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Schümann tritt zurück

Wiemersdorf Schümann tritt zurück

Unzweifelhaft ist Hans-Hermann Schümann ein streitbarer Mensch. Die Forderungen und Äußerungen des SPD-Gemeindevertreters in Wiemersdorf stoßen oft auf keine Gegenliebe. Der Landwirt zieht nun die Konsequenz. Am Dienstagabend legte er nach 35 Jahren sein Mandat nieder.

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Hans-Hermann Schümann verlässt nach 35 Jahren die Gemeindevertretung.

Quelle: Einar Behn

Wiemersdorf. Der Gemeindevertretung präsentierte Hans-Hermann Schümann eine gepfefferte Erklärung. Besonders geärgert hat ihn die mangelnde Unterstützung in Sachen Zuschussrückzahlung für das Feuerwehrauto. Der Ortspolitiker hatte im April in der Segeberger Zeitung Landrat Jan Peter Schröder angegriffen, weil die Gemeinde 23000 Euro an den Kreis zurückzahlen soll. Wiemersdorf hatte Fehler beim Kauf eines Feuerwehrautos begangen, wodurch nach Ansicht des Landrates kein Anspruch auf eine Förderung bestand. Auch zahlreiche andere Gemeinden sind davon betroffen. Schümann hatte gefordert, wenn der Landrat nicht einlenke, müsse er Hausverbot in Wiemersdorf bekommen und solle nicht zur 850-Jahrfeier der Gemeinde in 2017 eingeladen werden.

 Das ging aber einigen Gemeindevertretern zu weit. „Dass sich Hans-Hermann Schümann als Finanzausschussvorsitzender an die Presse wendet, war zwar mit uns abgesprochen. Doch er hätte Sachinformationen liefern sollen, nicht seine persönliche Meinung“, sagte Silke Holtorf. Sie ist die Fraktionsvorsitzende der Kommunalen Bürgervereinigung (KBV), die in der Gemeindevertretung die Mehrheit und mit Gerd Sick auch den Bürgermeister stellt. Holtorf hatte Schümann in einer Gemeindevertretersitzung wegen seiner Äußerungen in der SZ kritisiert. Nun die Retourkutsche von Schümann: „Federführend bei dieser Attacke ist wieder einmal Silke Holtorf“, schreibt er in seiner Rücktrittserklärung und bemüht darin sogar Schillers Bürgschaft: „Silke ist die mit dem Dolch im Gewande.“

 Ein weiteres Ärgernis für Schümann: Als Finanzausschussvorsitzender habe er genaue Berechnung über die Wirtschaftlichkeit des geplanten Dorfhauses, den Markttreff, angestellt, in das auch ein Laden und eine Gaststätte integriert werden sollen. 25000 bis 30000 Euro jährlichen Verlust habe er errechnet, doch „die KBV hat meine Zahlen in der Luft zerrissen, obwohl sie richtig waren. Allen voran wieder Silke Holtorf.“ Ein halbes Jahr später habe dann Gemeindevertreter Frank Mielewski, Mitglied der KBV, die gleichen Zahlen errechnet, und „er wird der Held des Jahres.“

 Holtorf, Angestellte der Stadtverwaltung Bad Bramstedt, räumt das auch ein: „Herr Mielewski ist selbstständiger Betriebswirt in Hamburg, zu seinen Berechnungen habe ich einfach mehr vertrauen.“

 Die Gemeinde sei auch gegenüber den Bürgern unfair, sagt Schümann. Als der Betreiber einer Spielhalle – „ein guter Steuerzahler“ – an der Landesstraße 319 einen Alleebaum gestutzt hatte, gab es prompt eine Anzeige bei der Polizei. Das Verfahren wurde mittlerweile eingestellt. Als aber ein Mitglied der KBV einen Baum an der L319 „platt gemacht“ hatte, habe sich niemand darum gekümmert. Silke Holtorfs Erklärung dafür: Das Ordnungsamt des Amtes Bad Bramstedt-Land habe den Spielhallenbetreiber angezeigt, nicht die KBV. In dem anderen Fall sei der Landesbetrieb Straßenbau Itzehoe zuständig gewesen, weil der Baum direkt an der Straße stand und damit im Eigentum des Landes war. Die Behörde habe aber nichts unternommen.

 Landwirt Schümann, auch Mitbetreiber des Bürgerwindparks Wiemersdorf, gehört seit 35 Jahren der Gemeindevertretung an. Die ersten Jahre war er Mitglied der CDU-Fraktion, die es mittlerweile nicht mehr gibt. In den frühen 1990er-Jahren überwarf er sich dann mit seinen Parteifreunden über den Bau einer zentralen Trinkwasserversorgung und wechselte zur SPD. Die CDU wollte damals das Trinkwasser für die Gemeinde aus Bad Bramstedt beziehen. Mit Schümanns Übertritt kam eine Mehrheit für einen Anschluss an den Wasserbeschaffungsverband in Brokstedt zustande.

 Nun überlegt Schümann, auch aus der SPD auszutreten. „Als Landwirt und Windmüller bin ich kein Freund von Gabriel“, sagte er zur SZ. „Ich bin nur wegen der Kommunalpolitik in der SPD.“

 Auf den freigewordenen Sitz in der Gemeindevertretung wird Iris Steckan nachrücken.

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