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Echte Liebe kennt keine Liga

Segeberger HSV-Fans Echte Liebe kennt keine Liga

Egal, ob morgens beim Bäcker, nachmittags auf dem Fußballplatz oder abends am Stammtisch: Die Talfahrt des Bundesligisten Hamburger SV ist derzeit, nicht nur in Fußballerkreisen, ein allgegenwärtiges Thema. Vor dem Nordderby des Tabellenletzten beim SV Werder Bremen am Sonnabend hörte sich die Segeberger Zeitung bei drei Fanklubs im Kreis Segeberg um.

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Wenn Andreas Buskies (rechts) nicht mit seinem Fanklub „Die Asseln“ im Stadion weilt, verfolgt er im heimischen Westerrade die Spiele in seiner Garage, die einem Fanartikel-Geschäft gleicht. Sohn Peer-Cedric (12 Jahre, links) und Tochter Brinja (9) teilen die Leidenschaft ihres Vaters.

Quelle: Markus Weber

Kreis Segeberg. Dass in diesem Haus die Herzen höher schlagen, wenn der HSV spielt, ist auf den ersten Blick zu erkennen. In der Garage von Andreas Buskies hängen Fahnen, Wimpel und andere Fan-Devotionalien in Blau-Weiß-Schwarz, den Vereinsfarben des hanseatischen Bundesliga-Klubs. Buskies wohnt in Westerrade und gründete 2008 mit ein paar Freunden den Fanclub „Die Asseln“. Wenn der HSV spielt und die rund 30 Mitglieder, von denen nach Buskies’ Worten aber „nur noch 10 bis 12 regelmäßig aktiv dabei sind“, nicht im Stadion sitzen, verwandelt sich die Garage in eine Arena. Mit einem Beamer werden die TV-Bilder an die Wand projiziert. „Die aktuelle Saison verläuft wie die letzte - nur noch viel schlimmer“, kommentiert der 44-Jährige. Die Resignation ist dem zweifachen Vater anzumerken. Seit dem 1:2 bei Eintracht Frankfurt Ende Februar besucht Buskies kein Heim- oder Auswärtsspiel mehr - aus Frust und Enttäuschung. „Wie man solch eine schwache Leistung abliefern kann und dabei noch nicht einmal kämpft, wie in Frankfurt, ist mir unverständlich“, bemängelt er das fehlende Aufbegehren der Hamburger Kicker im Abstiegskampf. „Deshalb ist meine Hoffnung, dass der HSV erstklassig bleibt, auch nicht mehr allzu groß.“

 Buskies’ Kritik fällt vergleichsweise moderat aus. Weitaus kritischer verfolgt Torben Westphal den Niedergang des hanseatischen Traditionsverein. „Der HSV hat mir die Lust am Fußball genommen“, sagt Westphal, der seit seinem 12. Lebensjahr für die Hamburger Kicker schwärmt. Seit 2005 ist er Mitglied im Ricklinger Fanklubs „Rauten Ranger“, der derzeit rund 10 Gleichgesinnte zählt.

 Westphals einst innige Liebe zur Raute ist fast erloschen. Für ihn und seine Leidensgenossen stehen die Verantwortlichen für die Talfahrt nicht nur auf dem Rasen. Die Vereinsführung habe aus der schwachen Vorsaison, als sich der HSV erst in zwei Relegationsspielen gegen den Zweitliga-Dritten Greuther Fürth den Klassenverbleib sichern konnte, nichts gelernt. „Wir sind mit anderthalb blauen Augen davon gekommen, weil der liebe Gott die Raute im Herzen getragen hat. Dass die Herren aber die Zeichen der Zeit nicht verstanden haben und genauso weitermachen, kann ich nicht begreifen“, moniert der 39-Jährige. Auch am kickenden Personal lässt er kein gutes Haar. „Grundtugenden im Abstiegskampf sind Kampf und Herzblut. Erkennen kann ich dies bei diesen Söldnern nicht.“

 Seine letzte Hoffnung zieht er aus dem dritten Trainerwechsel dieser Saison - von Peter Knäbel zu Bruno Labbadia. Als „die letzte Chance“ bezeichnet er das Stühlerücken am Spielfeldrand. Überzeugt klingt er dabei aber nicht. „Dazu müsste sich Grundsätzliches ändern. Bisher waren aber kein System und keine Hierarchie zu erkennen“, sagt der Dauerkarten-Inhaber, der seit 15 Jahren ein Saisonticket besitzt, im Falle eines Abstieges sich das Geld aber sparen wird: „Die zweite Liga werde ich mir nicht antun.“

 Wenn es um den Hamburger SV geht, redet sich Sascha Petersen in Rage. In den Worten des 41-jährigen Wiemersdorfers schwingen Enttäuschung, aber auch Leidenschaft, eine gewisse Trotzigkeit und sogar ein Hauch von Zuversicht mit. „Wir holen noch acht Punkte und bleiben drin“, ist sich das Gründungsmitglied des Fanklubs „Ballbesitz“ sicher. Der gebürtige Niedersachse pilgert seit 30 Jahren in den Volkspark und gründete 2004 mit Freunden den Fanklub.

 Auch er leidet, wenn er die Darbietungen und die daraus resultierende Ergebnisse seiner Lieblinge verfolgt. „Seit drei Jahren ist es nicht immer schön, HSV-Fan zu sein“, sagt Petersen. Er vermisst die echten Typen und Kerle auf dem Feld, die alles geben und mit Leidenschaft versuchen, erfolgreich ihrem Beruf nachzugehen. „Wenn man dann verliert, ist das okay.“

 „Die Spieler sind mir egal, der HSV als Verein wird aber bleiben. Und wir Fans werden ebenfalls weiter da sein“, verdeutlicht Sascha Petersen, der den Zusammenhalt unter den Anhängern, egal ob bei Heim- oder Auswärtsspielen, als prägendes Erlebnis betrachtet. „Weil wir für den HSV stehen und Hamburg präsentieren“, meint der Wiemersdorfer, dessen Zuneigung zwar auf eine harte Probe gestellt wird, aber unerschütterlich bleibt. „Für mich gibt es, unabhängig vom Klassenerhalt, keine Alternative zum Hamburger SV. Denn echte Liebe kennt keine Liga.“

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