellung des Rohbaus im Dezember 2011 stellten Susanne und Jörg Stade Mängel fest. Erst einen, dann noch einen – insgesamt kamen sie auf 120.

 Doch damit nicht genug. Als sich die Firmen fast ein Jahr geweigert hatten, die Mängel zu beheben, leiteten die Stades, so berichten sie, ein gerichtliches Beweisverfahren ein. Der dabei beauftragte unabhängige Sachverständige habe im November 2012 festgestellt, dass das Ausbessern gar nichts bringen würde. Die Statik sei dermaßen schlecht und noch dazu der Ringbalken fehlerhaft, dass Einsturzgefahr bestehe.

 Gewundert hatten sich die Stades schon vorher, als eine Mauer unter der Last des Dachstuhls zusammengebrochen war. Jetzt hatten sie immerhin den Gutachter auf ihrer Seite.

 Was sich anschloss, war, wie Jörg Stade berichtet, ein Lehrstück, wie eine gerichtliche Entscheidung verzögert werden könne. Immer wieder hätte der Anwalt von bauausführenden Firmen Termine abgesagt. Inzwischen meldete das Unternehmen, das den Rohbau erstellt hatte, Insolvenz an. Der Anwalt des Zimmerers schob seinerseits eine Klage gegen das Ehepaar an, das nicht einsah, weshalb es ihn bezahlen sollte.

 „Wir haben teilweise nicht mehr geschlafen“, berichtet Jörg Stade. Immerhin ging es um mehr als 200000 Euro. Das Haus, in dem sie in Ellerau wohnten, hatten sie schon zum Mai 2012 in freudiger Erwartung des Umzugs verkauft. Nun fiel jeden Monat Miete für eine Übergangswohnung an. Die Anwaltskosten kamen hinzu. „So etwas übernimmt keine Rechtsschutzversicherung“, erklärt der selbständige Softwareentwickler.

 Als sie mitbekamen, dass in Heidmühlen das Gerücht kursierte, die Baustelle sehe so aus, weil sie angeblich die Handwerker nicht bezahlen könnten, hängte das Ehepaar Schilder auf. Darauf dokumentierte es, dass das Haus nicht weitergebaut werden dürfe und wer die beauftragten Handwerker waren. Da das Unternehmen aus der Region stammt, gab es entsprechenden Ärger.

 Ohne Galgenhumor hätten wir das nicht durchstehen können, sagt Jörg Stade. Zum Glück hätten sie zuvor Geld für den Hausbau angespart und den Erlös aus dem Verkauf des Hauses in Ellerau gehabt. „So hatten wir das Geld für die Anwalts- und Gerichtskosten.“

 Anderen Bauwilligen rate er, für solche Fälle Geld zurückzulegen – und keinen Handwerker zu früh zu bezahlen. Weil auch sie das nicht getan hätten, müssten sie nicht warten, bis Geld zurückkommt. Glücklicherweise sei auch der Architekt in seiner Funktion als Bauleiter versichert gewesen.

 So konnte im Februar 2015 endlich ein Vergleich mit der Versicherung erreicht werden. Die übernahm 200000 Euro des Schadens, in den auch die Abrisskosten einberechnet wurden. Mehr als 10000 Euro haben sie trotzdem zugesetzt, berichtet Jörg Stade. Hauptsache aber sei, dass sie jetzt die Ruine abreißen könnten.

 Im Mai oder Juni wollen sie einen zweiten Versuch des Hausbaus starten. Wenn alles klappt, könnte zum Jahreswechsel der Einzug vonstatten gehen. Doch von Weihnachten im eigenen Heim in Heidmühlen zu träumen, wagen Susanne und Jörg Stade noch nicht. „Nach diesen Erfahrungen macht man keine großen Pläne mehr.“

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